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Plön Selent: Kuscheln im Technologiezentrum Blomenburg
Lokales Plön Selent: Kuscheln im Technologiezentrum Blomenburg
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14:34 18.06.2009
Selent

Rund 45 Hochzeiten und Trauungen wurden auf der Blomenburg allein im vergangenen Jahr gefeiert, zum Teil mit bis zu 150 Gästen. Hinzu kommen andere Feierlichkeiten wie Geburtstage und Busreisende.  Alles spielt sich im Herrenhaus und Kavaliershaus ab, die unbestritten einen vorzüglichen Ort für den Beginn einer Lebensgemeinschaft bilden. Allerdings ein staatlich subventioniertes Nest für Verliebte und ihre Familien. Rund 1,2 Millionen Euro flossen aus Landes- und EU-Mitteln in die Sanierung der Gebäude. Ein Förderbescheid regelt genau, was in diesem Teil des Technologiezentrums zu passieren hat. Vor allem aber ist festgelegt, dass der Betreiber des Technologiezentrums, der Rendsburger Unternehmer Dietmar Hartmann, die Blomenburg nicht für eigene wirtschaftliche Zwecke nutzen darf. Aber genau das tut er. Zuletzt liefen die Übernachtungs- und Beherbergungsgeschäfte über seine Blomenburg Service GmbH und Blomenburg Technologiezentrum GmbH.

Die Blomenburg-Befürworter trösten sich mit Aussagen, das störe ja die Abläufe des Technologiezentrums nicht. Nicht ganz richtig. Der Hotelbetrieb im Kavaliershaus half offenbar in einem Fall, einen Mieter aus Selent zu vergraulen. Die Unternehmerin Martina Tillmanns gehörte zu den ersten Firmen, die sich auf der Blomenburg ansiedelten. Ihr Büro lag im historischen Teil des Technologiezentrums. Sie wunderte sich, dass schon im Jahr 2006 auf einmal rings um sie herum Betten- und Badezimmer entstanden. „Wir hatten mit Büros gerechnet“, sagte Martina Tillmanns gegenüber den Kieler Nachrichten. Immer freitags und montags, wenn die Hochzeitsgesellschaften an- oder abreisten, sei es zu Begegnungen gekommen. Menschen, die auf dem Weg ins Badezimmer waren, die auf dem Flur liegen. Menschen, die sich in ihrem Wohnquartier einrichteten. Einmal klopfte sogar ein leicht bekleideter Gast an ihre Bürotür und erkundigte sich nach den Waschgelegenheiten. Besonders störten die Unternehmerin die Gerüche aus dem Badezimmer. Weil auch andere Punkte nicht passten, zog Martina Tillmanns die Konsequenz und verließ im November 2007 die Blomenburg. Mit ihrem Unternehmen „Klar-Text“, eine Agentur für Werbetexte auf Papier und im Internet, ist sie jetzt in Lütjenburg ansässig und dort sehr zufrieden.

Die Behörden tolerieren zurzeit noch den staatlich subventionierten Hotelbetrieb auf der Blomenburg. Er wird ihnen offenbar auch nur ungern in ganzem Umfang gezeigt. Das legen zumindest Informationen der Kieler Nachrichten nahe: Im Februar soll sich eine Mitarbeiterin der Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH) im Technologiezentrum umgeschaut haben, um Neu- und Umbauten zu inspizieren. Wenige Tage vor diesem Termin wurden offenbar zwei Bettenzimmer im Kavaliershaus gezielt „umgerüstet“. Die Schlafgelegenheiten und Nachttische verschwanden, hingegen hielten Schreibtisch, Bürostuhl und Regale Einzug. Diese beiden Räumlichkeiten sollen nun der Dame von der GMSH präsentiert worden sein. Die übrigen Bettenzimmer blieben verschlossen. Von den Kuschelecken im Technologiezentrum bekam die Besucherin nichts mit.

Uwe Hemens, Geschäftsführer der Blomenburg-Trägergesellschaft, war bei der Führung anwesend zusammen mit einem Mitarbeiter der Burg. Die Trägergesellschaft gehört zu 80 Pozent dem Kreis und zu jeweils zehn Prozent der Gemeinde Selent und Dietmar Hartmann. „Es sind keine Betten gezeigt worden“, bestätigte er den Kieler Nachrichten. Den Führungsweg durch das Gebäude habe er dem Betreiber überlassen. Ob Zimmer gezielt vorher umgebaut wurden, könne er nicht sagen. Er selbst wisse auch nicht, wie hoch die Bettenzahl dort ist. Die Schlüsselgewalt über die Räumlichkeiten liege beim Betreiber. Hemens erwartet in Kürze eine Stellungnahme vom Kieler Wirtschaftsministerium, wie und in welchem Umfang der historische Teil der Blomenburg genutzt werden darf. Hemens: „Es wird höchste Zeit, diesen Punkt zu klären.“

Eine ähnliche Haltung vertritt Landrat Volkram Gebel: In den Veranstaltungen sieht er einen Teil der „Öffentlichkeitsarbeit“ für die Blomenburg und sie seien in einem „gewissen Umfang“ auch gestattet.  Mit den zahlreichen Übernachtungen im Kavaliershaus zeigte sich Gebel nicht einverstanden und will sie nur auch noch für eine Übergangszeit gestatten. Der Landrat erwartet nun klare Vorgaben aus Kiel, was auf der Burg erlaubt ist.

Betreiber Dietmar Hartmann sieht in den Übernachtungen hingegen etwas, was die Wirtschaft der Region voranbringt. Die Anzahl der reinen Hochzeitsgesellschaften gibt er auf Nachfrage mit gut 20 im vergangenen Jahr an. Von einem „Hotelbetrieb“ wolle er daher nicht sprechen. Auch in anderen Technologiezentren im Land gäbe es externe Mieter, die auf die Räumlichkeiten zurückgriffen.

Den Fortgang der Firma „Klar-Text“ von der Blomenburg erklärte Hartmann damit, dass er weniger Anzeigen in einem Produkt des Unternehmens geschaltet habe, als gewünscht worden sei.

Bei der Führung der GMSH-Vertreterin sei er nicht anwesend gewesen und wisse auch nicht, ob Räume umgestaltet worden seien. Die Berichterstattung der Kieler Nachrichten hält er für unfair. Dietmar Hartmann: „Das ist die Höchststrafe für einen Unternehmer, Geld und Herzblut in eine Sache zu stecken und dann auch noch eine schlechte Presse zu haben.“

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