Preetzerin forscht in Belize - Der Niedergang eines Nationalparks
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Plön Von Preetz nach Belize
Lokales Plön Von Preetz nach Belize
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15:08 15.02.2020
Von Silke Rönnau
Malin Delfs aus Preetz hat vier Monate lang die Regionalentwicklung in einem Nationalpark in Belize erforscht. Quelle: Silke Rönnau
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Preetz

Die 28-Jährige friert in Preetz. „Es sind 25 Grad Temperaturunterschied“, sagt sie und blickt aus dem Fenster auf den strömenden Regen. Vier Monate hat sie in Belize verbracht, einem Staat in Lateinamerika, der eigentlich eher der Karibik zuzuordnen sei, meint sie: „Man spricht Englisch und hört Reggae.“

Nach ihrem Abitur 2011 am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Preetz studierte Malin Delfs Geografie in Kiel. „Es gab gar keine andere Option, das war seit der fünften Klasse mein Lieblingsfach.“ Ihr gefalle der ganzheitliche Blick auf alles, was Menschen und Umwelt betreffe.

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Bremer Professorin hatte Nationalpark mit initiiert

Für das Masterstudium ging sie nach Bremen. Ihre Professorin habe ihr von dem spannenden Projekt erzählt, das sie Anfang der 90er-Jahre mit initiiert habe, und ihr angeboten zu erforschen, was daraus geworden sei.

Malin Delfs machte sich auf die Suche nach finanzieller Unterstützung und erhielt ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes und ein weiteres der Kellner-Stoll-Stiftung. „Diese ganze Organisation hätte ich mir selber vor ein paar Jahren noch gar nicht zugetraut“, gesteht sie. Doch sie sei überrascht gewesen, wie gut es funktioniert habe. Deshalb rate sie allen Studenten, die auch mit dem Gedanken spielten, ins Ausland zu gehen, diese Pläne umzusetzen. 

Vier Monate lebte sie in der Hauptstadt Belmopan mit gerade einmal 75.000 Einwohnern. Sie hatte sich gefreut, aus der Kleinstadt in eine Hauptstadt zu ziehen. „Aber Preetz ist aufregender“, erzählt sie lachend.

Viele Gespräche im Dorf, viele Besuche im Archiv

Von Belmopal aus brauchte sie mit dem Bus 30 Minuten in das Dorf, in dem sie die meisten Gespräche zum Nationalpark führte, der als erster von einer lokalen Gemeinde im Co-Management mit der Regierung verwaltet worden sei. Inzwischen gebe es noch mehr Nationalparks, die auf diese Art und Weise organisiert würden. Vorteil: Die Einwohner fühlten sich mitverantwortlich dafür und übernähmen auch viele Aufgaben unentgeltlich.

Doch warum klappte es nicht im Five Blues Lake Nationalpark? Sie habe im Archiv geforscht und mit den Menschen gesprochen. „In den ersten fünf bis sieben Jahren war der Naturpark ein großes Aushängeschild, es gab viel Interesse aus dem Ausland“, stellte sie fest.

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Doch nach wenigen Jahren sei davon nicht mehr viel übrig geblieben. „Vor Ort war keine Infrastruktur mehr: kein Besucherzentrum, keine Umkleidemöglichkeit, Schilder und Wege waren zugewachsen – es war ein verwunschener Wald.“ Außerdem müsse man sieben Kilometer über eine schlechte Nebenstraße zurücklegen, die zur Regenzeit gar nicht befahrbar sei. 

Niedergang hatte auch finanzielle Gründe

Der Niedergang habe an verschiedenen Faktoren gelegen – ein großer Schwerpunkt sei dabei die Finanzierung, die abhängig von Projektgeldern gewesen sei, die aber nur für einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung gestellt worden seien. Ursprünglich sollte die Gemeinde das notwendige Einkommen aus den Einkünften des Nationalparks generieren. „Das kam aber nie zustande.“

Schwierigkeiten ergäben sich dann, wenn ein Projekt auf einer höheren Ebene entwickelt werde, die Ideen mit den tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort aber nicht unbedingt zusammenpassten, meint sie.

Zurzeit sei sie damit beschäftigt, ihre Ergebnisse zusammenzufassen und zu beleuchten, wie die Probleme miteinander zusammenhingen, damit sich die Fehler in Zukunft nicht wiederholten und der Nationalpark wiederbelebt werden könne.

Dazu möchte sie konkrete Vorschläge ausarbeiten, die vor Ort helfen können. „Die Frage ist: Wie kann man Mensch, Natur und Regionalentwicklung gut ausbalancieren? Und warum entwickeln sich einige Regionen besser als andere?“ Das müsse man wirtschaftlich, ökologisch und sozial betrachten. Und das gelte für Belize genauso wie für eine nachhaltige Regionalentwicklung in Schleswig-Holstein. In dieser Richtung möchte sie gerne für ihre Promotion weiterforschen.

Hintergrund

Five Blues Lake Nationalpark in Belize

Belize liegt an der Ostküste Mittelamerikas und grenzt an das Karibische Meer. In den Dschungelgebieten befinden sich Maya-Ruinen wie das für seine hohe Pyramide bekannte Caracol, das an einer Lagune gelegene Lamanai und Altun Ha.

Das Land bietet eine Vielzahl außergewöhnlicher Naturparks und Reservate. Dazu gehört auch der Five Blues Lake National Park, ein zehn Hektar großes tropisches Waldgebiet. Der Nationalpark wurde 1992 eröffnet und ist bekannt für seinen See, der – wie der Name schon sagt – in fünf verschiedenen Blautönen schimmern kann.

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