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Plön Wie Kinder zu Geschwisterhelden werden
Lokales Plön Wie Kinder zu Geschwisterhelden werden
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11:34 12.02.2020
Von Silke Rönnau
Sabine Unger freut sich mit ihren Kindern Lovis (links), Paula und Jillis über das Projekt Geschwisterhelden. Quelle: Silke Rönnau
Preetz

Auch die Familie Unger aus Preetz beteiligt sich daran. Die zehnjährige Lovis Unger aus Preetz hatte bereits an einem Kursus für Kinder im Grundschulalter teilgenommen und besucht seitdem regelmäßig den Geschwister-Club in Kiel. Ihr 14-jähriger Bruder Jillis war mit dem Down-Syndrom zur Welt gekommen.

"Andere Kinder wissen nicht, wie das ist"

„Ich kann hier mit den anderen Kindern reden, man fühlt sich gleich verstanden. Andere Kinder wissen nicht, wie das ist, wenn man behinderte Geschwister hat“, erklärt sie. „Ich finde es gut, dass wir darüber reden, das ist entlastend.“

Das Projekt gebe denen, die mit einer Schwester oder einem Bruder mit Behinderung aufwachsen, Raum und stelle sie mit ihren Bedürfnissen, Wünschen und Sorgen in den Mittelpunkt, erläutert Miriam Hornung vom Landesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen Schleswig-Holstein (lvkm.sh). Aufeinander abgestimmte Gruppenangebote sollen ihre Entwicklung und Stärke fördern sowie einen altersübergreifenden Austausch fördern.

Das Projekt war 2018 nach einer Anschubfinanzierung aus dem Erlös des Kieler Entenrennens zunächst in der Landeshauptstadt gestartet. „Aber als Landesverband wollten wir auch in die Region gehen“, so Miriam Hornung. Deshalb seien in Neumünster und Schleswig weitere Angebote für Geschwisterkinder geschaffen worden, nun komme der Bereich Plön/Ostholstein hinzu.

Geschwisterwochenende unter dem Motto "Zeit für mich"

„Gemeinsam sind wir stark“ heißt es am Sonnabend, 29. Februar, von 11 bis 16 Uhr bei einem Geschwistertag in Plön für Mädchen und Jungen von sechs bis 15 Jahren. Ein Geschwisterwochenende folgt am Sonnabend und Sonntag, 21./22. März, in der djo-Jugendfreizeitstätte Bosau unter dem Motto „Zeit für mich“. Dabei stünden Spiel und Spaß, Kennenlernen und Austausch im Mittelpunkt, so Miriam Hornung.

Nach einer Folgefinanzierung durch die Weihnachtsspenden-Aktion von Radio Schleswig-Holstein ende das Projekt in diesem Jahr. Nur in Kiel laufe der Geschwister-Club weiter. Dort können sich die ehemaligen Teilnehmer der Kurse und Workshops weiterhin treffen und über ihren Alltag reden.

Bruder mit Down-Syndrom klaut Spielzeug

Lovis möchte gern das Geschwisterwochenende besuchen. Ihr Bruder nehme ihr oft das Spielzeug weg, erzählt sie. „Manchmal hat er auch aggressive Anfälle, dann fühle ich mich nicht so sicher – er ist ja sehr kräftig.“ Manchmal schlage er sie auch. Zusammen mit ihrem Bruder spiele sie oft zusammen Playmobil und Barbie. „Wenn man strenger mit ihm redet, wird er schnell aggressiv, dann ziehe ich mich zurück.“

Es gebe Kinder, die nicht mit ihm spielen wollten. „Das verletzt mich manchmal“, meint die Zehnjährige. „Dann versuche ich ihn zu verteidigen und sage: Er kann doch mitspielen.“ Manchmal ließen sich die anderen Kinder darauf ein, manchmal aber auch nicht. Bei ihren engen Freunden sei es zum Glück kein Problem: „Die sehen das genauso wie ich.“

Zu kurz komme sie in ihrer Familie nicht. „Lovis ist Gott sei Dank so, dass sie laut genug nach Aufmerksamkeit schreit und sich selbst bemerkbar macht“, sagt ihre Mutter Sabine Unger (42). Trotzdem habe sie manchmal ein schlechtes Gewissen.

Sie wolle darauf achten, dass jedes Kind – auch die eineinhalbjährige Paula – auf seine Kosten komme. Deshalb plane sie für die Geschwister bewusst mehr Zeit ein, weil Jillis allein durch die zahlreichen Termine für Arztbesuche, Gespräche in der Schule oder Erziehungsberatung für behinderte Jugendliche schon viel Zeit in Anspruch nehme. Außerdem sei er häufiger krank.

Sabine Unger hofft, dass das Projekt weiter läuft. Der Landesverband könne das nicht leisten, sagt Miriam Hornung. Er schiebe die Projektideen an und hoffe, dass sie von Ortsvereinen weitergeführt werden, was bisher immer gelungen sei. In Schleswig-Holstein gebe es über zehn Ortsvereine, allerdings noch keinen im Bereich Plön/Ostholstein.

lvkm.sh

Informationen und Kontaktdaten

Der Landesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen Schleswig-Holstein (lvkm.sh) bietet Beratung, Hilfe und Unterstützung für Eltern und Kinder, finanzielle Hilfen durch Stiftungen, Austausch mit Menschen in ähnlichen Lebenssituationen, Projekte und politische Interessenvertretung. Dazu gibt es zu vielfältigen Themen Arbeitskreise, Informationsveranstaltungen und Seminare.

Kontakt: lvkm.sh, Boninstraße 3-7, 24114 Kiel, Tel. 0431/90889910, E-Mail: info@lvkm-sh.de, Homepage: www.lvkm-sh.de, Bürozeiten: montags bis donnerstags von 8 bis 14 Uhr, freitags von 8 bis 13.30 Uhr und nach Vereinbarung.

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