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Plön Junge Mutter gründet Pflegedienst in Schwentinental
Lokales Plön Junge Mutter gründet Pflegedienst in Schwentinental
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19:35 27.09.2019
Von Sibylle Haberstumpf
Ein neues Pflege-Trio für den Kreis Plön: Die 25-jährige Narmin Gusejnov (Mitte) hat sich mit ihrem Pflegedienst „Landliebe“ in Schwentinental selbstständig gemacht. Mit im Boot sind ihr Partner Samuel Brodersen und als Pflegedienstleitung Nadine Bänisch. Quelle: Sibylle Haberstumpf
Schwentinental

Der private Pflegedienst ist untergebracht im Liesenhörnweg in Schwentinental. „Landliebe“ heißt er. Auf Narmin Gusejnovs Visitenkarte sind zwei Hände zu sehen, die fürsorglich ineinander greifen. „Das Menschliche ist mir wichtig, die Wertigkeit und Würde jedes Einzelnen“, sagt Gusejnov.

Wichtig sei das gerade auf dem Land, zum Beispiel im Kreis Plön, wo ihr Pflegedienst nun angesiedelt ist. Infolge des demografischen Wandels nimmt die Zahl der pflegebedürftigen Menschen im Kreis Plön zu.

70 Prozent der Zeit wird in der Pflege für die Dokumentation gebraucht

Mit zu ihrem Team gehören ihr ebenfalls 25-jähriger Lebensgefährte Samuel Brodersen und als Pfledienstleitung Nadine Bänisch, 41. Alle drei sind examinierte Altenpfleger. Gusejnov hat bei mehreren Pflegeanbietern gearbeitet, bei kleinen und großen Firmen, und will mit ihrem eigenen Unternehmen jetzt „einiges besser machen“.

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Zum Beispiel? „Vor allem wollen wir dem Kunden vermitteln, dass er keine Nummer ist, die von uns abgefertigt wird.“ In der Tat fülle jeder Kunde einen Aktenordner mit vielen Blättern. Denn 70 Prozent der Zeit entfalle in der Altenpflege heute auf die Dokumentation, nur 30 Prozent auf den Kunden, erklärt Gusejnov.

Nadine Bänisch: "Das Menschliche kommt viel zu kurz."

„Die Rahmenbedingen haben sich total verschlechtert“, findet auch Nadine Bänisch. Sie ist seit ihrem 14. Lebensjahr in der Altenpflege – und brennt immer noch für ihren Beruf. Angefangen hat die Leidenschaft mit einem Schülerjob. „Für fünf Mark pro Stunde bin ich mit den Omis im Altersheim spazieren gegangen“, erinnert sie sich lächelnd. „Und das war eine Erfüllung für mich!“

Als sie ihre Ausbildung machte, sagt sie, konnte sie für die Senioren noch Kuchen backen und mit ihnen Kaffee trinken. Heute, auch nach diversen rechtlichen Umstellungen in der Pflege, habe dafür keiner mehr Zeit. Auch nicht für längere Gespräche. „Pflegegrad eins, zehn Minuten Zeit, raus aus dem Bett, Rücken waschen“, so sehe es im Alltag oft aus. „Das Menschliche kommt leider viel zu kurz“, bedauert die 41-Jährige.

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Der Beruf sei hart und dafür nicht gut bezahlt, aber: „Man kann davon leben“, sagt Gusejnov. Wenige aus ihrer Ausbildungszeit seien allerdings dabei geblieben, hat Nadine Bänisch festgestellt. Manche, sagt sie, „kriegen Burnout“. Zwei frühere Kollegen hat sie gerade getroffen.

Als Pfleger muss man Sterben, Einsamkeit und Krankheit sehen und ertragen

„Beide sind schon lange nicht mehr in der Pflege. Einer hat umgeschult zum Fußpfleger, der andere wollte unbedingt zurück in seinen alten Beruf als Autoschlosser.“ Manche ertragen den Alltag nicht: „Man muss Sterben sehen, Einsamkeit und Krankheit sehen und das ertragen“, macht Bänisch deutlich.

Ja, natürlich wolle auch sie Geld mit ihrer Arbeit verdienen, meint Gusejnov. Doch den puren Kapitalismus, den viele große Firmen im Gesundheitssektor an den Tag legten, ertrage sie nicht. Hinter jedem Kunden stehe ein Mensch, der Hilfe braucht.

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„Manchmal sind wir Pfleger der wichtigste Mensch, den ein Kunde hat. Viele haben keinen einzigen Angehörigen.“ Auch wenn Kunden in schlechter körperlicher Verfassung oder kurz vor dem Tod stünden, sagt die 25-Jährige, „wollen wir ihnen das Gefühl geben, das Beste daraus zu machen“.

Kontakt: Der private Pflegedienst "Landliebe" ist erreichbar unter Telefon 0431/78584822 oder per E-Mail unter pflegedienst.landliebe@web.de

Pflege in Zahlen

In seiner aktuellen Pflegestatistik, erschienen im März 2019, legt das Land Schleswig-Holstein Zahlen zur Pflege offen.

Demnach gibt es insgesamt 475 ambulante Pflegedienste in Schleswig-Holstein, 39 davon in der Hauptstadt Kiel, zwölf im Kreis Plön (Stand: 2017). In ambulanten Einrichtungen in Schleswig-Holstein gibt es 12.831 Beschäftigte, davon sind 3056 staatlich anerkannte Altenpfleger.

Landesweit sind insgesamt 109.162 Menschen pflegebedürftig: 42.094 Männer und 67.068 Frauen. 57.363 von ihnen sind 80 Jahre oder älter. Ambulant gepflegt werden davon landesweit insgesamt 26112. Im Kreis Plön sind 4318 Menschen pflegebedürftig.

Pflegebedürftige und deren Angehörige berät seit 2010 der Pflegestützpunkt im Kreis Plön. Er wird von den Pflegekassen, dem Land und dem Kreis getragen. Die Beratung ist unabhängig und kostenfrei, Telefon: 04522/743311.

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