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Plön Erinnerung an den Zerstörer "Lütjens"
Lokales Plön Erinnerung an den Zerstörer "Lütjens"
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15:12 09.06.2019
Von Hans-Jürgen Schekahn
Karl-Friedrich Hölken probiert noch einmal die Marinemütze von der "Lütjens" an. Quelle: Hans-Jürgen Schekahn
Wankendorf

Alle dienten nur auf der Brücke. Alle gehörten zur Erstbesatzung des Jahres 1969. Andere Seeleute dürfen in die „11er“-Gruppe nicht hinein. „11er“ ist ihre alte Dienstbezeichnung. Zum zwölften Mal kamen sie zusammen. Männer, die heute alle um die 70 Jahre alt sind. Dieses Mal bei Gastgeber Karl-Friedrich Hölken in Wankendorf.

Zeugen von Woodstock und dem Mondflug

Wolfgang Sosnowski erinnert sich noch gut an die ersten Monate auf der "Lütjens", die sie vor der Westküste Amerikas und in der Karibik verbrachten. Sie lernten den Umgang mit der Schiffstechnik und den Waffen. Nebenbei wurde die Besatzung von Bord aus Zeuge des Starts von Apollo 11, der ersten bemannten Rakete, die auf dem Mond aufsetzte. Und ein anderes Weltereignis begleiteten zumindest einige der deutschen Marinesoldaten. Ihre amerikanischen Gastgeber boten ihnen an zu einem kleinen Rockkonzert names Woodstock mitzufahren. „Die Funker von uns sind nach Woodstock gereist“, erinnert sich Sosnowski. Die hätten sich am besten mit der Musik ausgekannt. „Nach ihrer Rückkehr haben wir ein halbes Jahr lang nur Santana an Bord der Lütjens gehört.“

Auf ihrer Fahrt in Richtung Deutschland passierte die "Lütjens" die Stelle, wo das Schlachtschiff "Bismarck" im Zweiten Weltkrieg untergegangen war. Der Namensgeber der Lütjens war Kommandant des Schiffes.

"Bei jedem sind die Tränen geflossen"

Albrecht Kröhling diente ein Jahr auf dem Zerstörer, bevor seine Gesundheit nicht mehr mitspielte. Er hatte sich ausgerechnet in der Karibik eine Lungenkrankheit zugezogen. Auch wenn sein Dienst auf der "Lütjens" nur kurz war, blieb doch die Liebe zu dem Schiff. Eine traurige Stimmung sei es bei der Außerdienststellung in Wilhelmshaven gewesen.

Der erste Kommandant des Schiffes, Ansgar Bethge, habe das Schiff noch einmal besucht und sei dann von Bord gegangen. „Bei jedem sind Tränen geflossen.“ Kröhling genießt den Zusammenhalt der „11er“. Er könne sich nicht vorstellen, dass es so etwas bei anderen Besatzungen in dieser Form gibt. „Wir freuen uns auf das nächste Jahr.“ Die Gruppe will sich ab jetzt jedes Jahr einmal treffen. Man weiß in dem Alter ja nie, wie lange man noch lebt.

"Die schönsten Schiffe, die wir hatten"

Karl-Friedrich Hölken fuhr von 1969 bis 1975 auf der "Lütjens". Dann ging sein Kreuz kaputt. „Das waren die schönsten Schiffe, die wir hatten“, schwärmt er von der Zerstörerklasse. An Bord war er der „Schmading“, die seemännische Nr. 1. So durften ihn aber nur die Kommandanten nennen. Hölken kümmerte sich um das An- und Ablegen des Schiffes, achtete auf Sauberkeit an Bord, und sorgte für einen neuen Anstrich, wenn die Farbe blätterte.

Er erinnert sich an das erste Malheur, das der "Lütjens" beim ersten Einlaufen in die Kieler Förde passierte. Normalerweise bleibt die Crew in solchen Momenten auf der Brücke, aber es gab entgegen der Gewohnheit einen Wachwechsel. Die "Lütjens" kam in zu flaches Wasser. Es gab einen kleinen Schaden. Ausgerechnet beim ersten Mal in Kiel.

Konteradmiral a. D. als Ehrengast

Die Gruppe begrüßte in Wankendorf einen ganz besonderen Ehrengast. Aus Kiel reist Konteradmiral a. D. Dieter Ehrhardt an. Seine ehemaligen Marinesoldaten traten für den 92-Jährigen noch einmal kurz im Garten an. Ehrhardt überreichte jedem eine Gedenkplakette „50 Jahre Zerstörer Lütjens“. Der Marineoffizier war zwischen 1970 und 1972 Kommandant des Schiffes.

Das war die Lütjens

Eine Werft im US-Bundesstaat Maine baute den Zerstörer "Lütjens" und übergab ihn im März 1969 in Boston der damaligen Bundesmarine. Die Lütjens bildete zusammen mit ihren Schwesterschaffen "Mölders" und "Rommel" die größten Schiffe der Marine. Der Heimathafen war Kiel. Sie hatte 334 Mann Besatzung und war als erste deutsche Marineeinheit mit Lenkflugkörpern bewaffnet.

2003 wurde die "Lütjens" außer Dienst gestellt. Ihre letzte Fahrt trat sie 2012 zu einer Abwrackwerft in der Türkei an. Heute existiert nur noch die "Mölders", die im Deutschen Marinemuseum in Wilhelmshaven als schwimmendes Exponat zu sehen ist.

Namensgeber war Admiral Günther Lütjens (1889-1941), der Kommandant des Schlachtschiffes "Bismarck", das im Zweiten Weltkrieg versenkt wurde. Lütjens ging mit der Bismarck unter. Marinehistoriker geben ihm die Schuld an der Versenkung, da er mehrere unnötige Funksprüche auf See absetzte. Britische Kriegsschiffe konnten die „Bismarck“ daher anpeilen.

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