Umstrittene Tierversuche: Protestaktion gegen LPT-Labor Löhndorf
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Plön Protestaktion gegen Glyphosat-Tests
Lokales Plön Protestaktion gegen Glyphosat-Tests
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20:23 16.02.2020
Von Sven Tietgen
Tierschützer in Laborkitteln und Tiermasken stellten vor Gut Löhndorf Szenen nach, bei denen Glyphosat in Augen und auf Schleimhäute von Tieren geträufelt wird. Quelle: Sven Tietgen
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Wankendorf

Die Initiative „Mahnwache LPT Gut Löhndorf“, die seit Bekanntwerden grausamer Tierversuche im niedersächsischen LPT-Labor Mienenbüttel im vergangenen Herbst fast täglich Mahnwachen im Wankendorfer Ortsteil Löhndorf organisiert, rückte am Wochenende mit zahlreichen Requisiten an. Die Tierversuchsgegner verkleideten sich mit weißen Kitteln als Labormitarbeiter, die in Tiermasken steckende Mitstreiter Flüssigkeiten in Augen und auf Schleimhäuten spritzten und träufelten. Die drastischen Szenen sollen die Öffentlichkeit wachrütteln und auf Tierversuche mit dem umstrittenen Glyphosat hinweisen.

Vorwurf: Glyphosat in Augen geträufelt

Auslöser der Protestaktion waren neue Informationen von der Soko Tierschutz. Nach den Erkenntnissen des Vereins unternahm das Unternehmen LPT zahlreiche Tierversuchsstudien mit Glyphosat, Schwerpunkt der Tests war dabei das Labor auf Gut Löhndorf. Das Pflanzenschutzmittel wurde den dort gehaltenen Tieren, unter anderem Kaninchen, Mäusen und Ratten, in Augen und auf Schleimhäute geträufelt. Nach Veröffentlichungen in zahlreichen Medien im In- und Ausland räumte auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin die Glyphosattests ein und sprach von 24 Studien – unter anderem von „Prüfungen zur Haut- und Augenreizung.“

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Einige der LPT-Studien wurden von den Glyphosat-Herstellern der BfR zur Wiedergenehmigung des umstrittenen Pflanzenschutzmittels vorgelegt. Mahnwachen-Initiatorin Stephanie Keller sprach von einer neuen Dimension des Tierleids. „Es geht nicht mehr nur um die Tiere, die gequält werden. Jetzt geht es auch um die Natur und uns Menschen“, sagte sie mit Blick auf die Vorwürfe gegen LPT.

Nach dem Aus der LPT-Filiale in Mienenbüttel zog jetzt die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz der Stadt Hamburg nach. Mit sofortiger Wirkung wurde dem Tierversuchslabor im Stadtteil Neugraben die Tierhaltegenehmigung entzogen.

Zuverlässigkeit ist nicht mehr gegeben

Begründet wurde die Schließung wie zuvor in Niedersachsen damit, dass die tierschutzrechtliche Zuverlässigkeit des Betreibers nicht mehr gegeben sei. Nach wie vor ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen LPT wegen des Verdachts auf Tierquälerei und Betrug. Ex-Mitarbeiter hatten schwere Vorwürfe erhoben. Auf Nachfrage sprach das Unternehmen von einer Hetzkampagne. „Daher können wir an dieser Stelle nur darauf verweisen, dass wir alle gesetzlichen Vorschriften insbesondere im Zusammenhang mit dem Tierwohl einhalten“, teilte die LPT-Pressestelle mit. Fragen zu den Glyphosat-Studien beantwortete das Unternehmen nicht.

Demonstration in Kiel am 22. Februar

Die Tierschützer vor Ort fordern die sofortige Schließung des verbliebenen Wankendorfer LPT-Labors und rufen zur Demonstration gegen Tierversuche am Sonnabend, 22. Februar, in Kiel auf. Mehrere Tausend Teilnehmer erwarten die Organisatoren zur Kundgebung ab 14 Uhr auf dem Platz der Matrosen.

Neben dem Verein Ärzte gegen Tierversuche nimmt auch die Soko Tierschutz teil, die mit ihren Undercover-Recherchen und Bildern von gequälten Hunden und Affen die Vorgänge ins Rollen gebracht hat. „Wir fordern von der Regierung und den Behörden in Schleswig-Holstein die gleichen konsequenten Maßnahmen wie in Hamburg und Niedersachsen. Wer dort als Gefahr für Mensch und Tier gilt, darf nicht unbehelligt bleiben“, teilte Soko-Tierschutz-Sprecher Friedrich Mülln mit.

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