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Plön Täter muss dauerhaft in Psychiatrie
Lokales Plön Täter muss dauerhaft in Psychiatrie
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17:17 25.11.2019
Von Thomas Geyer
Das Reihenhaus war der Tatort des mutmaßlichen Mordes in Preetz: Blumen und Kerzen wurden hier im April 2019 zum Gedenken an die getötete 36-Jährige aufgestellt. Quelle: Signe Hoppe (Archiv)
Kiel/Preetz

Das Mordopfer Jana M. (36) geriet in den Fokus des an Verfolgungswahn leidenden Täters, „weil sie ihm am nächsten stand“. Laut Urteil der Schwurgerichtskammer tötete der psychisch kranke Afghane (25) im Zustand der Schuldunfähigkeit, als er am Morgen des 6.4.2019 unbemerkt in das Reihenhaus der Frau in Preetz einbrach und mit einem Messer über sie herfiel.

Offenbar war der Täter fest davon überzeugt, die ihm eigentlich wohlgesonnene Frau habe drei Killer auf ihn angesetzt, die ihn aufhängen sollten. Mehr als 50 Stiche und Schnitte am Körper des Opfers seien Ausdruck eines absoluten Vernichtungswillens, so das Urteil. „Bestraft werden kann er für diese schreckliche Tat nicht“, erklärte der Vorsitzende Richter Jörg Brommann gestern im Kieler Landgericht.

Dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie wegen Gefahr für die Allgemeinheit

Der seit Sommer 2015 in Deutschland lebende Afghane leidet an einer paranoiden Schizophrenie. Mehrere Kliniken stellten die Diagnose, ein psychiatrischer Sachverständiger bestätigte sie im Prozess. Weil der 25-Jährige eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle, ordnete die Kammer seine dauerhafte Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie an. Dies hatten zuvor auch Staatsanwaltschaft, Verteidigung und die Anwälte der Familie des Opfers gefordert.  

Die Tatwaffe hatte der bereits im Juni 2016 abgelehnte Asylbewerber aus seiner Wohnung in Preetz mitgebracht, als er gegen 9 Uhr morgens nach dem Herausheben eines ungesicherten Gitterrosts in einen Kellerschacht kletterte, ein Fenster aufbrach und ins Haus einstieg. Jana M. habe keine Chance zur Flucht oder Gegenwehr gehabt, so das Gericht. Zwei Stunden nach der Tat hatte sich der Messerstecher mit noch blutigen Händen der Polizei gestellt.

Täter suchte schon 2016 Hilfe in einer psychiatrischen Klinik

Gab es Warnzeichen für einen solchen Gewaltausbruch? Nach der vom Gericht rekonstruierten Krankheitsgeschichte suchte der Mann schon 2016 Hilfe in einer psychiatrischen Klinik, ließ sich stationär behandeln. Seine Hinweise auf schreckliche Erfahrungen beim Militärdienst in Afghanistan und auf der Flucht über den Balkan führten die Ärzte zunächst in die Irre, so die Kammer.

Mit teilweise falschen Angaben habe der Beschuldigte den Blick auf eine Depression und posttraumatische Belastungsstörung gelenkt. Die Ärzte verordneten Psychopharmaka. Warnungen vor gleichzeitigem Konsum von Alkohol und Drogen habe der 25-Jährige immer wieder in den Wind geschlagen, seine Medikamente eigenmächtig abgesetzt.

Im August 2018 – acht Monate vor der Bluttat – diagnostizierten die Ärzte einer Preetzer Klinik erstmals eine akute Psychose: Der Patient höre Stimmen, misstraue jedem. Jana M. unterstützte den Mann, dem sie im Mai 2018 bei einer Geburtstagsfeier im Bekanntenkreis näher kam und dem sie zeitweise einen Schlüssel für ihr Haus anvertraute.  

Opfer unterstützte den Täter vor dem Mord

Laut Urteil zeigte sich die impulsive Frau zugewandt, nahm jedoch selbst Drogen. „Sein Zustand könnte in eine Katastrophe münden“, habe Jana M. schon im September „geradezu hellseherisch erkannt“, stellte die Kammer fest. Damals richtete sich der Verfolgungswahn erstmals gegen die Helferin: Er unterstellte ihr, sie vergifte ihn. Im November 2018 teilte er seinen älteren Bruder in Köln mit, er höre befehlende Stimmen. Blut müsse fließen, der Teufel sei am Werk.

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Der Bruder nahm ihn mit in die Psychiatrie der Uniklinik, die ihm ebenfalls eine akute paranoide Schizophrenie bescheinigten. Doch wieder setzte der Patient die verschriebenen Medikamente ab, ignorierte ärztliche Warnungen vor den Auswirkungen gleichzeitigen Alkohol- und Drogenkonsums.

Die Folge: Zu seinen zunehmenden Ängsten gesellten sich wenige Tage vor der Tat optische Halluzinationen und Muskelzuckungen am ganzen Körper. Gegenüber den Ärzten bestritt der Beschuldigte dagegen jeden Drogenkonsum und zeigte sich scheinbar einsichtig, so das Urteil. Unmittelbar vor der Tat will er Stimmen gehört haben, die ihm befahlen, das Opfer zu töten.

Nach seiner Festnahme räumte der Täter ein, sein Medikament abgesetzt zu haben. In der geschlossenen Psychiatrie soll er jetzt die nötige Disziplin, Zuverlässigkeit und Verantwortung im Umgang mit seiner Krankheit lernen. Laut Urteil „ein  jahrelanger Prozess“, der im Erfolgsfall eines Tages seine Entlassung ermöglichen könnte.

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