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Plön Mit Blühflächen den Acker fit halten
Lokales Plön Mit Blühflächen den Acker fit halten
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19:21 19.09.2019
Von Frida Kammerer
Landwirt Detlev Blunk und Tochter Magdalene auf einer Blühfläche in Pohnsdorf. Quelle: Frida Kammerer
Pohnsdorf

Wo sonst Mais- und Getreidepflanzen über die Köpfe ragen, stehen jetzt schulterhoch Phacelia, Malven, Sonnenblumen und Ramtillkraut. Landwirt Detlev Blunk hat auf 81 Hektar seiner Anbaufläche aktuell Blühflächen eingerichtet.

Mit den lilafarbenen Blüten der Phacelia und anderen Gewächsen, die in Weiß blühen, wirken manche Ackerflächen um Preetz und Pohnsdorf wie Lavendelfelder in Südfrankreich. Doch das schöne Aussehen und der dezente Duft, der von den Feldern ausgeht, ist nur ein Nebeneffekt.

Pflanzen sind mehr als nur hübsche Dekoration der Felder

Die Pflanzen dienen als Zwischenfrucht. Sie ziehen Stickstoff aus dem Boden. Die Wurzeln schützen die ungerade Fläche vor Erosion, also bei Regen abzurutschen. Wenn die Pflanzen im Winter absterben, werden sie zu Humus.

Nicht nur ganze Ackerfelder bestellt Blunk seit zehn Jahren auf eigene Kosten mit dem Blühpflanzen-Saatgut: Neben seinen Maisfeldern, die noch nicht abgeerntet sind, befinden sich sechs Meter breite Streifen mit Blühpflanzen. Zwar entgeht Blunk dabei Fläche für den Maisanbau, aber "wir versprechen uns davon mehr Nutzen als Kosten". Für die Insekten dienen die Pflanzen als Nahrungsquelle.

Die Streifen neben dem Maisfeld von Blunks Blühflächen werden vom Land Schleswig-Holstein finanziert. Dabei dürfen die Areale für fünf Jahre nur als Blühfläche genutzt werden. Das Saatgut stellt das Land.

Stadt Preetz bemüht sich um eigene Blühflächen

Auch die Stadt Preetz wollte bei dem Landesprogramm mitmachen. Da das allerdings völlig überlaufen ist, wurde Preetz selbst aktiv. "Wir haben 20 ein- und mehrjährige Pflanzenarten auf eigene Rechnung bestellt, genug um 4500 Quadratmeter zu bepflanzen", erklärt Jan Birk, Umweltamtsleiter in Preetz.

Die Stadt unterhält vier Blühfelder: auf der Glindskoppel an der Ostlandstraße vor dem Tunnel, im Mühlenaupark unterhalb des Kindergartens, in der Wilhelm-Raabe-Straße am Robinson-Spielplatz sowie in der oberen Kührener Straße.

"Die ersten drei Felder gedeihen gut, doch an der Kührener Straße ist zu wenig Licht und Wasser", erklärt Birk. Aufgrund der Trockenheit sei die Saat zuerst nicht so gut gewachsen. Doch dann fing es an zu keimen: Nach etwa zehn Zentimeter Wachstum, wurde der sogenannte „Schröpfschnitt“ gemacht. Damit werden die stark wachsenden Pflanzen zu reduziert und den anderen Arten eine Chance gegeben.

"Da kamen sofort Proteste von den Bürgern", sagt Birk. Die Anwohner hatten wohl Angst, dass die entstehende Blütenpracht niedergemäht wird, noch bevor es richtig losgeht. Die Reaktionen aus der Bevölkerung seien aber generell positiv.

Das Programm des Landes Schleswig-Holstein soll verlängert werden

Das Landesprogramm soll verlängert werden. "Wir stehen nach wie vor auf der Liste vom Land und könnten noch einmal die gleiche Menge dazu nehmen", erklärt Birk. Es sei nicht leicht, geeignete Flächen zu finden: Sie müssen richtig Licht haben.

"Wir haben viele Bäume in Preetz, deshalb sind zahlreiche Rasenflächen beschattet. An der Wilhelm-Raabe-Straße hätten wir gerne noch mehr gemacht, aber auch dort eignet sich die Fläche wegen der Bäume nicht", sagt der Leiter des Umweltamtes. Vorstellen kann er sich Flächen hinter dem Wasserwerk und auf der Glindskoppel.

Die Saatmischung für die Preetzer Blühflächen ist so zusammengesetzt, dass die Pflanzen möglichst lange blühen und die Insekten so einen Lebensraum haben. Es sollen nur Mischungen ausgebracht werden, die aus heimischen Pflanzen gewonnen werden – dafür gibt es aber nur zwei Anbieter. "Wer produziert denn schon Schafgarbe oder Wiesenschaumkraut?", fragt Birk. Es sei spannend zu sehen, wie die Flächen nächstes Jahr aussehen. "Die Idee ist, das wachsen zu lassen und damit zu leben, dass es jedes Jahr anders aussieht."

Lindenhof Preetz: Blumen als Zwischenfrucht für Spargel und Erdbeeren

Auch Christoph Donath-Totzke beteiligt sich seit Jahren an Blühflächen. Der Lindenhof  in Preetz erzeugt neben Schnittblumen hauptsächlich Spargel und Erdbeeren. Wenn nach mehreren Jahren auf den Spargel- und Erdbeerfeldern die Ertragsleistung zurückgeht, müssen die Felder für mindestens fünf Jahre anderweitig genutzt werden – hier kommen die Blühflächen als Zwischenfrucht ins Spiel.

"Eine Möglichkeit kann sein, während dieser Zeit mehrjährige Kräuter anzusäen", erklärt Donath-Totzke. Besonders positive Effekte für die Artenvielfalt verspricht dabei eine Saatmischung, die überwiegend aus heimischen Kräutern der bunten Wiesen besteht.

Um den Zeitraum von fünf Jahren möglichst effektiv zu nutzen, sind in der Mischung auch eine Reihe einjähriger Pflanzen enthalten, die bereits im ersten Jahr die volle Blütenpracht entfalten können. In den folgenden Jahren sollen dann die mehrjährigen Arten wie Schafgarbe oder Flockenblume, die in der Entwicklung langsamer sind, diese Aufgabe übernehmen.

Lesen Sie hier mehr über Blühflächen in Schipphorst.

Lesen Sie hier mehr über die Landesförderung von Blühflächen.

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