Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Plön "Klimaschutz muss global geschehen"
Lokales Plön "Klimaschutz muss global geschehen"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
11:41 09.03.2020
Von Jördis Merle Früchtenicht
Sönke Hartmann ist der Klimaschutzmanager der Stadt Plön. Quelle: Jördis Früchtenicht
Anzeige
Plön

Klimawandel ist ein globales Problem. Kann Plön beim Klimaschutz einen Unterschied machen?

Sönke Hartmann: Das können wir. Klimaschutz muss global geschehen, da zählen wir auch als eher ländliche Kommune Plön dazu. Mit dem Klimaschutzkonzept werden wir sicherlich einen kleinen, aber wichtigen Beitrag leisten können.

Anzeige

Welche Möglichkeiten gibt es denn für die Stadt?

Das Klimaschutzkonzept, das jetzt ausgearbeitet wird, wird die Basis für sämtliche Schritte im Klimaschutzbereich sein. Darin sollen konkrete Maßnahmen verschiedenster Art stehen, mit denen wir CO2-Emissionen senken und so unseren Beitrag leisten können. Was ich wichtig finde ist, dass man bei dem Konzept nicht versucht, das Rad neu zu erfinden. Es gibt sehr viele gute Praxisbeispiele, bei denen man sich was abschauen kann. Unser Ziel ist es, bis zum Jahr 2050 weitgehend klimaneutral zu werden, also 80 bis 95 Prozent weniger CO2 auszustoßen als heute.

Klimaneutralität ist ein Ziel, das viele Kommunen haben. Halten Sie das für realistisch?

Das muss sich zeigen. Ich bin selbst gespannt, was es für Einsparpotentiale in Plön gibt, das wird ein Ingenieurbüro in den nächsten Monaten erfassen. Wenn sich mit einzelnen Maßnahmen zehn, 20 Prozent oder mehr einsparen lassen, muss man schauen, wie man sie sinnvoll kombiniert, um in der Summe 80 Prozent zu erreichen.

Was sind Beispiele für mögliche Maßnahmen?

Im Bereich Mobilität wollen wir den Individualverkehr senken sowie die Nutzung des ÖPNV und Fahrradfahren attraktiver machen. Ein langfristiges Ziel ist, dass die Leute außerhalb der Stadt parken und dann entweder mit dem Bus oder mit Leihrädern in die Stadt fahren können. So wird der CO2-Ausstoß des Pkw-Verkehrs reduziert.

Ist ein ÖPNV, der die Bürger zufriedenstellt, in einer Region wie Plön überhaupt möglich?

Aufgrund der regionalen Zusammenhänge ist es für uns als Plöner schwer, etwa die Taktung der Bahnverbindungen nach Kiel und Lübeck zu erhöhen oder die Preise zu senken. Aber wir können versuchen, die Nutzung des derzeitigen Angebots attraktiver zu machen, indem wir etwa Mobilitätsstationen an gewissen Standorten schaffen. Außerdem soll nächstes Jahr die Sprottenflotte nach Plön kommen, damit können wir den innerstädtischen Bereich mit Leih-Fahrrädern versorgen.

Lesen Sie auch:Laboe: Stationen für Leihräder der Sprottenflotte öffnen

Wo muss abgesehen vom Verkehr gehandelt werden?

Insgesamt betrachten wir neun Handlungsfelder, es geht etwa darum, die Verwaltung nachhaltiger zu gestalten oder die Energieverbräuche unserer Liegenschaften zu reduzieren. Dort ist das Thema Gebäudesanierung ganz präsent. Da werden wir definitiv aktiv werden. Das Gleiche gilt natürlich auch für private Haushalte. Das ist ein Sektor mit vermutlich ganz großem Potenzial, den CO2-Ausstoß zu senken. Bei der Motivation der Wohnungs- und Hauseigentümer, energetische Sanierungen durchzuführen, kann durch entsprechende Beratung einiges bewegt werden. Die neue kostenlose Energieberatung der Verbraucherzentrale ist dafür ein erster wichtiger Schritt.

Das ist Plöns Klimaschutzmanager

Sönke Hartmann (30) ist seit 1. November 2019 Klimaschutzmanager der Stadt Plön. Zuvor arbeitete er in Südtirol bei einem Forschungsinstitut. Dort führte er Projekte durch, in denen es um Klimaanpassung in den Kommunen und Risikokommunikation ging. Davor studierte Hartmann in Kiel und Bonn Geografie.

Wie steht es mit erneuerbaren Energien?

Wir müssen generell schauen, wie wir die Energiekosten senken können und Energie erneuerbar gestalten. Wind ist in Plön aufgrund der vielen Seen und der Umweltschutzfragen etwas schwierig, aber Fotovoltaik ist im Stadtgebiet sicherlich interessant.

Lesen Sie auch:Stadtwerke Plön: Ein E-Antrieb ist nicht immer möglich

Wie wichtig ist es, dass die Bürger mitmachen. Wäre ein effektiver Klimaschutz ohne sie zum Scheitern verurteilt?

Zum Scheitern nicht, aber das würde uns die Aufgabe sehr viel schwieriger machen. Ich finde es wichtig, dass wir das alles gemeinsam angehen und die Maßnahmen zielgerichtet ausarbeiten. Was bringt uns ein Maßnahmenkatalog, wenn der Akteur, der die Maßnahme durchführen soll, nie eingebunden wurde?

Wie verbindlich soll das Klimaschutzkonzept am Ende sein?

Wir wollen auf gar keinen Fall ein Konzept für die Schublade machen. Der Maßnahmenkatalog soll so ausformuliert sein, dass es eine klare Rangfolge gibt, wann was durchzuführen ist. Es wird ein langfristiger Fahrplan werden, bis 2050. Den gilt es dann so abzuarbeiten, dass verschiedene Rädchen ineinandergreifen und die Maßnahmen einen selbstverstärkenden Effekt haben.

Auch interessant:Klimaschutz im Kreis Plön Auszeichnung für Wärmekataster

Was bringen Sie als Klimaschutzmanager der Stadt?

Für Aufgaben und Fragen im Bereich Klimaschutz ist nun ein Ansprechpartner vor Ort. Ich will und muss koordinieren, Aufgabenfelder identifizieren und die Akteure zusammenbringen und zum Mitmachen motivieren. Ich werde verschiedene Projekte anschieben und versuchen, die Leute davon zu überzeugen, dass die Ideen Hand und Fuß haben. Mein Ziel ist, das Thema Klimaschutz auch in der Verwaltung ganz konkret zu verankern, damit bei künftigen Entscheidungen die Klimaverträglichkeit immer hinterfragt wird.

Immer informiert: Alle Nachrichten aus Plön lesen Sie hier.

Anne Gothsch 09.03.2020
Sibylle Haberstumpf 08.03.2020
Astrid Schmidt 08.03.2020