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Plön Mindestlohn bremst Taxis aus
Lokales Plön Mindestlohn bremst Taxis aus
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18:30 26.02.2015
Von Andrea Seliger
Tagsüber läuft das Geschäft, abends lohnt es sich nicht mehr: Hans-Jürgen Fahrenkrog in seiner Taxizentrale. Quelle: Andrea Seliger
Schwentinental

„Ab 19 Uhr ist in Schwentinental Totentanz“ sagt Hans-Jürgen Fahrenkrog, der seine Zentrale am Bahnhof Raisdorf hat. Und er rechnet vor: „Gestern Abend hat ein Fahrer von 18 bis 23 Uhr 34 Euro eingenommen.“ Elf Mitarbeiter sind für ihn unterwegs, das Hauptgeschäft findet jedoch tagsüber statt, mit Rollstuhlbeförderung und Arztfahrten. „Tagsüber laufen die Autos kostendeckend“, so Fahrenkrog. Abends sei aber einfach zu wenig los. Er müsse ja nicht nur die 8,50 Euro zahlen, sondern auch den Arbeitgeberanteil: „Das halte ich ein halbes Jahr durch, und dann bin ich pleite.“

 Fahrenkrog hat seine Taxis deshalb abgemeldet und betreibt nun „Mietwagen“. Der Unterschied: Er ist nicht mehr zur 24-Stunden-Bereitschaft verpflichtet. Angemeldete Stammkunden würden auch um 21 Uhr noch gefahren. Doch zukünftig könne es passieren, dass zu später Stunde eben kein Fahrzeug mehr bereitstehe: „Sonst müsste der Fahrpreis doppelt so hoch sein, um die Kosten zu decken“.

 Carsten Wuttig dagegen will weiter Taxi fahren: „Schwentinental ohne Taxi – das geht gar nicht!“ Die Leute wollten nun mal von A nach B, und darunter seien auch Notfälle, die zum Arzt oder ins Krankenhaus müssten.

 Doch auch er sagt: „Es ist ein schweres Geschäft. Urlaub, Wochenende, Freizeit kenne ich nicht“. Früher hatte Wuttig Mitarbeiter, heute fährt er alle Touren selbst. Angestelltes Personal möchte er unter den aktuellen Umständen nicht mehr, das sei „zu schwierig“. Er plane jedoch, sich den Betrieb mit einem Partner zu teilen.

 Erst vor kurzem hatte ein Unternehmen in Laboe aufgegeben – mit der Begründung „Mindestlohn“. Es hat sich aber inzwischen ein Nachfolger gefunden. Der Kreis Plön weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Unternehmen sich von der 24-Stunden-Betriebspflicht befreien lassen könnten. Dazu müsse ein entsprechender Antrag gestellt werden, in dem nachgewiesen wird, dass der Betrieb sonst nicht mehr wirtschaftlich zu führen ist.

 Zurzeit lägen dem Kreis zwei solche Anträge auf Aufhebung der Betriebspflicht für bestimmte Nachtstunden vor. „Beide Verfahren laufen allerdings noch“, so Kreis-Sprecher Björn Demmin. Zum einen seien die notwendigen Nachweise noch nicht eingereicht worden, zum anderen müsse auch mit der Gemeinde geklärt werden, ob ein öffentliches Verkehrsinteresse bestehe.