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Plön Hanna Karez erhält das Ansgarkreuz
Lokales Plön Hanna Karez erhält das Ansgarkreuz
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20:45 14.05.2019
Von Sibylle Haberstumpf
Sie war Willy-Brandt-Fan, lebte lange in Hamburg und trägt immer noch gerne Rot: Hanna Karez (77) aus Klausdorf. Seit Jahrzehnten engagiert sie sich in der ehrenamtlichen Kirchenarbeit. Die Gemeinde Klausdorf verleiht ihr dafür das Ansgarkreuz. Quelle: Sibylle Haberstumpf
Schwentinental

„So, jetzt können Sie einen ganzen Roman über mein Leben schreiben“, sagt Hanna Karez und lacht. Ja, und ob man das könnte! Und dieser Roman fiele wohl nicht nur ziemlich kurzweilig aus, sondern auch überraschend politisch. Doch dazu später mehr. Schon nach kurzer Zeit des Plauderns wird jedenfalls eines klar: Diese 77-Jährige hat viel gesehen und viel erlebt.

Festgottesdienst in der Philippuskirche in Klausdorf

Hanna Karez, geboren am 6. November 1941 mitten im Zweiten Weltkrieg auf Gut Helmstorf bei Lütjenburg, wird an diesem Sonntag, 19. Mai, eine besondere Ehre zuteil: Sie bekommt von ihrer Kirchengemeinde das Ansgarkreuz der Nordkirche verliehen. Pastorin Ebba Stockhausen wird die Auszeichnung um 10 Uhr bei einem Festgottesdienst in der Philippuskirche gemeinsam mit dem Kirchengemeinderat vornehmen. Hanna Karez bekommt das Kreuz „für ihre Lebensleistung“, begründet Stockhausen.

Die sieht, grob umrissen, so aus: Die gelernte Hauswirtschaftsleiterin ist seit mehr als 50 Jahren im kirchlichen Ehrenamt aktiv. Sie wirkte ab 1966 bei der Ausrichtung des Weltgebetstages mit, leitet seit dem Jahr 2000 einen Besuchsdienst sowie den Gesprächskreis „Frauen ab 60“ in der Klausdorfer Gemeinde. „Das sind wichtige Säulen, die den persönlichen Austausch fördern“, unterstreicht die Pastorin. Jede Woche führt Karez außerdem durch die Bibel-Lesestunde und bringt sich im Kirchenchor ein. Als Frau eines Pfarrers, mit dem sie 34 Jahre in Hamburg lebte, bevor beide 1999 ins Haus ihrer Mutter nach Klausdorf zogen, habe Karez „ihr Leben in den Dienst ihrer jeweiligen Kirchengemeinde gestellt“, so Stockhausen. Das Ansgarkreuz sei für Ehrenamtliche gedacht, die sich über Jahrzehnte aktiv und in gruppenleitender Funktion bewähren.

Armut der Nachkriegszeit prägend

Karez ist Mutter von drei Kindern und Oma von neun Enkeln. Sie wuchs in Kiel-Gaarden auf. „Ich war es von zu Hause gewohnt, dass man sich um andere kümmert“, erzählt sie. Die Armut der Nachkriegszeit war prägend. „Wer da alles in unserer kleinen Zweieinhalbzimmer-Wohnung geschlafen hat...“, erinnert sie sich an ein Leben auf engstem Raum. Nach der mittleren Reife machte sie 1962 ihr Examen. Mitte der 1960er-Jahre ging es mit Ehemann Gerd nach Hamburg. Beide verehrten den Sozialdemokraten Willy Brandt, sind bis heute Mitglied in der SPD.

Beim Weltgebetstag Frauen aus aller Welt kennengelernt

Als Pastorenfrau habe sie „viele persönliche Katastrophen gesehen“, sagt sie. Hat Verzweifelte bei sich aufgenommen und Pflegekinder versorgt. Hatte immer ein offenes Ohr für Frauen, hörte unzählige Male von schlagenden Ehemännern, begleitete Betroffene ins Frauenhaus. „Bei mir saßen so viele Frauen und haben geweint.“ Beim Weltgebetstag hat sie Frauen aus aller Welt kennengelernt – aus China, Neuseeland oder Südkorea. Dort ging sie 1996 sogar selbst auf die Straße, sammelte Unterschriften, wurde gar von der Geheimpolizei in Seoul ausgehorcht. Ostermärsche und selbstorganisierter Tschernobyl-Protest prägten ihr Selbstverständnis. „Ich war immer ein bisschen rebellisch“, meint sie lächelnd. Den Führerschein hat sie nie gemacht – sie fährt überallhin mit dem Rad.

Das Ansgarkreuz

Das Ansgarkreuz ist ein Dankzeichen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Es wird an Gemeindemitglieder verliehen, die sich über Jahre hinweg in der kirchlichen Arbeit als Ehrenamtliche eingesetzt haben. Das Ansgarkreuz ist gestaltet nach einer Kreuzemailfibel (Gewandnadel) aus dem 9. Jahrhundert. Das Original wurde in der alten Wikingerstadt Haithabu gefunden, der Wirkstätte Ansgars, des Apostels des Nordens. Es gehört der Nordkirche zufolge zu den ältesten christlichen Zeichen im Norden. In Klausdorf wird die Ehrung erst zum zweiten Mal vergeben, als Erste erhielt sie Roswitha Kürzdorfer im Jahr 2013. Pro Jahr werden im Schnitt 50 Ansgarkreuze verliehen, seit Gründung der Nordkirche 2012 waren es 354.

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