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Plön Glucke zieht Entenküken groß
Lokales Plön Glucke zieht Entenküken groß
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17:25 06.08.2019
Von Nadine Schättler
Robert Falkenau sind die kleinen Entenküken in seinem Garten ans Herz gewachsen. Quelle: Nadine Schättler
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Mönkeberg

Es war Ostern, als Robert Falkenau unter dem Holzsteg am Schwimmteich das Entennest mit sechs frisch gelegten Eiern bemerkte. Nur zwei Tage später war die Entenmama auf einmal verschwunden. Und kam auch nicht wieder. „Da lagen die Eier. Was machen wir jetzt mit denen, haben wir uns gefragt“, erzählt Robert Falkenau. Als Tierfreund mit einem offenen Hühnerstall, einem Wachtel-Gehege und zwei Hunden im Haus sowie unzähligen Blühpflanzen im Garten war ihm schnell klar, dass er mit seiner Partnerin etwas tun musste. Im Internet haben beide zu recherchieren begonnen und schnell eine Idee gefunden. „Wir sind nicht die ersten, die Enteneier von Hühnern ausbrüten lassen. Und unsere Phoebe war gerade gluckig.“

Separater Brutstall musste feucht gehalten werden

Die Umsetzung war jedoch aufwendiger als gedacht. Das Nest in einem separaten Brutstall der großen Hühner-Mannschaft musste ständig feucht gehalten werden. Eine untergeschobene Grassode half dabei. „Sonst wird die Schale zu hart und die Küken kommen nicht raus“, erklärt Falkenau. Am 17. Mai schlüpften die Küken, nachdem ein Ei zerbrochen und ein anderes taub war. Die Glucke kümmerte sich rührend um ihre Kleinen, die allerdings das Wasser brauchten, um ihre Augen zu befeuchten. Außerdem sind Entenküken – anders als Hühner – Nestflüchter und marschieren los. „Damit die Glucke nicht verrückt wird, wenn ihre Küken übers Wasser schwimmen, haben wir am Teich ein Gehege mit Auslauf und Zugang zum Flachwasser gebaut, wo sie selbst auf einem Stein im Wasser stehen und den Kleinen zusehen konnte.“

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In den ersten Tagen wurde dieser Bereich vom großen Schwimmteich, der bis zu 1,65 Meter tief ist, abgetrennt. Die Glucke begann, ihren Küken das Picken beibringen zu wollen. Immer einen Korn im Schnabel hochnehmen und wieder fallen lassen. Die Enten folgten ihr auf Schritt und Tritt. „Die Glucke hat die Kleinen angenommen wie ihre eigenen Kinder“, berichtet Falkenau. Doch weil Entenküken schnell wachsen, waren sie nach drei Wochen zu groß für das Huhn und den Stall. Die ersten Schwimmversuche über den Teich endeten mit einem riesigen Krach: „Die Küken haben so jämmerlich nach ihrer Mutter geschrien, da blutete einem das Herz.“

Gründeln, fressen, fliegen

Viel Freude hatten die Teichbesitzer allerdings, wenn die Entenküken wie wild über das Wasser flitzten. „Das kann man mit Kindern vergleichen, wenn die ihre fünf Minuten kriegen. Vielleicht sind es auch erste Flug- oder Fluchtversuche“, sagt Falkenau. Denn die Kleinen lernen jetzt all das, was eine Ente können muss, von ganz alleine: gründeln, fressen, fliegen.

„Lustigerweise machen die das, obwohl ihnen das Huhn diese Dinge natürlich nicht gezeigt hat. Man sieht, dass die Natur vorgesorgt hat und vieles schon in den Tieren drin steckt. Das ist in den Genen verankert.“

Robert Falkenau und seine Partnerin bereuen es nicht, die kleinen Enten mithilfe von Phoebe gerettet zu haben. Auch wenn es mitunter viel Arbeit und ein Bangen ums Überleben war. Die Küken sind den Tierfreunden ans Herz gewachsen. Doch sie bereiten sich allmählich auf den Abschied vor. „Enten sind Wildtiere. Deswegen haben wir bewusst keine enge Bindung aufgebaut.“ Auswildern will Robert Falkenau die Enten allerdings nicht. Er wartet, bis die Tiere genauso zufällig davonfliegen, wie sie gekommen sind.

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