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Plön Nachtschicht bei Frank Druck
Lokales Plön Nachtschicht bei Frank Druck
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16:00 26.07.2019
Von Signe Hoppe
Die größten Druckereimaschinen, 60 Meter lang und drei Stockwerke hoch, bedrucken mit 12 Meter Papier pro Sekunde 22.000 Bögen in der Stunde. Das können bis zu 80 Seiten starke Kataloge im A4-Format werden. Hier kontrollieren Mark Merkel (li.) und Tim Bornhöft ein Werbeprospekt.
Die größten Druckereimaschinen, 60 Meter lang und drei Stockwerke hoch, bedrucken mit 12 Meter Papier pro Sekunde 22.000 Bögen in der Stunde. Das können bis zu 80 Seiten starke Kataloge im A4-Format werden. Hier kontrollieren Mark Merkel (li.) und Tim Bornhöft ein Werbeprospekt. Quelle: hop
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Preetz

Drei Uhr nachts. Es ist laut und taghell in der fußballfeldgroßen Halle. Es brummt und rattert. Auf Fließbändern verschwimmen farbige Bogenteile zu einer dahingleitenden Endlosschlange. An Bändern hängen Kataloge und Werbeprospekte kopfunter an Rollen. Die Ameisen genannten Flurförderfahrzeuge flitzen zwischen den Hallenbereichen hin und her. Der Druckvorgang, die Rotation, läuft auf Hochtouren. Fünf gigantische Druckmaschinen produzieren neben Flyern, Kindercomics und Zeitschriften auch Postkarten, Reiseunterlagen wie Flugtickets und Mc Donalds-Coupons. In dieser Nacht wird ein Ikea-Katalog produziert und ein Prinzessin Lillifee-Heft. „Außer Geld drucken wir alles“, sagt der Schichtleiter Druckerei Tim Bornhöft und lacht. Gearbeitet wird in drei Schichten: von 6 bis 14 Uhr, von 14 bis 22 Uhr und von 22 bis 6 Uhr morgens.

Die größte Papierrolle wiegt 1,6 Tonnen

Finger tanzen über die vielen Tasten im Leitstand. Auf tischgroßen Arbeitsflächen kontrollieren Andreas Polakowski und Wichard Bock anhand der Druckbögen Farbigkeit und Papierspannung. Mit jedem Fingerkontakt können die beiden Drucker in die Produktion eingreifen. Hinter der Schallschutzscheibe surrt die kleinste der Druckmaschinen – 40 Meter lang, zwei Stockwerke hoch und tonnenschwer druckt sie beidseitig mit neun Metern pro Sekunde. Vorher hat der Rolleur die Papierrollen eingehängt. Die größten Rollen wiegen 1,6 Tonnen. Wenn eine Papierbahn reißt oder die Maschine durch technische Probleme nicht richtig läuft, bleiben Tim Bornhöft und sein Schicht-Team gelassen. Nur Not ist die hauseigene Werkstatt 24 Stunden besetzt. „Von der Papieranlieferung bis zum Produkt entscheiden nur wenige Stunden bis zum pünktlichen Liefertermin“, erklärt Bornhöft. „Draußen warten schon die Lkw.“ Die Mitarbeiter nehmen regelmäßig Stichproben vom Produkt. 3000 Hefte werden vom Produktstart bis zur Auslieferung Makulatur.

Nachtschicht ohne Telefongeklingel

Andreas Polakowski arbeitet seit 36 Jahren im Schichtdienst. „Die Umstellung von Nacht- auf Tagschicht fällt mir mit den Jahren schon schwerer, da brauche ich manchmal vier Tage für“, erzählt der Drucker. Trotzdem habe er die Nachtschicht am liebsten: Ohne die Verwaltungsmitarbeiter und das Telefongeklingel sei es ruhiger. Freundeskreis, Familie und Sport würden schon manchmal zu kurz kommen, so Wichard Bock. „Während andere den Grill anschmeißen, gehen wir zur Arbeit.“

Vom Bogen zum Heft in der Weiterverarbeitung

Nach dem Druck wird die Produktionslinie in einem 145 Grad heißen Trockentunnel getrocknet und auf 20 Grad abgekühlt, bevor sie auf Paletten in die Weiterverarbeitung zum Heft kommt. Hier werden die einzelnen Bogenteile von Prinzessin Lillifee gesammelt, zusammengelegt, geheftet, geschnitten und verpackt. Dafür stehen Petra Makert und Aysche Özbey am sogenannten Sammelhefter und bestücken die Maschine. An einer Sitma-Maschine werden die Gimmicks aufgeklebt – das ist bei Prinzessin Lillifee ein blaues Prinzessinnenkleid. „Die Gimmicks werden vom Verlag geliefert und bei uns in Handarbeit auf das eingeschweißte Heft gelegt, nachdem die Maschine Heißleim aufgesprüht hat“, erklärt Mark Merkel, Schichtleiter der Weiterverarbeitung. Und während Preetz schläft, entstehen Produkte, die sogar europaweit in die Hände ihrer Leser gelangen.

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