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Plön Grüne verzeichnen "enormen Zulauf"
Lokales Plön Grüne verzeichnen "enormen Zulauf"
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20:19 24.11.2019
Von Sibylle Haberstumpf
Landesumweltminister Jan Philipp Albrecht war zu Besuch beim Kreisparteitag der Grünen im Kreis Plön, der im Haus der Diakonie in Preetz stattfand. Quelle: Sibylle Haberstumpf
Preetz

Der Minister im blauweißen Ringelpulli, begleitet von seinem jüngsten Spross (ebenfalls im Ringelpulli), gab persönliche Statements zur Energiewende und zur Digitalisierung ab – und nahm sich viel Zeit für die Fragen seiner Parteifreunde.

Thema Tierversuche wird heiß diskutiert

Heiß diskutiert wurde etwa das Thema Tierversuche, das auch den Kreis Plön bewegt. Seit Wochen steht das Versuchslabor „Laboratory of Pharmacology and Toxicology“ (LPT) wegen angeblicher Missstände in der Kritik, Versuchstiere würden dort unnötig gequält. LPT ist mit einem Labor in Wankendorf ansässig. Frage an den Minister: Warum wird das Labor nicht geschlossen? Die Hinweise seien „erdrückend“, räumte Albrecht ein. Neue Tierversuche würden daher vorerst nicht genehmigt. „Wir haben die Staatsanwaltschaft auf den Fall angesetzt.“ Die Vermutungen müssten aber erst bewiesen werden. Christine Hansen vom Ortsverband Bokhorst-Wankendorf regte ein generelles Verbot von Tierversuchen an. Gelder des Landes sollten ihrer Meinung nach in die Forschung nach Alternativmöglichkeiten fließen.

Mitgliederzuspruch ist ungebrochen - Mitgliederzuwachs ist "bezaubernd"

Seit der Kommunalwahl 2018 sind die Grünen drittstärkste Kraft im Kreis (19,6 Prozent) hinter CDU (31,1) und SPD (25,6). Bei der Europawahl in diesem Jahr standen sie ganz vorn (29,8 Prozent). Der Kreisverband ist selbstbewusst – und hat Grund zur Freude, wie Vorsitzender Martin Drees in einem Gespräch mit unserer Zeitung am Rande des Parteitags deutlich machte. Denn sie wächst. „Kurz vor der Kommunalwahl hatten wir noch etwa 200 Mitglieder, seitdem ist der Zuspruch ungebrochen. 312 Mitglieder sind es aktuell. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht absehbar.“

Das ist der neue Vorstand der Grünen im Kreis Plön (von links): Christiane Steinwedel, Kirsten Bock, Martin Drees, Monika Friebl (vorne), Michael Meggle, Ulrike Nowack, Arne Heinold, Anne Drees (hinten). Foto: Privat

In den Augen vieler Wähler stehen die Grünen für Klimaschutz, Energiewende und Natur- und Artenschutz wie keine zweite Partei. „Wir haben bundesweit einen enormen Zulauf an jungen Leuten“, sagt Drees. „Auch die Fridays-for-Future-Demos haben uns einen Aufschwung gegeben.“ Das jüngste Mitglied sei gerade in Lütjenburg eingetreten - mit erst 14 Jahren. Drees sieht den Zulauf allerdings nicht nur thematisch begründet. „Es hat auch mit Glaubwürdigkeit zu tun. Man nimmt unsere Positionen als klar und eindeutig wahr, das schätzen die Leute an uns.“ Wem die politische Glaubwürdigkeit fehle, meint Drees, dem brächten auch die besten Themen nichts.

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Wunderbare Wählergunst? Auf dem Podium vor seinen Parteifreunden fasste Drees den allgegenwärtigen Grünen-Hype augenzwinkernd mit einer Textpassage aus Pippi Langstrumpf zusammen. Da heißt es, las er vor: „Wunderbar! Bezaubernd! – Was findest du so bezaubernd?, fragte Tommy. – Mich, sagte Pippi.“ Zustimmendes Schmunzeln im Saal. 

Wärmeversorgung und Mobilität im Kreis Plön

Und wofür stehen die Grünen konkret im Kreis Plön? Ein wichtiges Thema: Wärmeversorgung. Drees findet: „Leider zielen die Maßnahmen der Bundesregierung in eine völlig falsche Richtung. Statt einer klimafeindlichen Pendlerpauschale brauchen wir einen leistungsfähigen ÖPNV im ländlichen Raum. Statt einer Windenergieverhinderungspolitik brauchen wir den zügigen Umstieg auf erneuerbare Energien auch im Wärmebereich.“ Projekte wie die PreBEG (Preetzer Bürgerenergiegenossenschaft) finden daher seine „volle Unterstützung“. Angesichts von immer noch rund 200.000 Ölheizungen in Schleswig-Holstein sagt auch der Umweltminister: „Wir müssen Wärmeprojekte massiv fördern.“

Anderes wichtiges Thema: Mobilität. „Nachdem Hein Schönberg nun endlich aufs Gleis gesetzt wird und auch die Strecke Preetz-Kiel ertüchtigt wird, werden wir auch zukünftig den Verkehrsbereich im Blick behalten“, so Drees. Etwa das Potenzial des Radverkehrs hält er für „bei Weitem noch nicht ausgeschöpft“. Aber auch die Umsetzung des Gute-Kita-Gesetzes in den Kommunen wollen die Kreis-Grünen aktiv begleiten. „Die Verbesserung der Betreuungsqualität hat für uns einen großen Stellenwert.“

Die Grünen und die Bauern

Und noch ein aktuelles Thema: Am Montag rollen wieder Trecker von Schleswig-Holstein nach Berlin, der Bauernverband demonstriert – auch aus dem Kreis Plön. Wie ist das Verhältnis der Grünen im Kreis zu den Bauern? Ist das Thema Landwirtschaft ein Streitthema? Dazu sagt Drees: "Die industrielle Tierhaltung verschärft die Düngeproblematik und schädigt nachweislich das Grundwasser. Gerade im Kreis Plön mit seinen zahlreichen privaten Trinkwasserbrunnen ist das eine Katastrophe. Der zunehmende Pestizideinsatz auch in Naturschutzgebieten zerstört die Artenvielfalt. Die Agrarpolitik wird seit Jahrzehnten in Brüssel und Berlin durch die CDU verantwortet." Er wundere sich, so Drees, "dass die Bauern da jetzt demonstrieren, haben die von ihnen gewählten Vertreter doch das Desaster zu verantworten. Wir Grünen finden es richtig, dass Subventionen an Auflagen und Verpflichtungen gekoppelt sind." Mit den Bauern im Kreis suche man trotzdem gerne das Gespräch und wolle dies auch künftig beibehalten.

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