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Plön Ostern vs. Weihnachten – was ist besser?
Lokales Plön Ostern vs. Weihnachten – was ist besser?
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10:21 20.04.2019
Von Sibylle Haberstumpf
Ostern oder Weihnachten: Welches Fest ist besser? Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa, Arno Burgi/dpa
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Plön

Mann am Kreuz oder Kleinkind in der Krippe

Ostern ist hart, knüppelhart, härter als jedes hart gekochte Ei. Jedenfalls aus Bibel-Sicht. Jesus' qualvoller Tod am Kreuz – dem römischen Autor Cicero zufolge immerhin die "grausamste, entsetzlichste" aller Hinrichtungsarten – und seine wundersame Auferstehung von den Toten in der Osternacht: An dieser krassen Action haben zartere Seelen echt zu knabbern. Dagegen ist Weihnachten, Jesus' Geburtsfest, wie weicher Zuckerguss für die Seele. Von dem lieblichen Jesuskind sind keinerlei neugeborenentypischen Eskapaden bekannt – es schreit nicht, macht nicht in die Windel und schläft durch (ist zumindest nicht anders überliefert). Es hat auch noch energiesparend sein eigenes Licht in Form eines Heiligenscheins dabei und fühlt sich wohl in der bescheidenen Holzkrippe mit kostengünstigem Stroh. Alles in allem leichter zu vermitteln als die fiese Kreuzigungsstory. Der Punkt geht an Weihnachten.

Karg gefülltes Körbchen oder Geschenkeberge unterm Weihnachtsbaum

Woran denkt Otto Normalkonsument in Deutschland bei beiden Festen in erster Linie? An die Geschenke. Hier hat sich Ostern in den vergangenen Jahren gewandelt, die Einzelhandelsverbände sprechen jedenfalls von steigenden Umsätzen in vielen Branchen. Zum Beispiel würden Jahr für Jahr mehr Spielsachen gekauft – Mutters klassisches Bastel-Nest mit selbst gefärbten Eiern, einer Ladung grüner Holzwolle und einem gelben Deko-Küken ist da meist nicht mehr genug. 50 Euro oder mehr soll jeder dritte Deutsche mittlerweile für Ostergeschenke ausgeben, heißt es in einer aktuellen Umfrage. Um es aber kurzzumachen: Neue Smartphones, teure Spielekonsolen und Brillantringe werden eher zu Weihnachten verschenkt. 472 Euro hatten die Deutschen dafür im Jahr 2018 im Schnitt eingeplant. Klarer Punkt für Weihnachten.

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Flauschiger Hase oder Oldie mit Rauschebart

Wie steht es um den Niedlichkeitsfaktor von Ostern und Weihnachten? Hier hat der Osterhase sein Schnäuzchen vorn. Wer könnte schon so herzlos sein, ein flauschiges Häschen nicht putzig zu finden? Millionen verkaufter Kaninchen in deutschen Kinderzimmern können davon ein Lied mümmeln. Allerdings darf man den Weihnachtsmann nicht völlig abschreiben. Er hat immerhin eine zahlenmäßig nicht näher definierte Schar an Rentieren dabei, die seinen Schlitten ziehen – die sind auch süß. Trotzdem macht der alte Mann mit seinem großflächig weißbehaarten Gesicht und der tiefen Stimmlage auch immer wieder Kindern Angst. Ganz zu schweigen von der berüchtigten Rute, die er zur Züchtigung immer mit dabei haben soll. Ein Punkt also für das Osterfest.

Viertagewoche oder "stiller Tag"

Auf die Feste muss man auch einmal aus nüchterner Arbeitnehmersicht blicken. Ostern verspricht für die meisten zwei Tage Arbeitsruhe, nämlich Karfreitag und Ostermontag (Ostersonntag ist zwar ein Feiertag, fällt aber sowieso immer auf einen arbeitsfreien Sonntag). Weihnachten hat den 1. und den 2. Weihnachtstag als gesetzliche Feiertage zu bieten. Hinzu kommt aber mit Heiligabend am 24. Dezember ein sogenannter "stiller Tag", an dem ab Nachmittag nicht mehr gearbeitet wird. Macht zweieinhalb freie Tage. Punkt also für Weihnachten? Jein. Da nämlich Karfreitag und Ostermontag immer Feiertage sind, verheißt auch das für Arbeitnehmer einige Freuden – nämlich gleich zwei Viertagewochen hintereinander. Für unseren Vergleich heißt das: Beide Feste punkten.

Anspannung oder Entspannung

Die allgemeine Weihnachtshektik führt laut einer Erhebung der Göttinger Georg-August-Universität dazu, dass Menschen sich häufig niedergeschlagen, gehetzt, angespannt oder einsam fühlen und generell weniger zufrieden mit ihrem Leben sind. Für Familien heißt das: Packe all diejenigen, die sich auch sonst immer nur streiten, zur Versöhnung zweieinhalb Tage pro Jahr an denselben Wohnzimmertisch – und erlebe ein Desaster. Wie entspannt ist dagegen das Osterfest: Das freundlichere Wetter und die Helligkeit stimmen versöhnlich. Kinder können im Grünen mit Oma und Opa nach Ostereiern suchen und naschen. Der Punkt geht jedenfalls an Ostern.

Eier im Becher oder Eier im Plätzchenteig

Glaubt man den aktuellen Angaben der Marktinfo Geflügel und Eier (MEG), steigt der allgemeine Eier-Appetit der Deutschen seit Jahren. 2018 aß demnach jeder im Schnitt 231 Eier, 2012 etwa waren es noch elf Eier weniger. Rein statistisch isst jeder Deutsche laut der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle der Agrarwirtschaft acht bis neun Eier pro Monat, im Ostermonat steigt der Pro-Kopf-Verbrauch etwa um zwei bis drei Stück. Und trotzdem kann Ostern hier nicht punkten. Denn laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung nehmen die Bundesbürger mittlerweile ein Drittel ihrer Eier über verarbeitete Lebensmittel zu sich. Das sind vor allem Fertigbackwaren, Frischeinudeln, Eiscreme, Soßen, Dips – und auch das vorweihnachtliche Backen lässt den Eier-Verbrauch demnach noch einmal ansteigen. Soll heißen: So viele Eier wie in Adventsplätzchen oder Christstollen verbacken werden, kann niemand in der Osterzeit auslöffeln. Der Eier-Punkt geht, auch wenn's schwerfällt, an Weihnachten.

Und der Gewinner ist...

Es kann nur einen Sieger geben – und der heißt: Weihnachten.

Mit vier zu drei Punkten gewinnt das umgangssprachliche Fest der Liebe knapp gegen Ostern, das aber trotz unserer nicht repräsentativen Auflistung weiterhin als höchstes Fest des Kirchenjahres gelten darf. Und außerdem: Das beste Fest ist ja sowieso immer das, das gerade bevorsteht. In diesem Sinne wünscht die Ostholsteiner Zeitung: Frohe Ostern!

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