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Plön Ascheberger Sportler ohne Platz und Heim
Lokales Plön Ascheberger Sportler ohne Platz und Heim
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17:00 18.06.2019
Von Dirk Schneider
Seit sieben Jahren sollen das Vereinsheim und das Sportplatzgelände saniert werden. Jetzt kündigt der TSV Germania Ascheberg dne Nutzungsvertrag mit der Gemeinde. Quelle: Dirk Schneider
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Ascheberg

Der TSV Germania Ascheberg zieht die Reißleine. Die außerordentliche Mitgliederversammlung beschloss am Montagabend mit 44 Ja-Stimmen und vier Enthaltungen, den Nutzungsvertrag für das Sportplatzgelände mit der Gemeinde zum Jahresende 2019 zu kündigen. Hintergrund sind Finanzierungsprobleme für die Sanierung des Vereinsheims.

Sanierungskosten sprengen Budget des TSV Germania Ascheberg

Zum Jahresbeginn habe man noch nicht einmal eine Reaktion auf die Ausschreibungen für die Gewerke Trockenbau, Heizung und Sanitär sowie Elektrik erhalten, erklärte der Vereinsvorsitzende Frank Pieters den langen Stillstand der Dinge. Nach zwei Zeitungsberichten habe sich allerdings etwas getan. Mittlerweile seien einige Angebote eingegangen. „Das Ergebnis hat uns alle erschreckt“, so Pieters. Denn statt der ursprünglich veranschlagten Summe von rund 300.000 Euro, liege man derzeit bei über 400.000 Euro. „Und da sind die Kosten für die Sanierung der Laufbahn und des Spielfelds noch gar nicht berücksichtigt“, so Pieters. Mehrkosten müsste laut aktueller Vertragslage allerdings der Verein tragen, was aus mehreren Gründen schwierig sei. Das Hauptproblem sei die mit zwölf Jahren verhältnismäßig kurze Laufzeit des Nutzungsvertrags. „Wir bekommen keinen Kredit. Eine Bank hat gleich abgewunken“, berichtete Pieters. „100.000 Euro ist ein Riesenloch, das wir nicht stopfen können.“

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Gemeinde Ascheberg will Verträge offenbar nicht ändern

Die Sparkasse habe hingegen ein Darlehen in Aussicht gestellt, wenn beispielsweise ein Erbbaurechtsvertrag das Ganze absichern würde. Zudem habe weder der Verein als Nutzer noch die Gemeinde als Pächter die Möglichkeit, Fördermittel für die Gebäude- und Sportplatzsanierung einzuwerben. Viele Zuschussgeber wie der Landessportverband würden eine Mindestlaufzeit von 25 Jahren fordern, um die Nachhaltigkeit ihrer Investitionen zu gewährleisten. Welche positiven Auswirkungen ein solches Konstrukt habe, zeige das gemeindeeigene Vereinsheim des ASV Dersau. Hier sei die Sanierung der Sanitärräume vom LSV und vom Kreis mit jeweils 25 Prozent gefördert worden, so Pieters. „Von solchen Zuwendungsbescheiden können wir nur träumen.“ Doch leider gebe es seitens der Gemeinde keine Signale, einer Änderung der vor eineinhalb Jahren geschlossenen Verträge zuzustimmen.

Diese sehen derzeit vor, dass der Eigentümer Cay-Lorenz Graf Brockdorff-Ahlefeldt die Sanierung des Sportheims mit 300.000 Euro vorfinanziert. Im Gegenzug erhöhte sich die Pacht für die Gemeinde von 10.000 Euro auf 15.000 Euro pro Jahr.

Die 300.000 Euro sei die deutlich aufgerundete Summe, die ihm damals für die schlüsselfertige Sanierung des Gebäudes genannt wurde, erläuterte Brockdorff-Ahlefeldt. Auf dieser Basis sei dann das Finanzierungskonzept entstanden, das zu Beginn der Verhandlungen wohl auch funktioniert hätte. „Aber dann stiegen die Preise.“ Er wundere sich auch, dass die Gemeinde keine längere Vertragsdauer anstrebe. Auch aus seiner Sicht sei ein Erbbaupachtvertrag für alle Beteiligten die beste Option, betonte Brockdorff-Ahlefeldt. Letztlich sei er sogar zu einem Verkauf des Geländes bereit. Ob diese Möglichkeit tatsächlich bestehe, müsse er allerdings noch intern klären.

Teilfertigstellung für TSV Germania Ascheberg keine Option

Eine im Vorstand diskutierte Alternative sprach Pieters an. „Wir machen mit den 300.000 Euro alles fertig, was energetisch und für den Erhalt des Sportbetriebs notwendig ist.“ So könnte das Geld reichen, um neben Fassaden- und Dachdämmung sowie dem Einbau neuer Fenster auch die Sanierung der Umkleiden mit Duschen und Toiletten abzuschließen. Clubraum, Küche, Büro und WC könnte dann in Angriff genommen werden, wenn wieder Geld da sei. „Ich weiß allerdings nicht, wann das sein sollte, da wir ohne diese Räume, weder die Betriebskosten noch einen Überschuss für einen Abtrag erwirtschaften können“, sprach sich Pieters gegen eine Teilfertigstellung aus, was die Mitglieder per Handzeichen bestätigten. In dieser schwierigen Situation sei die Kündigung die sinnvollste Entscheidung, ergänzte der stellvertretende Vorsitzende Roland Riedel. „So oder so müssen neue Verträge her.“

Szenen aus der Mitgliederversammlung des TSV Germania Ascheberg
Silke Rönnau 18.06.2019
Michael Felke 18.06.2019
Astrid Schmidt 18.06.2019