Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Plön Den Jugendlichen Wege aufzeigen
Lokales Plön Den Jugendlichen Wege aufzeigen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:15 25.02.2019
Von Silke Rönnau
Pascal Müller arbeitet seit Sommer 2018 als zweiter Streetworker neben Rüdiger Wiese in Preetz. Quelle: Silke Rönnau
Preetz

Nach seiner Kochlehre hatte er zunächst acht Jahre in einem Surfcamp in Frankreich gearbeitet, bevor er noch einmal die Schulbank für den Erzieherberuf drückte. Nach Praktika in Kindergarten und Jugendhilfeeinrichtung landete er im Haus am Sandberg in Preetz und war fasziniert von der Arbeit als Streetworker. Im vergangenen Jahr wurde eine zweite Stelle ausgeschrieben, auf die er sich erfolgreich bewarb.

"Hier stellt man sich nicht über Jugendliche"

Was ist das Besondere an der Arbeit?

Pascal MüllerKein Tag gleicht dem anderen. Und hier stellt man sich nicht über Jugendliche, sondern redet mit ihnen. Jeder darf alles für sich allein entscheiden. Wenn jemand etwas nicht will, dann zwingen wir ihn nicht dazu, das funktioniert nicht. Wir zeigen ihm stattdessen verschiedene Wege auf. Wenn einer zum Beispiel sagt, er möchte seinen Führerschein machen, muss er erst einmal clean sein. Und wir schauen gemeinsam: Wie kann er das erreichen? 

Wie sind Sie zum Treffpunkt im Haus am Sandberg gekommen?

Mein zweites Praktikum in der Jugendhilfeeinrichtung fand ich ein bisschen zu langweilig, die Jugendlichen haben eigentlich immer das getan, was ich gesagt habe (lacht). Ich habe eine neue Herausforderung gesucht. Hier habe ich ein Langzeitpraktikum von 21 Wochen gemacht und noch während meiner Schulzeit auf 450-Euro-Basis weitergearbeitet. Dann hatte ich das Glück, dass im Sommer nach meinem Abschluss eine zweite Streetworker-Stelle geschaffen wurde. Der Vorteil war, dass ich schon alle Kooperationspartner und die Jugendlichen kannte.

"Man muss authentisch bleiben"

Wie verschafft man sich Respekt?

Man muss authentisch bleiben. Die merken sofort, wenn man sich verstellt und eine Rolle vorspielt. Ich kann mit ihnen Witze machen, und wir fassen uns nicht mit Samthandschuhen an. Es ist ganz wichtig, sie so anzunehmen, wie sie sind. Denn sie haben schon oft die Erfahrung gemacht, dass Erwachsene alles besser wissen. Da bekommt mancher zu hören: Das schaffst du eh nicht. Wir überlegen stattdessen, wie jemand zu seinem Ziel kommt.

Kommen die jungen Menschen von sich aus zum Haus am Sandberg oder suchen Sie sie auf?

Viele kommen hierher, viele kontaktieren mich außerdem über Whatsapp. Wir sind zusätzlich auf dem Marktplatz und reden dort mit den Jugendlichen. Dort ist es aber deutlich weniger geworden. Natürlich machen wir auch Hausbesuche, wenn sie das wünschen. Manche muss man auch kontrollieren, wenn zum Beispiel eine Verwahrlosung droht.

Was passiert, wenn Jugendliche in die Obdachlosigkeit rutschen?

Wir haben eine Notschlafmöglichkeit im Moorweg. Die meisten haben aber viele Freunde und können mal hier und mal dort schlafen. Es ist schwierig mit der Wohnungssuche.

Wo liegen die Hauptprobleme?

Meiner Wahrnehmung nach ist Sucht das größte Problem. Dabei geht es nicht nur um Drogen, sondern auch um Spiel- und Mediensucht. Es gibt leider wenig Maßnahmen für Jugendliche, die beispielsweise kiffen. Viele Projekte, die Jugendliche an feste Strukturen heranführen sollen, setzen eine Abstinenz voraus. Es fehlen aber gerade für Jugendliche Maßnahmen, die zu einer Abstinenz führen können.

Welches Ziel möchten Sie gerne erreichen?

Ich hätte gerne, dass das Haus noch mehr von den Jugendlichen angenommen wird. Es gibt nicht viele Angebote für junge Menschen, das Jugendzentrum ist eigentlich eher etwas für die Jüngeren. Im Haus am Sandberg dürfen die Besucher auch mal ein Bier trinken. Man könnte Projekte mit ihnen machen, das wäre schön.

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein grandioser Erfolg zum zweiten Mal in Folge: Die Schüler der Gemeinschaftsschule Probstei in Schönberg haben mit ihrer Schülerzeitung „Grips“ den landesweit ersten Platz belegt und sind zur besten Schülerzeitung Schleswig-Holsteins gekürt worden.

Alev Doğan 25.02.2019
Plön Hotel Seeterrassen Laboe - Dritte Generation übernimmt die Regie

Generationswechsel im Hotel Seeterrassen in Laboe: Die Schwestern Claudia Kürtz und Christine Gerdts haben je ein Drittel der Anteile des Hotels Seeterrassen übernommen und werden gemeinsam mit ihrem Vater Ernst-Wilhelm Gerdts die Geschicke des Unternehmens leiten.

Alev Doğan 25.02.2019

Die Welt retten wollen sie nicht, aber einen Anfang wagen: Jens Wiese und Peter Zimmermann haben für ihr Elektromobilitätskonzept einen Förderbescheid vom Bundesverkehrsministerium in Höhe von rund 250000 Euro bekommen. Damit wollen sie die Ladeinfrastruktur in der Probstei auf Vordermann bringen.

Alev Doğan 25.02.2019