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Plön Neuer Sportplatz ist nicht erforderlich
Lokales Plön Neuer Sportplatz ist nicht erforderlich
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00:16 25.10.2013
Von Andrea Seliger
Sportwissenschaftler Robin Kähler stellte das Konzept für Schwentinental im Rathaus vor. Im Publikum saßen Schulleiter, Vertreter der Politik, der Sportvereine und Bürger. Quelle: Seliger
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Schwentinental

Wo soll die Stadt in Zukunft in den Sport investieren, und wo lohnt es sich nicht? Mit dieser Aufgabenstellung hatte die Stadtvertretung den Professor und sein Team betraut. Denn die Raisdorfer Schulen müssen seit dem Kindergartenbau mit einem geschrumpften Sportplatz auskommen, die Halle der Astrid-Lindgren-Schule galt als „abgängig“, und auch die Vereine hatten eine Wunschliste.

 Die Antworten Kählers waren ganz deutlich: Schwentinental muss keinen neuen Sportplatz in Raisdorf bauen. Auf dem verbliebenen Rasen könnten statt dessen verschiedene Felder angelegt werden: eine 100-Meter-Bahn, ein kleiner Fußballplatz, ein Beachvolleyballfeld, eine Bahn zum Skaten, ein Tartanplatz für Ballspiele und eine Kletterwand. Das Geheimnis sind die unempfindlichen Beläge, die alle Flächen und auch die 100-Meter Bahn vielfältig nutzbar machen und den Kindern und Jugendlichen auch nach der Schulzeit zur Verfügung stehen würden. Zusätzlich sollten die Raisdorfer Schulen aber auch auf den Gerhard-Scheerenberger-Platz gehen können.

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 „Schulsport ist eine hoheitliche Aufgabe“, sagt Kähler, die Einrichtung eines Sportplatzes sei für die Stadt ebenso verpflichtend wie die eines Fachraumes. Eine wettkampftaugliche Leichtathletikanlage sei jedoch nur für die höheren Klassen notwendig, und die könnten die bestehende Anlage in Klausdorf nutzen. Die Kosten für den Umbau des verbliebenen Rasenplatzes in eine vielfältige Sportlandschaft veranschlagte Kähler auf rund 500000 Euro. Der Neubau eines Sportplatzes hinter der Uttoxeterhalle war zuletzt auf 1,3 Millionen Euro geschätzt worden.

 Eine weitere Empfehlung ist eine zentrale Vergabe der Hallennutzungszeiten durch die Verwaltung statt, wie bisher, nach Ortsteilen getrennt durch die Sportvereine. Dafür müsse die Verwaltung zehn Wochenstunden Arbeit mehr ansetzen, „aber Sie werden glücklicher“, prophezeite Kähler, der sich ganz klar „gegen Partikularinteressen“ und für eine Betrachtung der Stadt als Ganzes ausgesprochen hatte – schon aus ökonomischer Sicht. Jürgen Müller, Vorsitzender des TSVK, verwies zwar darauf, dass dies auch die Ehrenamtlichen mehr Arbeit kosten werde, grundsätzlich stimmten die Sportvereine dem aber zu.

 Kähler wagte sich auch an eine andere „heilige Kuh“: Zwei Kleinschwimmhallen könne sich die Stadt nicht leisten. Die Raisdorfer sei „ganz schlecht ausgelastet“, und es stünden hohe Sanierungskosten an. Sie könne in einen zusätzlichen Sportraum umgewandelt werden. Schließlich gebe es noch die Halle in Klausdorf und das Raisdorfer Freibad, die Nutzung sei lediglich eine organisatorische Frage.

 Bei der Sporthalle der Astrid-Lindgren-Schule warnte Kähler dagegen vor einer verfrühten Entscheidung: Aus sportlicher Sicht sei die Halle vollkommen tauglich und könne noch lange genutzt werden. Wenn eine Sanierung günstiger komme als ein Neubau, solle man diesen Weg wählen.

 Insgesamt bewertete der Sport-Professor die Zusammenarbeit mit der Verwaltung, den Schulen und den Vereinen als sehr gut. Stadtvertreter Volker Sindt wollte die Beteiligten deshalb am liebsten gleich zum Notar führen: „Ich hoffe, dass das belastbar ausgehandelt ist und wir als Politik darauf bauen können“, sagte er in Erinnerung an frühere Proteste gegen ähnliche Maßnahmen. FDP-Stadtvertreter Jan Voigt, der das Konzept vor zwei Jahren beantragt hatte, wertete das Ergebnis als „echte Chance für die Stadt“. Es habe bemerkenswerte Ergebnisse gebracht und den gordischen Knoten durchschlagen.

 In schriftlicher Form soll das Konzept im Dezember vorliegen und in den Gremien beraten werden.