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Plön Kunstrasen: Schönkirchen im Abseits?
Lokales Plön Kunstrasen: Schönkirchen im Abseits?
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06:00 25.07.2019
Von Sibylle Haberstumpf
Der Kunstrasenplatz in Schönkirchen wäre von dem Mikroplastik-Verbot der EU-Richtlinie betroffen. Die Gemeinde denkt über Lösungen nach.
Der Kunstrasenplatz in Schönkirchen wäre von dem Mikroplastik-Verbot der EU-Richtlinie betroffen. Die Gemeinde denkt über Lösungen nach. Quelle: Sibylle Haberstumpf
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Schönkirchen

Die Gemeinde Schönkirchen verfügt seit rund zehn Jahren über zwei Kunstrasenplätze – einen in Fußballfeldgröße und einen kleineren. Beide liegen an der Sportanlage Augustental und werden ganzjährig vom dortigen Schulzentrum, von ortsansässigen und auswärtigen Vereinen rege genutzt. Doch diese Plätze stehen auf der Kippe. Es ist möglich, dass sie ab 2022 nicht mehr bespielt werden dürfen. Der Grund: Ein Verbot von Mikroplastik in der Europäischen Union. Diese geplante EU-Verordnung sorgt bei Kommunen und Vereinen in ganz Deutschland für Wirbel und Angst vor einem möglichen Aus der Kunstrasenplätze. Nach Angaben des Deutschen Fußball-Bundes gibt es mehr als 6000 davon. Bürgermeister Gerd Radisch bleibt bei der Rasen-Debatte aber erst mal cool. „Wir kriegen das Thema gelöst“, verspricht er. „Aber nicht von heute auf morgen.“

Die Warnungen kommen aus Sicht des Bundesumweltministeriums ohnehin zu früh. Ob das Verbot kommt, ist noch nicht klar. Konkret geht es auch nicht um den Kunstrasen selbst, sondern um das zwischen den Plastikhalmen aufgebrachte Granulat, welches ab 2022 verboten werden könnte. Gemeint ist damit das sogenannte „Infill“. Es wird regelmäßig auf den Kunstrasen aufgebracht. Doch die Plastikteile gelangen, etwa bei Regen, ins Grundwasser. Eine Gefahr für die Umwelt. Alternativen seien etwa Kork oder Sand.

Heikendorf mit Quarzsand

Heikendorf, die zweite Kunstrasen-Gemeinde im Amt Schrevenborn, ist bei der Sache fein raus: Für 780.000 Euro entsteht derzeit auf dem Sportgelände am Neuheikendorfer Weg/Schulredder ein nagelneuer Kunstrasenplatz. „Der Heikendorfer Sportverein, der den Platz betreiben wird, hatte die Mikroplastik-Problematik von vornherein auf dem Zettel“, berichtet Bürgermeister Tade Peetz. Daher habe man bewusst auf ein umweltschädliches, beispielsweise aus Altreifenschreddergut hergestelltes Granulat verzichtet. Peetz erläutert: „Unser Kunstrasen besteht aus langen und kurzen Fasern und ist daher langlebiger und verschleißärmer. Als Füllung, die die Halme stabilisiert und die für die Wasseraufnahmefähigkeit sorgt, verwenden wir ökologisch unproblematischen Quarzsand.“ Ein Infill könne später eingebracht werden, dann aus dem Naturprodukt Kork. Die Tiefbauarbeiten beginnen am kommenden Montag. Voraussichtlich im November soll der neue Platz bespielbar sein. 

Schönkirchen hofft auf Übergangszeit

Zurück nach Schönkirchen: Ein Komplettaustausch von altem, problematischen Infill könnte dort mit hohen Kosten verbunden sein. Bürgermeister Radisch hofft daher auf eine Übergangszeit, da Schönkirchen als Fehlbedarfsgemeinde keine Summen im sechsstelligen Bereich „aus dem Ärmel schütteln“ könne. Hilfe könnte vom Bund kommen: Bundesinnen- und Sportminister Horst Seehofer hatte sich am Wochenende bereits für eine solche Übergangszeit von sechs Jahren ausgesprochen.

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