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Plön Wandmalerei im ganz großen Stil
Lokales Plön Wandmalerei im ganz großen Stil
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14:02 08.11.2019
Von Sibylle Haberstumpf
Die Mönkebergerin Sabine Leonhardt hat sich auf die Fährte der facettenreichen Künstlerin Helene Blum-Gliewe begeben, die rund 40 Jahre im Kreis Plön lebte und hier viele Kunstwerke hinterlassen hat. Quelle: Sibylle Haberstumpf
Mönkeberg

Ist das Kunst oder kann das weg? Bei Werken von Helene Blum-Gliewe gibt es dazu verschiedene Sichtweisen. Nicht bei allen, aber bei einigen. „Einige ihrer Wandmalereien sind inzwischen hinter Dämmung verschwunden, abgerissen oder mit Holzplatten verkleidet“, erklärt die freiberufliche Restauratorin Sabine Leonhardt (59) aus Mönkeberg. Sie weiß Bescheid über Blum-Gliewe, denn sie hat gerade ein druckfrisches Buch über ihr Lebenswerk herausgegeben. Vorher hat sie sich lange mit der facettenreichen Künstlerin beschäftigt, die mehr als drei Jahrzehnte in einer Wohnung in Mönkeberg lebte.

Immer mit modernen Farben experimentiert

„Man begegnet ihrer Kunst hier überall“, sagt Leonhardt. „Sie hatte sehr unterschiedliche Stile.“ Sie prägte Mönkeberg, aber auch Plön, Heikendorf, die Probstei und andere Orte in Schleswig-Holstein. Von ihren etwa 80 großformatigen Malereien an Hausgiebeln, Kirchen, in Gemeindehäusern, Privathäusern und Schulen zwischen Lübeck, Hamburg und Schleswig sind heute noch viele erhalten. Etwa das Glasfenster und die Ausstattung der Evangelischen Kirche, die Tierkreiszeichen am alten Sportplatz in Mönkeberg oder das große Wandbild in der Bergstraße in Heikendorf. Ein bekannter Hingucker ist außerdem das sieben Meter lange, zweieinhalb Meter hohe Wandbild im Bürgermeisterzimmer in Mönkeberg aus dem Jahr 1958. Es zeigt die Lebensbereiche an der Förde als Allegorie – Werft, Landwirtschaft, Fischerei in einer ziemlich eigenwilligen Komposition in Grau und Rot. Mit modernen Farben hat die Künstlerin immer experimentiert.

Helene Blum-Gliewes Kunst war immer Auftragskunst. Kunst, die da ist, die man wahrnimmt, aber an der man auch mal achtlos vorübergeht. Kunst für den Hintergrund, auf Hausgiebeln, Außenmauern, Innenwänden, Holztafeln, oder Glas. Ausgebildete Bühnenbildnerin war sie auch – als erste Frau in Deutschland.

50 Quadratmeter Wand schreckten sie nicht

Die Frau, die noch mit 70 Jahren im Dienst war, in Mönkeberg auf Baugerüste kletterte und Hauswände verschönerte, soll nicht vergessen werden, findet Sabine Leonhardt. Daher das Buch. Es ist ein hochwertiger, über 200 Seiten schwerer Bildband geworden. Mehrere Lesungen bietet die Autorin in den kommenden Wochen an. Manchmal sind es gigantische Dimensionen: 1965 bemalt sie eine Fläche von sage und schreibe 50 Quadratmetern im Sitzungssaal der Landesärztekammer in Bad Segeberg. Eigentlich ein Bombastwerk für die Ewigkeit – und damals „eines der größten Gemälde Deutschlands“, wie es die Bild-Zeitung vermerkte. Doch die Geschichte endet tragisch für Blum-Gliewe. 1978 wird ihr Meisterwerk auf Beschluss der Ärztekammer mit Holzplatten verdeckt. Viele Ärzte, heißt es, hätte das Wandbild abgelenkt und regelrecht abgeschreckt. Ihre Darstellung der Geschichte der Medizin wurde als zu drastisch, zu detailreich empfunden. Die Maßnahme war umstritten, doch bis heute ist das Bild hinter Holz.

Leonhardt hat viel recherchiert. Blum-Gliewe, geboren bei Danzig, hat zwei Weltkriege erlebt, wurde 1944 in Mönchengladbach ausgebombt, war Zwangsarbeiterin und flüchtete 1946 mit einem Transport des DRK nach Wendtorf, lebte drei Jahre in Heikendorf und zog 1953 schließlich nach Mönkeberg. Hier lebte sie bis 1989 im Quedensweg. 1992 starb sie mit 85 Jahren in Kiel. Mit 70 Jahren begann sie zu schreiben und hatte mit drei Romanen (unter anderem „Die Kaschubenbraut“) späten Erfolg. 1986 wurde sie zur Kulturpreisträgerin des Kreises Plön gewählt.

Ein Stück spannende Regionalgeschichte

Viel Interessantes hat Leonhardt in ihrem Buch auf über 200 Seiten zusammengetragen – sie beleuchtet dabei vor allem auch ein Stück spannende Regionalgeschichte. Die frühen Bühnenbildentwürfe, die privaten Fotos und die beeindruckenden Wandmalereien, die in großer Zahl abgebildet sind, werden mit kurzen Texten oder Zeitungszitaten erklärt.

Die Auflage beträgt 650 Stück, das Buch „Helene Blum – Vom Bühnenbild zur Kunst am Bau“ ist im Verlag der Kunst erschienen. Es kostet 24,95 Euro im Buchhandel und kann auch per Mail bei der Herausgeberin bestellt werden unter info@kultur-werft.de oder bei Kulturwerft e.V., Kaiserstraße 4, 24143 Kiel. Buchvorstellungen: Freitag, 8. November, 17 Uhr, Jugendheim Mönkeberg, Dorfstraße 6; Dienstag, 12. November, 19.30 Uhr, Kreismuseum Plön, Johannisstraße 1; Freitag, 6. Dezember, 19 Uhr, Bücherei Heikendorf, Dorfplatz 2.

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