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Plön Plöner Zahnarzt-Ehepaar im Hilfseinsatz
Lokales Plön Plöner Zahnarzt-Ehepaar im Hilfseinsatz
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10:02 14.08.2019
Von Anja Rüstmann
Ute und Wolfgang Kehl (rechts) engagieren sich auch für einen Kindergarten auf den Kapverden, der von Baptisten geleitet wird. Gemeinsam mit den Verantwortlichen kaufen sie gesundes Essen für die Kinder ein. Quelle: Privat
Plön

Auf den Kapverden scheint die Sonne an 350 Tagen im Jahr, und es herrschen Temperaturen zwischen 21 und 29 Grad. Die Inseln vor der Westküste Afrikas sind Urlaubsziel. Doch es gibt auch dunkle Wolken über den Kapverden. Etwa 45 Prozent der Bevölkerung sind arbeitslos und leben unterhalb der offiziellen Armutsgrenze. Hilfe ist in vielen Bereichen nötig. 

"Wir haben die Leute dort lieben gelernt"

Ute und Wolfgang Kehl ist das Inselvolk ans Herz gewachsen. Sechsmal war das Zahnarzt-Ehepaar seit seinem Ruhestand dort. Für die Dentists Without Limits Foundation (Zahnärzte ohne Grenzen) behandelten sie dort Hunderte Patienten. Und sie haben auch eigene Hilfsprojekte gestartet. „Wir haben die Leute dort lieben gelernt“, erzählen die beiden. Mitte November geht es wieder los.

Was sie erwartet, wissen sie. In drei der fünf medizinischen Sozialversorgungszentren in der Hauptstadt Praia gibt es Zahnstationen. Die Ausstattung ist gespendet. Da dient auch schon mal eine nicht höhenverstellbare Dreibein-Liege als Zahnarztstuhl, mal gibt es Beleuchtung, mal nicht. Und es gibt viel zu tun. „An neun Arbeitstagen werden rund 350 Patienten behandelt“, sagt Ute Kehl. In ihrer Praxis, die sie bis 2014 in der Eutiner Straße in Plön hatte, waren es deutlich weniger.

Zähne ziehen und Prophylaxe

„Unsere Hauptaufgabe ist dort das Extrahieren“, sagt Wolfgang Kehl. Viele Zähne müssen gezogen werden, sind nicht mehr zu retten. Aber auch Füllungen werden gemacht. Und ganz wichtig sei die Prophylaxe, „dieselbe Arbeit wie bei uns vor 40 Jahren“. Wie putzt man Zähne, wie pflegt man sie? Jeder Patient bekommt von ihnen eine Bürste und Zahnpasta. Und sie versuchen, den Menschen dort die Angst zu nehmen.

Dem Jungen zum Beispiel, der sich nicht untersuchen lassen wollte – und schon gar nicht auf den Zahnarztstuhl kletterte. Wolfgang Kehl nahm ihn auf den Schoß. Am Ende hatte er nicht nur seine Zähne gesehen, sondern bekam von ihm eine herzliche Umarmung und strahlte in die Kamera. Ein anderes Foto zeigt eine Frau auf der Behandlungsliege, auf ihrem Bauch liegt ein schlafendes Kind. Das wollte seine Mutter auf gar keinen Fall alleine lassen, schrie und weinte – bis es einschlief. Die Kehls konnten behandeln.

Hilfseinsätze werden jetzt in Plön geplant

Inzwischen planen die beiden Plöner Zahnärzte nicht mehr nur ihre eigenen Einsätze, zweimal pro Jahr. Wolfgang Kehl ist bei den „Zahnärzten ohne Grenzen“ Projektmanager für die Kapverden geworden. Sie entscheiden, wer zu den Hilfseinsätzen fliegt, planen das komplette Jahr. „Und dann klingelt hier schon mal das Telefon, weil eine neue Gruppe eine technische Frage hat“, sagt Kehl. Videoanrufe sind keine Seltenheit.

Die beiden erzählen von der Psychologin Madalena, die sie durch das Armenviertel geführt hat, die zur Freundin geworden ist. Und von der kapverdischen Kollegin Elisabeth. Die Ärzte vor Ort wollen sie auch schulen, was Zahnoperationen angeht. Hilfe zur Selbsthilfe.

„Das erdet uns“, sagt Ute Kehl. Sie und ihr Mann helfen gern. Auch abseits der Organisation „Zahnärzte ohne Grenzen“. Zum Beispiel in einem Kindergarten, der von Baptisten geleitet wird. Sie haben Spenden gesammelt, kaufen mit den Verantwortlichen gesunde Lebensmittel ein, kochen gemeinsam. Oder sie lassen Wände streichen, richten Kinder-Wartezonen ein mit bunten Stühlen, Bildern an der Wand, Spielzeug.

Auf den Kapverden ist der Fado fröhlich

Was zieht die Kehls immer wieder auf die Inseln im Atlantik, außer, dass die Menschen dort Hilfe wirklich nötig haben? „Dort gibt es einen ganz anderen Lebensstil, die Menschen haben keine Berührungsängste, sind mitreißend“, erzählen sie. Es ist die Offenheit der Bevölkerung, die sie begeistert, und dass sie so musikalisch sind. Die Kapverden sind ehemalige portugiesische Kolonie. Der Fado, ein portugiesischer Musikstil, der eher melancholisch klingt, ist auf den Kapverden aber fröhlich. Ute und Wolfgang Kehl lächeln bei der Erinnerung. Und freuen sich schon auf ihre nächste Reise.

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