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Plön Pflichtfeuerwehr als letzter Ausweg
Lokales Plön Pflichtfeuerwehr als letzter Ausweg
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11:50 20.08.2019
Von Silke Rönnau
Wehrführer Sasche Bahr (rechts) und sein Stellvertreter Michael Gäertner sprühen auch auf den Steinen vor dem Feuerwehrhaus in Schellhorn ein Piktogramm zur Mitgliederwerbung auf. Quelle: Silke Rönnau
Schellhorn

"Wir brauchen neue Mitglieder", hatte Marco Lüth, Bürgermeister von Pohnsdorf, in der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung erklärt und hofft auf entsprechende Wirkung der Plakate "Komm, mach mit, dein Platz ist noch frei" an der Landesstraße. Wie die Schellhorner hoffen, Verstärkung für ihre Feuerwehr zu finden, erläutern Wehrführer Sascha Bahr und Stellvertreter Michael Gärtner.

Herr Bahr, warum laufen Sie mit Spraydosen und Schablone durch Schellhorn?

Sascha Bahr: Wir haben eine Unterbesetzung. Eigentlich ist eine Sollstärke von 37 Mitgliedern vorgegeben. Aktuell haben wir aber nur noch 21 Aktive, darunter fünf Frauen, mit einem Durchschnittsalter von 40,7 Jahren. Deshalb haben wir angefangen, massiv Mitgliederwerbung zu machen, um die Bürger zu informieren, dass ein Bedarf da ist. Wir haben eine Arbeitsgruppe mit acht Kameraden gegründet und uns mehrere Sachen überlegt. Dazu gehört auch, dass wir gelbe Piktogramme auf die Gehwege sprühen mit dem Hinweis: „Wir brauchen DICH“.

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Was machen Sie noch?

Sascha Bahr: Wir haben auch sechs verschiedene Plakate entworfen, die wir ebenso wie die Fotos von den Piktogrammen auf Facebook und auf unserer Internetseite gepostet haben. Auf den Plakaten sind unsere eigenen Kameraden bei den Dienstabenden zu sehen, zum Beispiel im Rettungsboot. Die Plakate verteilen wir in sämtlichen Betrieben, Praxen, in der Sparkassen-Filiale und bei Edeka und nutzen sie außerdem als Statusbild in unseren Whatsapp-Profilen, um das Problem im Ort bekannter zu machen. Die Leute sollen sich einfach darüber unterhalten. Deshalb haben wir die Piktogramme auch dort aufgesprüht, wo viel Publikumsverkehr ist.

Michael Gärtner: Wir haben schon viel probiert, zum Beispiel mit einem Tag der offenen Tür. Wir haben auch schon mal einen Löscheimer in jeden Haushalt gebracht. Mit dieser Aktion haben wir aber nur einen Einzigen dazu bewegen können, in die Feuerwehr einzutreten. Und Schellhorn hat immerhin rund 1500 Einwohner. Die Resonanz auf die Aktion mit den Piktogrammen ist jetzt gar nicht schlecht. Aber die meisten interessiert das Thema Feuerwehr einfach nicht. Oder sie nennen Argumente, dass sie keine Zeit haben, auswärts arbeiten oder Kinder haben. Aber wir brauchen wirklich jeden.

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Warum ist es so schwierig?

Sascha Bahr: Viele sind nicht mehr bereit, ein Ehrenamt zu übernehmen. Das gilt nicht nur für die Feuerwehr, sondern zum Beispiel auch für Sportvereine.

Hat sich schon jemand gemeldet?

Sascha Bahr: Ja. Drei bis vier Interessenten wollen vorbeischauen.

Michael Gärtner: Es gibt ja auch noch die Verwaltungsabteilung, die wir im März gegründet haben. Dort kann man verschiedene Aufgaben wahrnehmen, man kann die Homepage oder Facebook koordinieren. Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht aktiv sein kann oder es nicht möchte, kann sich dort einbringen.

Sascha Bahr: Wir haben zum Beispiel eine Kameradin, die die Kinderbetreuung übernimmt. Man kann also zu den Dienstabenden oder Einsätzen seine Kinder betreuen lassen.

Wenn jemand neu einsteigt, was muss er dann machen?

Sascha Bahr: Das fängt mit dem Grundlehrgang in der Feuerwehrtechnischen Zentrale an, und auch eine Funkausbildung sollte man absolvieren. Danach liegt es bei jedem selbst, wie weit er gehen möchte. Jeder soll das machen, was er sich selbst zutraut. Bis jemand mit Atemschutz oder bei Technischer Hilfe mit allem Drum und Dran eingesetzt werden kann, dauert es bestimmt drei, vier Jahre. Es ist aber nicht unser Anspruch, dass jeder alles machen muss. Es nützt ja nichts, jemanden zur Technischen Hilfe zu schicken, wenn es ihm schwer fällt, verletzte Personen zu sehen.

Welche Auswirkungen hat es, wenn die Sollstärke nicht mehr erreicht wird?

Sascha Bahr: Wir sind bei größeren Einsätzen nicht nur tagsüber, sondern auch abends und nachts auf die Nachbarwehren angewiesen.

Lesen Sie auch: Wie wird die Sollstärke bei den Feuerwehren berechnet?

Michael Gärtner: Wir haben fast keinen mehr, der am Wohnort arbeitet. Es ist auch nicht schlimm, wenn jemand woanders arbeitet, dann ist er zumindest abends da. Es ist auch egal, was man beruflich macht. Wir arbeiten beide im Schichtdienst und haben auch Familien und Kinder. Trotzdem schaffen wir es. Dann ruft man eben die Eltern an...

Sascha Bahr: ...oder man fährt mit den Kindern hierher ins Feuerwehrhaus. Wenn jemand übrigens woanders Mitglied in einer Feuerwehr ist und hier in Schellhorn arbeitet, kann er auch eine Zweitmitgliedschaft antreten, dann kann man ihn tagsüber einsetzen.

Was passiert, wenn die Feuerwehr weiter schrumpft?

Sascha Bahr: Im extremen Fall kommt es zur Pflichtfeuerwehr, das ist aber wirklich der letzte Schritt.

Michael Gärtner: Das will man natürlich nicht.

Sascha Bahr: Wir haben zurzeit 169 fördernde Mitglieder. Unser Anspruchsdenken ist es, dass jeder Hausbesitzer mindestens als förderndes Mitglied in der Feuerwehr sein sollte. Wir haben 1500 Einwohner und etwa 400 Haushalte – da sind 29 Aktive nicht wirklich viel.

Wer Interesse hat, die Feuerwehr in Schellhorn kennenzulernen, kann einfach bei den Dienstabenden jeden zweiten Dienstag ab 19 Uhr im Feuerwehrhaus vorbeischauen (nächster Termin ist am 27. August) oder Wehrführer Sascha Bahr unter Tel. 0172/1613885 anrufen.

Die Sollstärke einer Feuerwehr liegt bei mindestens 27 Aktiven. Als Grundlage für die Berechnung dient der Organisationserlass Feuerwehren des Innenministeriums Schleswig-Holstein. Dabei spielen Risikoklasse, Einwohnerzahl und Fahrzeuge eine Rolle.

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