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Plön Stände werden bei Mondschein aufgebaut
Lokales Plön Stände werden bei Mondschein aufgebaut
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10:00 27.07.2019
Von Silke Rönnau
Silvia und Stephan Michalke räumen Fleisch und Wurst ein. Quelle: Silke Rönnau
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Preetz

Silvia und Stephan Michalke kommen aus Schönberg, wo sie in ihrer Firma den Fleischerei-Verkaufswagen voll beladen haben. Nun muss alles in die Auslagen an der Theke geräumt und an die Haken an der Wand gehängt werden. „Jeder hat seinen Bereich: Mein Mann macht das Fleisch, ich die Wurst“, sagt sie. 

Alle paar Meter gibt es einen Stromkasten

Doch zunächst muss er den Stromanschluss legen. Das sei in Preetz gut geregelt: „Hier gibt es alle paar Meter einen Stromkasten, woanders muss man 50 Meter Kabel legen“, berichtet Michalke. 

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„Gleich gönnen wir uns einen Kaffee und machen Musik an“, sagt Silvia Michalke. Doch schnell greifen sie zu den bereits am Abend vorgepackten Kisten. Die Zeit drängt. „Um 6.30 Uhr machen wir auf, dann kommen schon die ersten Kunden“, erzählt Silvia Michalke.

"Preetz ist unser schönster Markt"

Rund 400 Kunden haben sie am Mittwoch- und Sonnabendvormittag. „Das ist unser schönster Markt“, schwärmt sie. Seit 22, 23 Jahren – so ganz genau wissen sie es nicht – sind sie nur auf Wochenmärkten unterwegs. 

In Preetz sei der Andrang wohl auch deshalb so groß, weil es hier rundherum kostenlose Parkplätze gebe, vermutet er, während er den Schinken an den Haken packt. Und natürlich sei der Markt viel persönlicher als der Supermarkt. Inzwischen kämen auch viele jüngere Kunden, die hochwertiges Fleisch von Landwirten aus der Umgebung kaufen wollten. Silvia Michalke wirft einen kurzen Blick aus der geöffneten Tür. „Ach, da kommt der Gemüsehändler“, kündigt sie an.

Am Vorabend noch zum Großmarkt nach Hamburg

Auch Ursula und Jens Zimmermann aus Kiel rücken früh an, weil sie so viele Artikel haben, die alle am großen Stand verteilt werden müssen. „Um 3 Uhr fangen wir an zu arbeiten“, erklärt sie. Abends um 23 Uhr ist er noch zum Großmarkt nach Hamburg gefahren, um Weichfrüchte wie Erdbeeren, Himbeeren und Kirschen ganz frisch zu besorgen.

Dreimal pro Woche bieten sie ihre Waren auf Märkten an. „Wir würden lieber später anfangen und dafür länger machen“, meint Ursula Zimmermann. „Es ist nicht mehr zeitgemäß, dass wir um 13 Uhr nach Hause müssen – wir müssen in zwei Stunden so viel Geld verdienen wie die Supermärkte den ganzen Tag.“ Dabei gehe es erst gegen 10 Uhr so richtig los.

Schon mit drei Jahren Eier verkauft

Sie hat schon im Alter von drei Jahren auf dem Wochenmarkt gestanden und ihre Eltern unterstützt. 57 Jahre ist das her. „Dort habe ich Eier verkauft – direkt aus dem Hühnerstall für 20 Pfennig das Stück.“ Dabei habe sie viel fürs Leben gelernt. Jeder Tag sei anders, meint die 60-Jährige. Sie und ihr gleichaltriger Mann haben keinen Nachfolger für den Familienbetrieb, keines der drei Kinder möchte ihn übernehmen.

Nun klappen sie die Seitenteile des Fahrzeugs hoch und die Tischplatten aus. Danach muss Kiste für Kiste aus dem anderen Transporter geholt und auf die Platten gestellt werden. „Acht Paletten mit Ware müssen noch vom Wagen“, erklärt sie. Der aufwendige Aufbau sei das Schlimmste: „Die Schirme, die Böcke, die Platten – bis das alles steht...“

Gehäkelte Beutel statt Plastik

 Ärgerlich sei manchmal auch die Gedankenlosigkeit mancher Käufer, wenn sie schon verschiedene Obst- und Gemüsesorten abgewogen und in Tüten gefüllt habe und den Kunden dann einfalle, dass sie doch Stoffbeutel dabei haben. „Dann muss ich alles wieder umpacken.“ Dabei unterstütze sie den plastikfreien Einkauf. In den 70er-Jahren hätten alle ihren eigenen Netze dabei gehabt, erinnert sie sich und zieht ein paar gehäkelte Beutel heraus. Ansonsten seien die Kunden sehr nett, betont er. 

Nach Feierabend müssen sie die leeren Kisten wieder einräumen, alles zusammenklappen und verstauen und den Platz nach dem langen Markttag wieder besenrein hinterlassen, erzählt Jens Zimmermann. „So gegen 14 Uhr fahren wir dann hier weg.“

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