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Plön "Idiotentest": Alkoholfrei unterwegs
Lokales Plön "Idiotentest": Alkoholfrei unterwegs
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12:19 29.05.2019
Von Signe Hoppe
Bei Alkohol- und Drogenproblemen geht es in den Selbsthilfegruppen des Blauen Kreuzes um den Blick nach vorne. Stephanie Ahlers (von links), Volker Bumann, Michael Rohweder und Gerd Albrecht fahren in Zukunft ohne Alkohol. Imke Wussow (rechts) von der ATS-Suchtberatungsstelle unterstützt die ehrenamtlichen Selbsthilfegruppen. Quelle: Signe Hoppe
Preetz

„Auffällig geworden, Polizeikontrolle, Führerschein weg“, beschreibt Volker Bumann das, was ihm selbst passiert ist. Seit 18 Jahren ist er trocken. Seit fünf Jahren bietet er ehrenamtlich eine Selbsthilfegruppen zur Vorbereitung auf die MPU an, umgangssprachlich auch „Idiotentest“ genannt. In den Räumen der ATS-Suchtberatungsstelle in der Kirchenstraße finden sich immer mittwochs zwölf Menschen ein, die ihren Führerschein wegen Alkohol- oder Drogenkonsum abgeben mussten. Das Angebot ist freiwillig und kostenlos.

„Wir bieten Unterstützung, geben aber keine Tipps zur Wiedererlangung des Führerscheins, denn darum geht es nicht“, erklärt Bumann. „Die Betroffenen sollen sich über ihr Suchtverhalten klar werden und in Zukunft abstinent leben.“ Der Weg sei hart und kostspielig: Ein Jahr Abstinenznachweis mit Haar- und Urinanalysen, Führungszeugnis, Erste-Hilfe-Kursus, Sehtest, Reaktionstest, eventuelle neue Fahrprüfung, medizinische Untersuchung und psychologisches Gespräch. Das kann bis zu 1800 Euro kosten. Das letzte Wort hat die Führerscheinstelle. „Ich setze mich täglich mit meiner Krankheit auseinander“, fügt Gerd Albrecht hinzu, der mit Volker Bumann die Gruppe gründete. „Alkoholsucht ist nicht heilbar. Einige von uns müssen die MPU bereits zum zweiten Mal machen, weil sie sich mit ihrer Sucht nicht auseinandersetzen. Egal ob es sich um Alkohol, Amphetamine oder Cannabis handelt. Davon muss man nämlich letztendlich den Psychologen überzeugen.“

Blutalkohol von 2,33 Promille

Mittlerweile hat Volker Bumann 25 Menschen aus der Region geholfen. Darunter auch Michael Rohweder. „An dem Tag, an dem ich meine Fahrerlaubnis abgeben durfte, hatte ich einen Atemalkohol von 2,66 Promille, Blutalkohol 2,33 Promille“, erzählt er. „Das war in einer Autowaschstraße. Laut Polizei war ich nicht einmal auffällig, das heißt, das Trinken war trainiert – sonst hätte ich gar nicht mehr fahren können.“ Seit seiner Entgiftung vor zwei Jahren ist er trocken.

Viele bleiben der Selbsthilfegruppe treu, auch wenn sie ihren Führerschein wiederhaben. Es ginge um den Erfahrungsaustausch und darum, sich stets seiner Alkoholkrankheit bewusst zu sein, sagt Stephanie Ahlers. Sie leitet montags die Selbsthilfegruppe im Gemeindehaus der Stadtkirche. Beide Gruppen sind im Blauen Kreuz der evangelischen Kirche organisiert. „Alkoholmissbrauch ist noch immer ein Tabuthema“, sagt Ahlers. „Dazu tragen auch sprachliche Verniedlichungen wie „Bierchen“ oder „Schnäpschen“ bei."

Vatertag ist ein gefährlicher Tag

Ist der Vatertag ein gefährlicher Tag? Imke Wussow, stellvertretende Leiterin der Ambulanten und Teilstationären Suchthilfe (ATS) des Kreises Plön, kann das nur bejahen. „Wenn Menschen angetrunken sind, dann sind die Unfälle schwerer, die Personenschäden schlimmer. Dann ist es egal, ob sie mit einem Bollerwagen vors Auto oder auf Bahnschienen nach Hause laufen.“ Michael Rohweder appelliert an die Jugend: „Lasst das Komasaufen und macht lieber etwas mit der Familie. Immerhin ist auch noch Himmelfahrt.“

Die MPU-Selbsthilfegruppe des Blauen Kreuzes unter Volker Bumann ist erreichbar über Tel. 04307/839857. Kontakt zur Selbsthilfegruppe von Stephanie Ahlers über Tel. 04383/517966.

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