Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Plön Diabetes-Kind darf nicht in die Kita
Lokales Plön Diabetes-Kind darf nicht in die Kita
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:55 22.12.2014
Von Andrea Seliger
Petra Wulf wünscht sich für ihre Tochter Laureen trotz Diabetes ein normales Leben – dazu gehört für sie auch ein möglichst regelmäßiger Kindergartenbesuch. Quelle: Andrea Seliger
Schwentinental

Als sie vor zwei Jahren einen Platz in der DRK-Kindertagesstätte in Schwentinental-Raisdorf erhielt, waren die Eltern glücklich und erleichtert. „Sie soll möglichst normal aufwachsen und alles machen können, was sie möchte – im Rahmen ihrer Möglichkeiten“, sagt Mutter Petra Wulf. Und dazu gehörte für sie selbstverständlich der regelmäßige Kontakt zu anderen Kindern und das Sozialverhalten in der Gruppe.

 Das Kita-Team wurde entsprechend geschult und lernte auch den Umgang mit dem „Navigator“, einem Gerät zur ständigen Überwachung des Glukosespiegels: Ein Sensor im Oberarm misst den Wert und sendet ihn an ein Gerät, das piepst, wenn es kritisch wird. Die Kinder wurden mit einem Film altersgemäß darüber aufgeklärt, warum Laureen immer ein kleines Gerät bei sich tragen muss – die Insulinpumpe in der Bauchtasche steuert die regelmäßige Abgabe des lebensnotwendigen Stoffes über einen Schlauch in eine festsitzende Nadel im Oberschenkel.

 Laureen war ein Jahr alt, als die Diagnose Diabetes mellitus Typ 1 gestellt wurde. Abgesehen davon ist das Mädchen ein ganz normales, altersgemäß entwickeltes Kind, das gerne turnt und sich auf den Vorschultag im Kindergarten freut.

 Da Laureen aber zu den Fällen mit besonders stark schwankenden Werten gehört, erhielt sie vom Kreis Plön ein persönliches Budget, aus dem Petra Wulf eine extra geschulte persönliche Assistentin für den Kindergartenalltag bezahlen kann.

 In der Praxis hat deshalb die Assistenz in den vergangenen zwei Kita-Jahren die Aufgabe übernommen, auf die Blutzuckerwerte zu achten, die notwendige Insulingabe für das Mittagessen einzuprogrammieren, bei drohender Unterzuckerung einen Schokoriegel zu reichen oder bei Bedarf einen zusätzlichen Insulinschuss auszulösen.

 Wird die Assistentin krank, gerät das System ins Wanken. In den vergangenen zwei Jahren hat sich in der Kindertagesstätte viel verändert. Die gesamte Einrichtung ist umgezogen und gewachsen. Damit Laureen im Notfall weiterhin ihren in Diabetes kundigen Erzieher zur Seite hat, hat sie sogar die Gruppe gewechselt.

 Doch inzwischen lehnt die Kindertagesstätte es ab, das Mädchen ohne Assistenz aufzunehmen. „Für Laureen ist das sicher nicht toll“, gibt Geschäftsführerin Birgit Sobotta zu. Und damit die berufstätige Mutter bei plötzlichen Erkrankungen der Assistenz zumindest ein paar Stunden Zeit hat, etwas zu regeln, habe sie angeboten, dass Laureen in solchen Fällen bis zum Mittagessen betreut wird – wenn an diesem Tag die Gruppe doppelt besetzt ist und keine Aktionen anstehen, die viele Kräfte binden.

 Denn um die Geräte zu bedienen „muss man sich konzentrieren, man muss es sehr sorgfältig machen“. Und da die Mitarbeiter nicht geübt seien – normalerweise kümmere sich ja die Assistentin darum – seien sie auch unsicher. „Sie sagen: Diese Verantwortung können wir nicht mehr übernehmen“, erklärt Sobotta. Laureens Gesundheitszustand stehe an erster Stelle.

 Dass es ein Mehraufwand ist, weiß auch Petra Wulf: „Vier, fünf Mal muss man bestimmt an das Kind ran.“ Doch unmöglich sei es nicht. Sie hat eine neue Schulung angeboten, außerdem sei sie stets telefonisch erreichbar und im Notfall schnell vor Ort. Laureen lerne auch langsam, ihren Zustand selbst besser einzuschätzen – „aber sie kann eben noch keinen Dreisatz rechnen“.

 Assistenz-Aushilfen und Wechsel sind wiederum im Kindergarten unbeliebt, weil neue Personen Unruhe in die Gruppe brächten. Petra Wulf ist frustriert – nicht nur, weil ihr so die Betreuung während ihrer Arbeitszeit fehlt, sondern auch, weil sie ihrer Tochter ein so normales Leben wie möglich wünscht. „Es ist doch nur noch ein halbes Jahr, bis sie zur Schule kommt. Warum können sie es ihr nicht noch schön machen?“