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Plön Marcussen-Orgel wird generalüberholt
Lokales Plön Marcussen-Orgel wird generalüberholt
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11:44 18.02.2020
Von Sven Tietgen
Mit der Stirnlampe leuchtet Kurt Quathamer den Raum mit dem beeindruckenden Wellenbrett aus. Quelle: Sven Tietgen
Wankendorf

Mit der Stirnlampe leuchtet Kurt Quathamer die hölzerne Konstruktion im Inneren der Kirchenorgel aus. In den Stunden zuvor hatte der Orgelbaumeister mit seinem Gesellen Hendrik Bech die drei Blasebälge aus der Orgel geholt und ihre Außenhaut erneuert. „Es gab keinen Winddruck mehr in den Blasebälgen, das Material ist rissig und mürbe geworden. Die Orgel hat fast nur noch gejault“, erzählt der 56-jährige Baumeister aus Bordesholm. Die neue Garnierung aus Gummituch und mit Zwickeln aus Schafleder ist aber nur der Anfang einer mehrwöchigen Generalüberholung.

Orgelbaumeister bevorzugt Naturmaterialien

In den 1960er- und 1970er-Jahren wurde die Orgel in der Wankendorfer Kirche zuletzt geöffnet. Ein Lübecker Unternehmen nahm damals einige Umbauten vor. Verwendet wurden dabei Kunststoffe, Metall und furniertes Holz. Diese Materialien würde heutzutage kein Orgelbauer mehr verwenden, erklärt Quathamer. So weit wie möglich nutzt er natürliche Materialien wie Massivholz, Kautschuk oder spezielle Ledersorten. Für die meterlangen Holzpfeifen, die der dänische Orgelbauer Marcussen im Herbst 1895 in sein Instrument einbaute, greift Kurt Quathamer auch zu Talkum.

Mit dem Gleit- und Schmiermittel macht der Handwerksmeister die Deckel der Basspfeifen wieder gängig. „Der Klang wird wieder offen und strahlend, so wird die Orgel wieder mehr Grundtöne produzieren“, erläutert der Bordesholmer, der bei einigen Arbeiten auch vom Boostedter Tischlermeister Andreas Gierke unterstützt wird.

Bei der Marcussen-Orgel bleibt kein Stein auf dem anderen. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Denn in der mechanischen Konstruktion werden zahlreiche eingewickelte Ziegelsteine als Ausgleichsgewichte genutzt. Jeder einzelne Ziegelquader wird von Staub befreit.

Die Wankendorfer Orgel wird erstmals seit Jahrzehnten von Grund auf überholt.

Alle 1000 Pfeifen werden ausgebaut und geputzt

Putzlappen kommen auch bei den rund 20 Registern mit zusammen 1000 Pfeifen zur Anwendung. Viel Staub hat sich in den vergangenen Jahrzehnten dort abgelagert, fürs Putzen muss jede einzelne Pfeife ausgebaut werden. Quathamer stellt die Holz- und Metallpfeifen außerdem klanglich wieder ein. Auch die Windmaschine muss gereinigt werden. „Wir sorgen so wieder für frischen Wind in der Orgel“, erklärt der Baumeister mit einem Augenzwinkern.

Weiter müssen klemmende Registerzüge beweglich gemacht und die Tasten teilweise erneuert werden. Die Kirchengemeinde wird zudem eine neue und vor allem höhenverstellbare Orgelbank spendieren.

Mit rund 20.000 Euro Kosten rechnet Pastor Ralf Jenett. Zuschüsse gibt es nicht. „Wir haben aber im Laufe der Jahre Spenden für das Projekt gesammelt“, erklärt der Pastor. Die Kirchengemeinde peilt Sonntag, 22. März, um 10 Uhr als Festgottesdienst an. An dem Tag soll die Marcussen-Orgel erstmals nach der Renovierung wieder erklingen. In die Manuale wird dann die Kirchenmusikerin und Musiklehrerin Dorothea Dreessen greifen.

Auf den Klang dürfen die Zuhörer gespannt sein – schließlich gab es schon bei der Einweihung vor fast 125 Jahren reichlich Lobeshymnen. Laut Chronik der Wankendorfer Kirchengemeinde, die im vergangenen Jahr zum 125-jährigen Kirchbaujubiläum erschien, sprach der Flensburger Musikdirektor Heinebruch von einer „Fülle schöner Klangkombinationen, wie sie sonst keine Orgel in Schleswig-Holstein in so kleinem Rahmen bietet“.

Firma mit langer Geschichte

Die dänische Firma Marcussen wurde 1806 von Jürgen Marcussen gegründet. Er lebte von 1781 bis 1860. In Jütland baute er seine erste Orgel. 1811 erhielt er die Erlaubnis vom dänischen König Friedrich VI., in den Herzogtümern Schleswig und Holstein Orgeln zu bauen. Die Lizenz verhalf ihm zu vielen Aufträgen. 1819 baute er seine erste größere Orgel für die Kirche in Sieseby in der Nähe von Schleswig. Der Beruf des Orgelbauers gehört zu den zwölf Gewerken, für die kürzlich die Meisterpflicht wieder eingeführt wurde. Vor 15 Jahren war in mehr als 50 Berufen die Meisterpflicht weggefallen. Das führte laut Kritikern zu weniger Auszubildenden, weniger Fachkräften, weniger Qualität.

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