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Plön Hotspot für seltene Vögel und Pflanzen
Lokales Plön Hotspot für seltene Vögel und Pflanzen
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15:00 30.07.2019
Von Silke Rönnau
Wonach riecht das? Marjut Hoppe hält Lisa das Blatt einer Knoblauchsrauke vor die Nase.
Wonach riecht das? Marjut Hoppe hält Lisa das Blatt einer Knoblauchsrauke vor die Nase. Quelle: Silke Rönnau
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Pohnsdorf

Zwei Silberreiher ziehen über das glitzernde Wasser. „Die Pohnsdorfer Stauung ist ein Hotspot für Vögel und Pflanzen“, schwärmt Tjark, der selbst schon an zahlreichen Ferienaktionen der Gemeinden Postfeld, Honigsee und des Sport- und Spielkreises Pohnsdorf teilgenommen hat und nun zusammen mit seiner Cousine einen Programmpunkt des Ferienpasses organisieren wollte. Sein Lehrer habe ihn einst mit seiner Begeisterung für Ornithologie angesteckt, erzählt er.

"Es gibt zu jeder Jahreszeit viel zu sehen"

In der Stauung könne man viele seltene Arten beobachten, nicht nur beim Vogelzug im Frühjahr oder Herbst: „Dann sind die Schlammbänke voll.“ Auch die Kraniche brüteten hier – er kenne kein weiteres Brutgebiet in der näheren Umgebung. „Es gibt zu jeder Jahreszeit viel zu sehen.“

Exkursion in die Pohnsdorfer Stauung

Marjut teilt seine Liebe zur Natur. Die Leidenschaft für Pflanzen habe sie von ihrem Großvater Erik Christensen, der die Gruppe an diesem Tag im Hintergrund begleitet. „Mein Opa hat mir immer ganz viel erzählt.“

Vogelbeobachtung mit dem Fernrohr

Mit den Teilnehmern geht es zunächst zur Schutzhütte. Thorge entdeckt Graugänse mit Küken und andere Tiere durch das Fernrohr. Am Vortrag habe er einen Vogel mit einem gelben Schwanz gesehen, wusste aber nicht, wie er heißt, erzählt der Zehnjährige. Tjark holt eines der zahlreichen Bücher heraus, die er mitgebracht hat, und schlägt eine Seite mit der Schafstelze auf. „Ja, das war der Vogel“, ruft Thorge begeistert.

Immer wieder könne man seltene Arten entdecken, erzählt Tjark. „Das ist ein ganz großer Schatz, dass hier mal die Knäkente vorbei fliegt.“ Auch Rohrdommel, Kampfläufer, Zwergsäger, Rot- und Schwarzhalstaucher habe er schon gesehen. Jeder Besucher der Schutzhütte könne seine Beobachtungen in das Gästebuch eintragen. Die Listen mit den Vögeln würden dann Ende des Jahres ausgewertet.

Schautafeln in der Schutzhütte

Bevor es in die Landschaft geht, schleifen die Kinder noch die bereits von Tjark und Marjut vorbereiteten Pflanzenpressen und verzieren sie. Danach betrachten sie die Schautafeln an den Wänden der Schutzhütte, die über die Geschichte der Pohnsdorfer Stauung und die hier vorkommenden Arten informieren.

„Die Bauern haben Pumpen eingebaut, um das Gebiet zu entwässern. Aber dann war es an der Oberfläche trocken und darunter immer noch schlammig“, berichtet Marjut. Damit sei es nicht für die Viehzucht geeignet gewesen. Die Schrobach-Stiftung habe das Gelände gekauft und die Pumpen ausgestellt. „So ist das Naturschutzgebiet entstanden mit vielen tollen Vögeln und Pflanzen“, erzählt die Elfjährige begeistert.

Begeisterung für den fliegenden Edelstein

„Der fliegende Edelstein ist mein Lieblingsvogel“, sagt Thorge und zeigt auf das Foto eines Eisvogels. Den habe er schon viermal gesehen. Er lese sich die Texte an den Schautafeln immer wieder gerne durch, verrät er.

Dann verteilt Marjut Karten mit verschiedenen Pflanzen, die sie am Vortrag direkt am Wegesrand fotografiert haben. Die Gruppe begibt sich auf die Suche und findet die Früchte des Weißdorns oder die Gemeine Kratzdistel. Marjut zieht ein Blatt von einer Pflanze ab und hält sie Mia und Lisa unter die Nase. „Wonach riecht das?“, fragt sie, während der Duft der Knoblauchsranke schon in der Luft hängt.

Und weiter geht die Exkursion in die Natur hinein. Mit ihrer Führung wollen Tjark und Marjut anderen Kindern die Natur näher bringen. „Damit sie mehr geschätzt wird“, sagt Tjark.

Die Geschichte der Pohnsdorfer Stauung

Die etwa 100 Hektar große Pohnsdorfer Stauung ist durch die Verlandung eines nacheiszeitlichen Sees entstanden. Sie wird von der Neuwührener Au durchflossen, die in den Postsee mündet.

Die Vegetation bestand bis in die 1950er-Jahre hinein aus Bruchwäldern, Weidengebüschen, Seggenriedern und Röhrichten. Mithilfe von umfangreichen Entwässerungsmaßnahmen konnten die Flächen landwirtschaftlich genutzt werden, doch die Bewirtschaftung wurde wegen entwässerungsbedingter Moorsackungen zunehmend unrentabler.

Anfang der 1990er-Jahre erwarb die Kurt und Erika Schrobach-Stiftung das Gebiet. Die Niederung wurde bis zur Stilllegung des Schöpfwerkes im Jahr 2002 in mehreren Schritten vernässt, wodurch sich zwei große Flachwasserseen und Feuchtgebiete bildeten. Außerdem wurden Knicks und Gehölze gepflanzt. Teile des Geländes werden von Highlind-Rindern extensiv beweidet.

Durch die Wiedervernässung entstand ein Lebensraum für bedrohte Arten, darunter auch der stark gefährdete Laubfrosch sowie Kranich, Rohrdommel und Rohrweihe.

Silke Rönnau 30.07.2019
Sibylle Haberstumpf 30.07.2019
Hans-Jürgen Schekahn 29.07.2019