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Plön Die helfenden Engel von Lütjenburg
Lokales Plön Die helfenden Engel von Lütjenburg
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12:00 15.12.2018
Von Hans-Jürgen Schekahn
Brot, Gemüse, Konserven oder Milch. Die Helfer der Lütjenburger Tafel verteilen Lebensmittel an Bedürftige (von links): Birgit Ewerbeck, Bärbel Bruhn, Hanna Seute, Jutta Stanius und Ali Mir Afgan. Quelle: Hans-Jürgen Schekahn
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Lütjenburg

„Das sieht schön aus“, sagt ein schüchterner Junge, der mit seinen Eltern aus dem Irak geflohen ist. Er blickt auf ein paar Stückchen Schokolade, die am Eingang für die Kinder bereit steht. „Dann darfst du das auch essen“, sagt Bärbel Bruhn. Der Junge bedankt sich und nimmt lächelnd die Süßigkeit an sich.

Die Hälfte sind Flüchtlinge

Etwa die Hälfte der Kunden sind Flüchtlinge, berichtet Bruhn. So wie ein 30-Jähriger aus Syrien, der zusammen mit seiner gleichaltrigen Frau, vier Kindern und der Schwiegermutter in Lütjenburg lebt. Milch, Yogurt, Fisch, Käse und Tomaten tragen sie in großen Tüten und Beuteln nach Hause. Sie bedanken sich für das Essen. Sorgen bereitet ihm sichtlich seine Wohnsituation. Mit sieben Personen leben sie in einer Dreizimmerwohnung. Keiner könne ihm helfen.

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"Beklagen können wir uns nicht"

Eine 29-Jährige Deutsche reiht sich erst zum dritten Mal in die Schlange ein. Sie hat eine Ausbildung in einem Pflegeberuf, arbeitet aber nicht, weil sie der Job psychisch mitnimmt, sagt sie. „Und irgendwann war der Kühlschrank leer.“ Beim ersten Mal bei der Tafel habe sie sich noch geschämt. Vor allem Brötchen hat sie im Blick. „Brötchen gehen immer.“ Einen Vorrat davon friert sie immer ein. Mit dem Angebot der Tafel ist sie zufrieden. „Beklagen können wir uns nicht.“

Psychische Probleme nicht im Griff

Ein 30-Jähriger Lütjenburger berichtet von Schicksalsschlägen, die ihm seit seinem 19. Lebensjahr widerfahren sind. Unter anderen erlitt seine Mutter einen Schlaganfall. Seine psychischen Probleme habe er nicht in den Griff bekommen. Er ist arbeitslos. Die Lebensmittel der Tafel helfen ihm sehr. Anfangs sei es ihm schwer gefallen zu kommen, weil es für ihn ein Eingeständnis war, dass er Hilfe benötigt. Das Personal sei sehr nett. Der junge Mann greift auch zu, wenn am Ausgabetag etwas Hilfe benötigt wird beim Tragen von Kartons.

"Wir sind sehr zufrieden"

Seit zehn Jahren besucht eine 55-jährige Frau regelmäßig die Tafel. Ihr Mann sei nach einer Krankheit arbeitslos geworden. Sie selbst habe eine Behinderung und könne keiner Beschäftigung nachgehen. Die kostenlosen Lebensmittel sind eine gute Unterstützung, sagt sie. Besonders beliebt bei ihr: Gemüse aus der Dose und Hühnersuppe. Sie lobt die netten Leute von der Ausgabe. „Wir sind sehr zufrieden mit der Tafel.“

15 Ehrenamtler in Lütjenburg

Bärbel Bruhn leitet zusammen mit Birgit Ewerbeck die Lütjenburger Tafel, die eine Filiale der Plöner Einrichtung ist. 15 Helfer sind sie insgesamt. Ehrenamtler natürlich. Die Wankendorfer Baugenossenschaft stellt die Räume zur Verfügung, zahlt auch für Strom und Wasser. Besonders freut sich Bruhn über Sonderaktionen der Häuser Rewe und Famila, die ihre Kunden zu Spenden für die Lütjenburger Tafel aufrufen. Dann gibt es Nudeln, Reis, Konserven, Mehl, H-Milch: Dinge, die länger haltbar sind und sonst kaum bei der Tafel landen. Auch private Spender bringen immer wieder diese besonders begehrten Lebensmittel vorbei.

Eines ist Bärbel Bruhn ganz wichtig: Die Ehrenamtlichen behandeln alle Menschen mit Respekt. Egal, wo sie herkommen. Egal, was der Grund ihrer Bedürftigkeit ist. Ihr schönster Lohn dafür ist ein „Dankeschön“.

Kieler Nachrichten sammeln für die Tafeln

Der Verein „KN hilft“ sammelt Spenden für die Tafeln in Bad Bramstedt, Bad Segeberg, Bordesholm, Eckernförde, Flintbek, Kaltenkirchen, Kiel, Lütjenburg, Neumünster, Nortorf, Plön, Preetz, Rendsburg und Schönberg.

Ein Spendenkonto bei der Förde Sparkasse ist eingerichtet. Unter dem Stichwort „Gutes tun im Advent“ können Sie spenden auf das Konto DE05 2105 0170 1400 2620 00.

Möchten Sie nicht, dass Kieler Nachrichten oder Segeberger Zeitung Sie als Spender erwähnen, so schreiben Sie bitte hinter den Verwendungszweck den Hinweis „kein Name“. Spenden können Sie bis Weihnachten.

Astrid Schmidt 15.12.2018
Silke Rönnau 15.12.2018
Sven Tietgen 14.12.2018