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Plön Ein Strand ohne Sand
Lokales Plön Ein Strand ohne Sand
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00:29 09.05.2015
Von Astrid Schmidt
Frei liegendes Deckwerk zeigt sich vor allem am Strand von Kalifornien zwischen den Buhnen 23 und 25. Quelle: Astrid Schmidt
Schönberg

Bürgermeister Dirk Osbahr: „Die Spülleitung ist eingerichtet, das Schiff liegt bereit, aber ich darf es nicht losschicken.“ Der Grund: Es seien viele Behörden zu beteiligen, und alle haben ihre Vorgaben, Fristen und Verordnungen.

Klar ist: Eine Tourismusgemeinde, die mit einem sechs Kilometer langen Sandstrand wirbt, braucht auch einen Sandstrand. Dafür werden in Schönberg Jahr für Jahr 40 000 Euro, in diesem Jahr sogar 60 000 Euro, bereitgestellt. Nun hatte der Bürgermeister, wie er berichtet, bereits im Januar den Antrag gestellt, den Sand vom Baggerschiff in Wendtorf über den Landweg an den Schönberger Strand transportieren zu dürfen. Die Genehmigung kam im April – mit Auflagen. Der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) wies darauf hin, dass der Teerstreifen seeseitig nicht für eine derart hohe Frequenz von Schwerlasttransporten ausgerichtet sei, wie sie bei einem Sandtransport in der benötigten Größenordnung auftritt. Nur maximal neun Tonnen dürften jeweils über den Deich transportiert werden. Hochwasserschutz habe Priorität – das sei auch für die Gemeinde Schönberg klar, betonte Osbahr, der die „gute Zusammenarbeit“ mit dem LKN hervorhebt.

 Schönberg benötigt aber 10000 Kubikmeter Sand. Bei einem Transport von jeweils neun Tonnen wären das 2500 Touren, rechnet Osbahr vor. Die Alternative: In Wendtorf über den Deich und umladen, mit Sattelzügen Richtung Schönberg, wieder umladen und über den Deich, um den Sand dann zu verteilen – das koste zwischen einer viertel- und einer halben Million Euro, so der Bürgermeister.

 Jetzt soll der Seeweg genutzt und der Sand mit dem Spülschiff an den Strand gebracht werden. Dafür liege seit einigen Tagen die Genehmigung der unteren Naturschutzbehörde vor, zunächst begrenzt bis Ende Mai, so Osbahr. Auch die Genehmigung des LKN sei eingetroffen. „Es fehlt aber noch die des Wasser- und Schifffahrtsamtes. Das war bisher noch nicht in den Vorgang involviert, weil beim Landweg eine Genehmigung nicht erforderlich war, beim Seeweg allerdings schon“, erläuterte der Bürgermeister. Er hoffe aufgrund persönlicher Gespräche auf eine vorgezogene Bearbeitung, denn die Strandsaison rückt immer näher. Ohnehin sollten die Strandkörbe seit dem 1.Mai bereits auf dem Sand verteilt sein. „Wir hoffen stündlich auf eine Genehmigung, damit wir endlich loslegen können.“

 Der Bürgermeister hofft auf das Verständnis der Gäste, die ihren Unmut über die Situation bei den Mitarbeitern im Tourist-Service kundtun. Immerhin kam Mittwochnachmittag die Genehmigung, die Körbe zunächst vorübergehend auf der Rasenfläche am Deich aufzustellen, so dass sie vermietet werden können. Man sei weiterhin dabei, langfristig Lösungen zu finden, um zu vertretbaren Kosten Sand an den Stränden zu sichern, so Osbahr. Ein Fazit ziehe er allerdings: „Der Landweg ist dafür keine Alternative.“