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Plön 100 Räder unterm Hammer
Lokales Plön 100 Räder unterm Hammer
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18:00 25.07.2019
Von Dirk Schneider
Marie, Hendrik und Luise haben sich gute und günstige Mountain-Bikes ersteigert, mit denen sie künftig über die Stoppelfelder zwischen Belau und Kalübbe radeln wollen. Quelle: Dirk Schneider
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Plön

100 Fahrräder, drei Tretroller, zwei Rollatoren, ein Kinderwagen sowie ein Surfbrett und jede Menge Kleinkram hatten sich in den vergangenen vier Jahre im Fundkeller der Stadt Plön angesammelt. Am Mittwochnachmittag wurden die mittlerweile herrenlosen Stücke versteigert.

40 Bieter haben sich in Plön eingefunden

Eine gute halbe Stunde vor dem eigentlichen Auktionsbeginn nutzen die meisten der 40 potentiellen Bieter die Gelegenheit, das bunte Angebot in Augenschein zunehmen. Unter den Interessen finden sich neben zwei augenscheinlich zusammenarbeitenden Händlergruppen auch fünf Jugendliche, die auf ein neues Zweirad spekulieren. Der zehnjährige Lennart aus Wittmoldt hat schnell ein mattschwarzes Mountainbike im Blick. Der wichtigste Aspekt: „Die Rahmengröße passt, mein altes Rad ist mir zu klein geworden“, erzählt der Schüler. Und auch sonst macht der Drahtesel einen guten Eindruck. Die Bremsen ziehen, Ritzel und Kette sind nicht allzu verrostet. „Etwas Öl, etwas Farbe und das Ganze müsste wieder laufen“, glaubt Lennart. Als Plan B stünde ein weißes Rad auf der Liste. Doch da dies schwer zugänglich eingeklemmt ist, kann er dessen Zustand schwer einschätzen. Als Höchstgebot setzt er sich eine Grenze von 40 Euro, die er für diesen Zweck gespart hat.

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Marie, Luise und Hendrik aus Belau suchen Zweiträder, mit denen sie Querfeldein und über Stoppelfelder brettern können. Die drei Geschwister haben in Absprache mit Vater Reimar Stücker ihre Favoriten ausgesucht und fiebern aufgeregt der Versteigerung entgegen.

Der Standesbeamte Mark Westerwelle fungiert als Auktionator

Diese eröffnet Auktionator Mark Westerwelle, eigentlich Standesbeamter der Stadt Plön, mit einigen kleineren Fundstücken zum Aufwärmen. Zwei Teelichter bringen das Startgebot von 50 Cent, ein stabiler No-Name-Rucksack erzielt zwei Euro, beim Markenprodukt von adidas entbrennt ein erster Bieterstreit. Für 8,50 wechselt die Rückentasche den Besitzer. Als ein Rollator aufgerufen und zum Ladenhüter zu drohen wird, meldet sich Michael Nentwig gerade noch rechtzeitig mit „zwei Euro“, bevor der Hammer fällt. „Das wird der Zweitrolli für meine Großmutter, damit diese auch im zweiten Stock ihrer Wohnung eine mobile Gehhilfe nutzen kann“, erklärt er seinen spontanen Einfall.
Für den zweiten Rollator, einen Plüschelefanten, ein Grundig-Autoradio oder eine Schatzi-Tasse finden sich keine Liebhaber, während Regenschirme, Alu-Roller und Surfbrett für unter zehn Euro verkauft werden. „Handys haben wir nicht im Angebot, weil wir die Löschung aller Daten garantieren müssten“, erklärt Westerwelle auf Nachfrage. Diese Serviceleistung, die man einkaufen müsste, sei teuerer als der zu erwartende Erlös, sodass man diese Geräte dem Recycling-Kreislauf zuführe.

Profi-Händler haben Details an den Rädern im Blick

Das größte Interesse löst dann die Fahrradversteigerung aus, wobei schnell klar wird, dass die Händler eine besondere Strategie verfolgen. Mit professionellem Blick schätzen sie den Wert der Räder auch auf Basis der verbauten Komponenten ab. So werden eigentlich gut wirkende Discounterräder durchgewunken, während bei manchen Rostbeulen mit sichtbaren Schäden die Gebote nach oben schnellen. Auf den zweiten Blick wird klar. Mal ist es ein besonderes Schaltwerk, nebst Hebeln, Ritzeln und Kurbelsatz, mal sind es die Laufräder mit hochwertiger Nabenschaltung hinten und Nabendynamo vorne, auf die es die Profis abgesehen haben. „Wir schlachten die Räder aus und verkaufen die guten Teile weiter“, sagt einer der Schrotthändler.

Bei allem Gewinnstreben zeigen die Profis ein Herz für Kinder. Als Lennart beginnt, für sein Wunschrad zu bieten, steigen die Händler bei 17 Euro aus und „überlassen“ dem freudestrahlenden Jungen den Zuschlag. Die zehnjährigen Zwillinge Marie und Luise sowie Hendrik sind ebenfalls erfolgreich, wobei Marie mit 25 Euro und Hendrick mit 30 Euro deutlich günstiger wegkommen als Luise, deren Rad mit 70 Euro zu Buche schlägt. Während der preistreibende Händler bei den meisten Zuschauern nur Kopfschütteln auslöste, erntete Luise am Ende jede Menge Applaus für ihre Hartnäckigkeit. Bei den Kindern war die Freude besonders groß als Vater Reimar verkündete, nicht nur bei der Instandsetzung der Bikes zu helfen, sondern auch deren Anschaffungskosten zu übernehmen.

Mutter ärgert sich über Knöllchen

Kurzfristig getrübt wurde die Freude der 17-jährigen Sarah, die sich ein Rad für sechs Euro ersteigert hatte. Als Mutter Silke, das noch fahrunfähige Gefährt im Kofferraum verladen wollte, stellte sie fest, dass sie ein Knöllchen wegen des Parkens auf dem Schulbusstreifen bekommen hatte. Angesichts der Tatsache, dass im Moment Ferien seien und es sich um eine städtische Veranstaltung handele, hätte sie sich etwas mehr Fingerspitzengefühl gewünscht. Andererseits sei das Rad auch für 16 Euro noch ein Schnäppchen, sagte sie und preiste sie das Verwarngeld einfach ein.
Ohne diese zusätzlichen Einnahmen erzielte die Auktion einen Erlös von 750 Euro für die Stadtkasse. 37 Räder „wanderten“ vorübergehend zurück ins Lager, um für einen gemeinnützigen Zweck gespendet oder verschrottet zu werden.

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