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Plön Nabu mahnt: Natur behutsam genießen
Lokales Plön Nabu mahnt: Natur behutsam genießen
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16:16 19.04.2018
Von Merle Schaack
Dennis Mihlan (li.) und Ulrich Markmann-Mulisch wollen Tieren und Pflanzen das Leben in einem FFH-Gebiet in Klausdorf erleichtern. Quelle: Merle Schaack
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Schwentinental

Buschwindröschen, hohler Lerchensporn, alte Eichen. Direkt am Wegesrand hat ein Dachs sein Zuhause, einige Gehminuten weiter macht ein Kolkrabe mit lauten Rufen auf sich aufmerksam. Ein Specht klopft. Das nach einer EU-Richtlinie zum Erhalt natürlicher Lebensräume ausgewiesene Flora-Fauna-Habitat (FFH) am Aubrook in Klausdorf ist eine kleine Natur-Oase.

Zwar sind auch hier Spuren menschlicher Nutzung zu sehen. Mal hängen Reste einer Plastiktüte im Baum, einige Schritte weiter liegt eine alte Bierdose. Doch die beiden Mitglieder der Nabu-Ortsgruppe Preetz-Probstei, die sich auch um Schwentinental kümmert, wollen das Stück für Stück ändern.

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Zurück zur Knick-Struktur

Mihlan hat hier zwei Flächen gekauft, um sie wieder ihrem Ausgangszustand anzunähern. „Wir wollen hier wieder eine vernünftige Knick-Struktur schaffen" sagt er an einer Stelle, wo noch die Überreste eines ehemaligen Knicks zu sehen sind.

Außerdem träumen die Nabu-Mitglieder von einem echten Naturwald. „Obwohl man hier bei uns in Schleswig-Holstein ja kaum noch von Wäldern sprechen kann", sagt Markmann-Mulisch. „Von der Größe her sind das ja eher Baumgruppen."

Auch tote Bäume bleiben liegen

In ihrem Natur-Kleinod jedenfalls soll nicht unnötig aufgeräumt werden „Viele Spaziergänger stören sich daran, wenn im Wald umgestürzte Bäume liegen bleiben. Dabei sind gerade sie wichtige Lebensräume", sagt der Biologe und zeigt auf eine Weide, die am Boden liegt und in deren Stamm sich Löcher gebildet haben. „Hier werden garantiert Fledermäuse einziehen."

Bis zu 1500 verschiedene Arten von Pflanzen über Pilze bis hin zu Insekten könnten in einem toten Baumstamm leben. Zu aufgeräumte Landschaften seien deshalb Gift für die Tierwelt.

„Besonders für Höhlenbrüter fehlen oft die entsprechenden Bäume", sagt Mihlan. Deshalb haben die beiden unter ihren Nistkästen auch einen extra für Schellenten. „Eigentlich traurig, das nichts anderes übrig bleibt."

Entfremdung verschärft das Problem

Der Naturschutz steckt deshalb in einem Zwiespalt. Einerseits gilt es, vor allem junge Menschen wieder für die Bedürfnisse der Tiere und Pflanzen zu sensibilisieren. Andererseits verschreckten Kindergruppen wie Waldkindergärten auch scheue Arten, so Markmann-Mulisch. „Aber auch bei Erwachsenen ist die Entfremdung weit fortgeschritten. Da wird achtlos herumgetrampelt, selbst in Naturschutzgebieten."

Auf Führungen rät er den Teilnehmern deshalb stets, sich einfach mal auf eine Bank zu setzen und die Natur um sie herum still für eine Weile zu beobachten. „Da sieht man auch schon viel Schönes. Man muss nicht immer mitten rein rennen."

Hans-Jürgen Schekahn 19.04.2018
Merle Schaack 19.04.2018
Silke Rönnau 18.04.2018