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Plön Premiere: Syrer trainiert die E-Jugend
Lokales Plön Premiere: Syrer trainiert die E-Jugend
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07:20 21.08.2019
Von Hans-Jürgen Schekahn
Die E-Jugend des TSV Lütjenburg steht hinter ihrem Trainer Almjad Alkoud. Quelle: Hans-Jürgen Schekahn
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Lütjenburg

Am 2. August 2015 kam Alkoud nach Deutschland. Das Datum erinnert er genau. In Syrien lebte der IT-Experte in der kleinen Stadt Darrya, einem Vorort von Damaskus. Sie geriet als eine der ersten Ortschaften in dem Bürgerkriegsland unter Feuer. Heute liege Darrya in Schutt und Asche. Kein Mensch lebe mehr dort, erzählt der 29-Jährige. Mit den Zwischenstationen Libanon und Türkei flüchtete Alkoud über die Balkanroute nach Deutschland. Die schlimmsten zwölf Stunden seiner Flucht verbrachte er an der Grenze zwischen Ungarn und Serbien. In den Wäldern verlor seine Gruppe ihren Weg. Das letzte Stück legte er mit dem Zug nach München zurück.

Kein Training verpasst

Seit März 2016 ist er dem TSV Lütjenburg verbunden. Damals lebte Alkoud noch in Behrensdorf. Der dortige Verein trat in einer Spielgemeinschaft zusammen mit Lütjenburg an. Heute stürmt er immer noch für die zweite Mannschaft des TSV. Und weil er kein Training verpasste und viel Zeit auf dem Sportplatz verbrachte, fragte ihn jemand, ob er nicht Trainer bei einer Jugendmannschaft werden möchte. Alkoud wollte.

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Er machte seine Trainerlizenz und verstärkt nun das Team in Lütjenburg, das sich um den Fußball-Nachwuchs kümmert. Betreuer und Trainer sind in allen Vereinen im Kreis Plön knapp und begehrt.

Die Acht- bis Zehnjährigen im Zaum zu halten, ist nicht ganz einfach. „Alle haben nicht zugehört“, seufzt er zwischendurch. Schließlich dribbeln die Kleinen mit dem Ball doch noch über den Platz. 

Alkoud will sportliche Werte vermitteln

Alkoud achtet auf das Mannschaftsspiel. Den Ball abgeben, das widerstrebt den meisten Nachwuchskickern. Deshalb fällt das Lob des Trainers bei gelungenen Pässen besonders groß aus. „Super Lasse“, sagt Alkoud zu einem vorbildlichen Doppelpass. Lasse spielte seinen besser stehenden Nebenmann an und verzichtete selbst auf den Torschuss. So etwas sieht der Trainer gern. Auch andere Tugenden will er seinen Spielern vermitteln. Keine unnötige Härte, fair spielen, nicht foulen und nicht schlagen.

Integrationsarbeit beim TSV Lütjenburg

Seit 2014 kümmert sich die Fußballsparte unter Obmann Reiner Scheff besonders um die Integration von Flüchtlingen. Sie standen auf einmal auf dem Sportplatz und wollten gerne mitspielen. Der TSV machte es möglich. Bis zu 40 Hobby-Kicker aus sechs Nationen spielten in Spitzenzeiten in dem eigens gegründeten Refugee-Team, das landesweit bekannt wurde. Fernsehteams reisten nach Lütjenburg. Profi-Spieler von Holstein Kiel kamen zu einem Training in die Stadt. Der Verein erhielt den Hans-Kohrt-Integrationspreis des Kreissportverbandes. 

Die Betreuer und Trainer kümmern sich nicht nur auf dem Fußballplatz um die Menschen. Sie helfen bei Behördengängen, leisten Fahrdienste, kümmern sich um Wohnungen. Besonders erfolgreich sind die Helfer vom TSV bei der Arbeitsvermittlung. Von den heute noch in Lütjenburg spielenden Fußballern aus den Reihen der Flüchtlinge haben alle auch durch die Unterstützung des Vereins eine Arbeit oder einen Ausbildungsplatz.

Beim TSV Lütjenburg ist man froh über den neuen Trainer. „Es kann gut mit Kindern umgehen“, lobt Liga-Obmann Rolf Scheff, der Alkoud viel Fußballverstand bescheinigt.

Schiedsrichter-Lehrgang absolviert

Den bewies der Syrer auch an anderer Stelle. Er absolvierte die Schiedsrichter-Prüfung. Unter 40 Teilnehmern beendete der Lütjenburger als viertbester den Lehrgang. Es ist jetzt seine zweite Saison als Mann in Schwarz auf dem Fußballplatz.

Arbeit als System-Administrator

Alkoud arbeitet als System-Administrator bei einer Technikfirma in Neumünster. IT-Technik hat er in seiner Heimat Syrien studiert. Er verdient sein eigenes Geld. Zahlt Steuern. Er hätte auch die Möglichkeit gehabt, in Süddeutschland eine Arbeitsstelle anzutreten. Das wollte er nicht. Er blieb wegen des TSV in Lütjenburg. Dort lebt er mit seiner Frau, seiner fünfjährigen Tochter und seinem anderthalb Jahre alten Sohn. „Der TSV Lütjenburg ist für mich ein sehr großes Stück von meinem Leben in Deutschland.“

Impressionen vom Fußballtraining mit Almjad Alkoud.

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