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Plön Nackte Verzweiflung bei Milchbauern
Lokales Plön Nackte Verzweiflung bei Milchbauern
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18:40 06.06.2016
Von Hans-Jürgen Schekahn
Heiner Staggen, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Plön, hat mit seiner mehrfach prämierten Kuh My Lady ein Prachtexemplar auf der grünen Wiese. Quelle: Hans-Jürgen Schekahn
Plön

Staggen schätzt, dass in absehbarer Zeit weitere 20 Prozent der Betriebe im Kreis Plön aufgeben müssen. Die finanzielle Lage einiger Bauern ist enorm angespannt. Staggen berichtet von Landhändlern, die kein Futter mehr ausliefern, aus Angst, sie würden ihr Geld nicht erhalten. Um wieder Schrot zu bekommen, hinterlegen Landwirte die Fahrzeugbriefe ihrer Traktoren oder die Pässe der Kühe als Sicherheit. Andere lösen ihre Lebensversicherung auf, die eigentlich für die Altersversorgung gedacht war.

 Der Bauern-Chef rechnet auch mit mehr Druck von Seiten der Banken. Die rieten zur Aufgabe, noch bevor das Eigenkapital endgültig aufgezehrt ist. So erspare man dem Landwirt die Insolvenz.

 Um zu retten, was noch zu retten ist, entschloss sich ein Milchbauer zu einem besonderen Schritt. Er verkaufte sein Land an einen Investoren und pachtete es zurück. Mit dem Erlös aus dem Verkauf führt er nun aber kein fürstliches Leben. Mit dem Geld habe er Kredite ablösen müssen, so Staggen. „Wenigstens ist der Arbeitsplatz gerettet.“ Außerdem: Bei Landverkäufen müssen die Bauern einen Teil des Erlöses versteuern.

 Die EU vergab Ende vergangenen Jahres zinsgünstige Kredite auch an Landwirte im Kreis Plön. Bis zu 100000 Euro sicherten den Fortbestand eines Hofs. Im ersten Jahr war der Kredit noch tilgungsfrei, aber ab Dezember muss nun zurückgezahlt werden. Bis zu 20000 Euro pro Jahr für die Tilgung müssen die Milchbauern dann zusätzlich erwirtschaften. Für viele dürfte das kaum zu schaffen sein.

 Der psychische Druck und die Existenzangst hinterlässt in der Seele der Betroffenen Spuren. Seit Jahren betreibt der Bauernverband zusammen mit der Kirche ein Sorgentelefon. Die Zahl der Anrufe habe seit Beginn der Milchkrise deutlich zugenommen. Staggen ruft seine Berufskollegen dazu auf, sich nicht zu scheuen, seelsorgerische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

 Die Lage bekommt der Kreisbauernvorsitzende auch zu Hause am Telefon zu spüren. Bauern in Not rufen ihn an und bepöbeln ihn, der Verband solle endlich etwas unternehmen. In solchen Fällen fährt er raus und sucht das persönliche Gespräch.

 Für Staggen ist die Milchkrise keine Theorie. Er hat selbst 145 Milchkühe im Stall stehen. 32 Cent bräuchte er pro Liter Milch, nur um seine Kosten zu decken. Sein Lohn ist darin nicht eingerechnet. Die Meierei, an die er liefert, zahlte ihm im Mai 21 Cent. Jeden Monat macht er einen Verlust von 8000 Euro. Er lebt wie seine Kollegen von der Substanz.

 Staggen hofft, dass sich der Preis wieder nach oben entwickelt. Mit einer Besserung rechnet er im November und Dezember. Das ist die Zeit mit der geringsten Milchproduktion im Jahr. Dann dürften die Erlöse wieder steigen.

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