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Plön Lars Pohreeps letzter Wunsch
Lokales Plön Lars Pohreeps letzter Wunsch
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16:00 14.07.2019
Von Signe Hoppe
Lars Pohreep wollte noch ein letztes Mal mit Familie und Freunden grillen. An seiner Seite Ehefrau Miriam (li.) und Prof. Dr. Dieter Siebrecht (3.v.re.), Leiter des Interdisziplinären Zentrums für Schmerz- und Palliativmedizin des UKSH, der den schwerkranken Heikendorfer im Wünschewagen auf den Campingplatz Heidkate begleitet hat. Quelle: hop
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Heidkate

Es ist alles vorbereitet. Büfett und Grill stehen. Familienmitglieder, Freunde und Campingnachbarn warten schon, als Lars Pohreep auf einer Trage aus dem Wünschewagen rollt. Hier auf dem Campingplatz Heidkoppel ist der Heikendorfer gerne gewesen und verbrachte mit seiner Familie schöne Abende. Begleitet wird der Schwerkranke von Prof. Dr. Dieter Siebrecht, Leiter des Interdisziplinären Zentrums für Schmerz- und Palliativmedizin des UKSH, einer Krankenschwester und zwei Rettungssanitätern des Arbeiter-Samariter-Bunds.

ALS zerstört motorische Nervenzellen

Erst im April diesen Jahres wurde bei Lars Pohreep ALS in einer schnell verlaufenden Form diagnostiziert. Vor drei Wochen verschlechterte sich sein Zustand, Pohreep konnte nicht mehr selbst atmen. Da der Vater einer 14-jährigen Tochter muskulär sehr eingeschränkt ist, kann er nicht im Rollstuhl sitzen und nur noch seine rechte Hand bewegen. Auf einem Block schreibt Pohreep auf, was ihn gerade bewegt. „Es ist einfach nur schön“, schreibt er mühsam. Er wirkt froh und emotional. Ehefrau Miriam Pohreep ist an seiner Seite. Sie erzählt: „Es war wie eine Atombombe. Um für mich festzustellen, was das für eine Krankheit ist, das hat zwei Monate gedauert und nun sind schon wieder zwei Monate um. Ich funktioniere nur noch. Dazu kommt die emotionale Belastung.“ Besonders schwer sei es für die gemeinsame Tochter.

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Auf der Weaning-Station übt Lars Pohreep jetzt das eigene Atmen. Bald wird er in einer Beatmungs-WG nach Rendsburg verlegt. Sein Frau würde ihn gerne zu Hause pflegen, doch die häuslichen Möglichkeiten gäben dies nicht her. „Ich bin gefestigt und stark genug für das was da kommt, aber es wird nichts Gutes kommen. Davor habe ich Angst“, sagt Miriam Pohreep. Die Krankheit zerstört die motorischen Nervenzellen, die für die willkürliche Steuerung der Muskulatur verantwortlich sind. ALS sei so wenig erforscht, dabei gäbe es die Krankheit bereits seit 150 Jahren, sagt sie.

Trotz Krankheit sind Lars Pohreep die Freunde geblieben

Freunde, Arbeitskollegen und Verwandte stehen um Lars Pohreep herum, plaudern, machen Selfies. „Ich kann mich hier richtig entspannen“, schreibt der ALS-Kranke. „Hier ist es wie im Urlaub.“ Es bedeutet Lars Pohreep viel, dass ihm trotz Krankheit die Freunde geblieben sind. Der Hobbyeisenbahner hat im Keller eine 15 Quadratmeter große Modelleisenbahn und war aktiv in der örtlichen Eisenbahn-AG. „Keine Freunde haben sich weggedreht – das hilft einem sehr“, schreibt er.

"Jeden guten Tag im Leben wertschätzen"

Wenn klar sei, dass Heilung nicht mehr möglich ist, dann ginge es darum die Lebensqualität zu verbessern, so Prof. Siebrecht. Dazu gehörten neben der medizinischen Betreuung der Einbezug der Familie. Das Projekt Wundervoll vom Förderverein für Palliativmedizin Kiel erfüllt letzte Herzenswünsche. Das kann die Fahrt in einem Cabriolet sein, das Lieblingsessen oder ein THW-Besuch. Gemeinsam mit dem Wünschewagen vom ASB konnte so das gemeinsame Grillen gleich hinterm Deich ermöglicht werden. „Man sollte jeden guten Tag im Leben wertschätzen“, sagt Miriam Pohreep. Jemand ruft: „Wurst ist fertig.“ Lars Pohreep kann zwar weder essen noch riechen, doch er ist froh. Was bleibt, ist die Erinnerung.

Wer das Projekt unterstützen möchte, kann das hier tun:

Spendenkonto Projekt WunderVoll vom Förderverein für Palliativmedizin Kiel e.V.: Kieler Volksbank eG, IBAN: DE02210900070090977700

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