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Plön Grünen-Politiker schrieben Leserbriefe unter falschem Namen
Lokales Plön Grünen-Politiker schrieben Leserbriefe unter falschem Namen
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16:26 17.10.2019
Von Sibylle Haberstumpf
Andreas Müller (li.), Fraktionsvorsitzender der Grünen, und Bürgervorsteher Dennis Mihlan schickten Leserbriefe unter falschen Namen an die Kieler Nachrichten. Quelle: Merle Schaack | Montage: Lina Schlapkohl
Schwentinental

Die Redaktion war den ehrenamtlichen Lokalpolitikern auf die Schliche gekommen und hatte sie mit den Vorwürfen konfrontiert. Beide beteuerten am Montag per Mail: Ihr Verhalten tue ihnen leid.

Fünf Leserbriefe unter falschen Namen

Walter Stängel und Bernd Seiler. Unter diesen Namen gingen seit Mai 2018 fünf Leserbriefe bei den Kieler Nachrichten ein. Stets unter Angabe einer Telefonnummer und einer E-Mail-Adresse: wiesenstaengel@gmx.de und bernd.seiler1@gmx.de. Drei der Texte sind veröffentlicht worden.

Die Themen dieser Briefe zusammengefasst: Unter den Pseudonymen Stängel und Seiler rieben sich Mihlan und Müller an der Stadtverwaltung, am parteilosen Bürgermeister Michael Stremlau, an CDU und SPD, an den Stadtwerken, der Freibadsanierung – und sie bemängelten Intransparenz.

Leserbriefe

Die Leserpost ist eine der wichtigsten Rubriken in den Kieler Nachrichten. Sie soll Debatten fördern, andere Meinungen herausarbeiten, für Transparenz sorgen und die Berichterstattung ergänzen. Und sie ist vor allem eines: den Lesern vorbehalten.

Mandats- und Funktionsträger, seien sie Politiker oder Verbandsvorsitzende, dürfen ihre Meinung nicht als Leserbriefe transportieren. Ihnen stehen andere Wege offen: Mitteilungen ihrer Parteien etwa oder Informationen aus ihren Pressestellen. Über diesen Weg können sie sich an die Redaktion wenden. Sie entscheidet dann, ob sie die Inhalte berücksichtigt.

Leserbriefe müssen stets Bezug nehmen auf Artikel, die in der Zeitung oder auf KN-online erschienen sind. Sie müssen mit Namen und Ort versehen sein. Sie dürfen keine falschen Tatsachen oder Beleidigungen enthalten.

Auch Leserbriefe unterliegen dem Presserecht. Prinzipiell haften Medien für den Inhalt eines abgedruckten Leserbriefs genauso wie sonst auch für die Verbreitung von Aussagen Dritter.

Tonfall der E-Mails erinnerte an Grünen-Fraktion

Zuletzt ging ein Schreiben am 22. Juli 2019 in unserem Mail-Postfach ein, Unterzeichner: Walter Stängel. Er kritisierte darin ein Interview mit Stadtwerke-Geschäftsführer Jens Wiesemann – sprachlich und inhaltlich ähnelte diese Mail so auffällig dem Stil und Tonfall der Grünen-Fraktion, wie er aus Pressemitteilungen, öffentlichen Anträgen und Stadtvertretungssitzungen bekannt ist, dass die Redaktion der Sache auf den Grund ging.

Dabei wurde klar: Walter Stängel gibt es nicht. Im Melderegister der Stadt: Fehlanzeige. Die Telefonnummern, die er in seinen Schreiben angegeben hatte: alle tot. Reaktion auf eine Anfrage per Mail: keine. Aber: Im Internet ließen sich Hinweise finden.

So fiel der Schwindel auf

Eine Mail-Adresse führte zu einem älteren Chat-Forum. Dort hatte ein Benutzer mit dem Namen "masta3mc" mehrfach besagte gmx-Adresse in der Community verwendet. "Masta3mc" führte wiederum auf ein gleichnamiges Ebay-Profil eines Nutzers aus Schwentinental. Nach kurzer Recherche war klar: Das Profil gehört Dennis Mihlan.

Es waren Fotos von Ebay-Artikeln in seinem privaten Facebook-Profil zu sehen. Die Mail-Adresse hatte sich der 38-Jährige, der seit seiner Jugend im Naturschutzbund Nabu aktiv ist, vor Jahren eingerichtet und neben weiteren gmx-Adressen privat genutzt.

Profil von Walter Stängel wurde gelöscht

Auch ein Facebook-Profil unter dem Namen Walter Stängel gab es – unterlegt mit einem Hintergrundbild, das auch auf einem Grünen-Wahlplakat auftauchte. Mittlerweile ist das Profil gelöscht. Mehrere Vorlieben hatte der angebliche Walter Stängel dort angegeben, zum Beispiel das persönliche Profil von Dennis Mihlan sowie die Grafik-Design-Firma, die der Schwentinentaler betreibt.

Mihlan ist seit 2013 ehrenamtlich für die Grünen aktiv, seit 2018 Bürgervorsteher – und hatte dem Vernehmen nach vor, im März 2020 für die Grünen als Bürgermeister-Kandidat anzutreten. In Schwentinental ist er bei Bürgern beliebt; die Grünen stellen in der Stadtvertretung die größte Fraktion, holten auch bei der Europawahl die meisten Stimmen.

Erste Konfrontation: Vorwürfe werden bestritten

Bei einer ersten Konfrontation hatte Mihlan die Vorwürfe der Kieler Nachrichten bestritten: Er habe die falschen Leserbriefe nicht geschrieben. Aber er kenne einen Herrn mit dem Namen Walter Stängel. Tage später ein weiterer Termin in der Redaktion. Mihlan sagte: Walter Stängel sei das erfundene Pseudonym eines Schwentinentalers. Der Mann sei politisch interessiert, habe aber Angst gehabt, einen Leserbrief unter eigenem Namen zu veröffentlichen.

Es herrsche ein politisches Klima der Angst in Schwentinental, das von Vertretern anderer Fraktionen aufgebaut werde, sagte Mihlan zur Begründung. Daher habe er, Mihlan, "inhaltliche und technische Hilfestellung" gegeben, also seine Mail-Adresse zur Verfügung gestellt – die Leserbriefe habe dann aber der angebliche Walter Stängel geschrieben.

Die Chronologie der Leserbriefe-Recherche aus Schwentinental

Dennis Mihlan und Andreas Müller gestehen

Am Montag das Geständnis: Er selbst habe die Briefe verfasst, so Mihlan. Und Fraktionschef Müller gab zu: Er habe sich den Namen Bernd Seiler ausgedacht, um zum Thema freies WLAN in Schwentinental (ein Antrag der CDU-Fraktion) seine Kritik zu äußern.

Beide Politiker entschuldigten sich bei der Redaktion für die falschen Briefe. Mihlan zeigte per Mail Reue: "Nach all dem Chaos und nachdem uns offenbar wurde, was wir da eigentlich verzapft haben, sind wir nun zu dem Entschluss gekommen offen zu sein und die sich anbahnende Götterdämmerung über uns einbrechen zu lassen. Das fällt allemal leichter, als weiter damit zu leben."

Lokalpolitiker dürfen keine Leserbriefe in den Kieler Nachrichten veröffentlichen: Das ist Lesern und Bürgern vorbehalten, die kein politisches Amt bekleiden.

Zum Thema: Ein Kommentar von Sibylle Haberstumpf

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