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Plön Texte und Bilder als Ventil für Gefühle
Lokales Plön Texte und Bilder als Ventil für Gefühle
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12:46 29.04.2018
Von Merle Schaack
Auf selbst gebastelten Filmrollen präsentierten Mädchen aus dem ganzen Kreisgebiet ihre Arbeit aus einer Schreib- und Fotowerkstatt, bei der Gefühle im Mittelpunkt standen.  Quelle: Merle Schaack
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Preetz

Das vom Bündnis für Bildung und dem Aktivteam Mädchenförderung des Kreises Plön durchgeführte Projekt fand zum dritten Mal mit Unterstützung der Türkischen Gemeinde in Deutschland statt. „Weil es ein reines Mädchenprojekt ist, ist es bei Migrantenfamilien beliebt. Und wir freuen uns, dass die Mädchen mit Migrationshintergrund dann auch teilnehmen dürfen“, sagt die Projektleiterin und Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Plön, Sonja Reese-Brauers.

Das in eine Schreibwerkstatt, eine Fotowerkstatt und eine Ausstellungswerkstatt gegliederte Projekt, das immer in den Schulferien stattfand, soll nicht nur Mädchen aus dem Kreisgebiet zusammenbringen, sondern vor allem kulturelle Bildung vermitteln. Die 14 bis 18 Jahre alten Mädchen werden den Veranstaltern oft durch Schulsozialarbeiter vermittelt.

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Text und Bild als Ausdruck für Gefühle

„Schrift ist eines unserer größten Kulturgüter“, sagt Reese-Brauers. „Aber viele Mädchen verbinden damit Rotstift und 20 Fehler.“ In der Schreibwerkstatt steht deshalb der Spaß am Schreiben im Vordergrund.

Von kleinen Elfchen bis hin zu langen Geschichten steigerten sich die Aufgaben während der Zeit, die die Gruppe gemeinsam im Naturfreundehaus Kalifornien in Schönberg verbrachte. Die dort entstandenen Texte wanderten in die Projektzeitung und in Postkarten-Form weiter an die nächste Gruppe, die sich den dazu passenden Fotos für die Vorderseite der Karte widmete.

Trauer, Hoffnung, Zuversicht

Die Texte auf den Postkarten und in der Projektzeitung sind unzensiert. „Uns Betreuer hat es teilweise sehr betroffen gemacht, was die Mädchen in ihren jungen Biografien schon erlebt haben“, sagt Reese-Brauers. Da ist die Rede von Tod, Angst oder dem auf der Straße erschossenen Hund. Und oft geht es um die beste Freundin aus der Heimat, die die Schreiberin vermisst.

Aber auch hoffnungsvolle Worte fanden ihren Weg aufs Papier. Die 16-jährige Alaa Jamu, die die Ausstellung mit vorbereitet hat erzählt von ihrem Lieblingstext. Darin steht der Satz „Heimat ist kein Ort, sondern ein Gefühl, das man mit jeder Person oder an jedem Platz fühlen kann.“ Sie sagt: „Ich komme aus Syrien. In dem Text finde ich mich wieder.“

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