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Plön Ruhige Töne und raue Riffs
Lokales Plön Ruhige Töne und raue Riffs
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00:17 10.07.2013
Von Andreas Jacobs
Quelle: Andreas Jacobs
Wahlstorf

Jess macht sich keinen Kopf darüber, dass das Bergkoppel-Open-Air so viel kleiner ist. „Hier treffe ich Freunde, wir hören uns die Musik an, chillen in der Sonne – das ist schon gut hier“, sagt sie. Drei der Bands, die zwischen 16 und 23 Uhr spielen, kennt sie sogar schon. Eine von ihnen ist wirmaschine aus Kiel – und die hat auf der Bühne gerade Anyia And The Acoustixxxs abgelöst.

 Acoustic Poet Rock nennen die Musiker von wirmaschine das, was sie präsentieren. Handgemacht rüberkommende Musik mit deutschen Texten. Zum Einsatz kommen dabei Trompete und Kontrabass – nicht gerade übliche Instrumente für ein Rock-Open-Air. David Bereuther, Gitarrist und Sänger von wirmaschine, erzählt später, dass üblicherweise auch ein Klavier zum Setup der Band gehört, und freut sich, in Wielen dabei sein zu können. „Das ist hier eine gute Zusammenstellung. Eine Akustik-Band wie wir, härtere Rockgruppen, Ska Punk – von ruhig bis wild ist alles dabei“, lobt er das Line-Up. Und er hat recht: Die Bühne gehört inzwischen Pitchkick, eine Formation, die mit treibenden Riffs deutlich rauere Töne anschlägt. Auch die Lautstärke wurde etwas hochgefahren.

KN-online war für Sie beim Bergkoppel Open Air in Wielen (Kreis Plön).

 An einem Stand verkauft derweil Silke Vetter Bratwürste und Pommes. Ohne sie wäre das Festival gar nicht möglich, denn ihr gehört die Pferdeweide, auf der es stattfindet. Der Sohn ihres Lebensgefährten Sven Petersen, Finn Ole, und sein Freund Jören Gloe hatten vor mehr als zwei Jahren den Wunsch geäußert, eine oder zwei Musikgruppen mal am Lagerfeuer spielen zu lassen. „Und dann fiel irgendwann der Begriff Festival“, erzählt sie. Nun läuft es bereits zum dritten Mal. „Es ist alles Idealismus hier. Von der mit einem Trecker hergezogenen Bühne bis zur Technik, die zur Verfügung gestellt wurde und nichts kosten darf.“

 Die Ursprünge des Events kennt auch die Band Licks N Stoned, die bei allen drei Open Airs auf der Bergkoppel mit dabei war. Mit Anleihen an Blues, Soul und Rockabilly sorgt sie wieder für Abwechslung – bei Licks N Stoned kommt es auf den richtigen Groove an. Man hört die Doors heraus und lauscht My Generation von The Who.

 Im Backstage-Bereich ist unterdessen Open-Air-Organisator Jören Gloe ein klein wenig angespannt. Nicht, weil etwas mit dem Festival gerade nicht in Ordnung ist, sondern er in knapp einer halben Stunde selbst in der Band The Palindrome Complex auf der Bühne steht. „Es ist unser erster Auftritt. Die letzten Tage habe ich nur zwischen Proben und Festival vorbereiten gependelt“, erzählt der Bassist. Mit dem Open Air ist er zufrieden. „Mit der Bühne, der Technik und den Boxen haben wir dieses Jahr einen ganzen Zahn draufgelegt. Und das Wetter ist auch der Hammer.“

 In der Tat: Bis in den Abend hinein begleitet die Sonne das Open Air. Als die poporientierte Gruppe The Young And Careless auf der Bühne steht, haben auch zahlreiche Dorfbewohner den Weg auf das Festival-Gelände gefunden. Mit der Kieler Ska-Punk-Combo Janitor geht das Event schließlich zu Ende. Mehr als 200 Besucher haben am Ende die nur 6 Euro Eintritt bezahlt. „Es hätten noch mehr sein können“, bilanziert Sven Petersen. Platz wäre genug da. Die Pferdeweide, auf dem sich das Open Air abgespielt hat, grenzt an ein Weizenfeld.