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Rendsburg Angehörige machen ihrem Ärger Luft
Lokales Rendsburg Angehörige machen ihrem Ärger Luft
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16:39 24.08.2019
Von Florian Sötje
Die Angehörigen Wolfgang Merz (links) und Hans-Peter Thams sowie Waltraud Wilks (Beraterin des Bewohnerbeirats, Zweite von links) sowie Dorita Frese, Vorsitzende des Bewohnerbeirats, stellten kritische Fragen an die DSW-Geschäftsführung. Quelle: Florian Sötje
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Kronshagen

Heimbewohner und Angehörige des Kronshagener Pflegeheims im Amalienweg waren vom Betreiber Deutsche Senioren Nord GmbH (DSW) Mitte August in einem Schreiben über die Erhöhung des Eigenanteils für einen Pflegeplatz informiert worden. Bis zu 600 Euro mehr im Monat soll ein solcher ab dem 1. Oktober kosten.

Der drastische Aufschlag beim Eigenanteil, die mangelnde Transparenz der Vorgänge sowie die Abläufe bei der Übernahme der Einrichtung vom DRK-Kreisverband Rendsburg-Eckernförde durch die DSW waren die Hauptkritikpunkte der Angehörigen bei einem Treffen, zu dem die DSW eingeladen hatte.

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Kritik: Keine Transparenz und im Vergleich mit anderen Heimen zu hohe Kosten

So sei die Zusammensetzung des Eigenanteils und die daraus resultierende Erhöhung nicht transparent, bemängelten die Angehörigen. Zudem seien Posten wie die tägliche Investitionspauschale von 25,41 Euro pro Pflegebedürftigem im Vergleich mit anderen Heimen viel zu hoch angesetzt. „Eine Kalkulation der Kosten können wir nachreichen“, sagte DSW-Geschäftsführer Holger Hübbers.

Angehörige glauben nicht, dass Betreiber vom Zustand des Hauses überrascht war

Von den nötigen Investitionen in das Pflegeheim nach der Übernahme sei die DSW überrascht worden, ergänzte er. „Der desolate Zustand des Hauses ist uns in der Form nicht im Kaufvertrag mitgeteilt worden“, sagte Hübbers. „Dass sie vom Zustand der Einrichtung überfahren wurden, kann ich nicht glauben“, entgegnete Angehöriger Wolfgang Merz. Ein Investor nehme eine Immobilie doch genau unter die Lupe, wenn er sie kaufe, sagte Merz. Dass durch diese satte Erhöhung Menschen in die Sozialhilfe rutschten, finde er am schlimmsten, sagte Merz.

Personalaufwand und ausbleibende Verhandlungen als Grund für Erhöhung um 37 Prozent

Die Erhöhung um knapp 37 Prozent beim Eigenanteil begründete Henning Tiedgen, Berater der DSW, mit ausbleibenden Pflegesatzverhandlungen. Das DRK habe zuletzt 2017 Verhandlungen mit den Kostenträgern der sozialen Pflegeversicherung geführt und die Beiträge angepasst. Davor und danach sei aber nicht verhandelt worden. Sonst wäre der Sprung kleiner ausgefallen, sagte Tiedgen.

Die DSW hatte die Preiserhöhung vor allem mit höheren Kosten beim Personalaufwand begründet. „Die Preise für Pflegekräfte schießen durch die Decke. Es gibt einfach keine Leute auf dem Markt“, sagte Tiedgen. Die höheren Beiträge gingen zu 90 Prozent ans Personal, sagte DSW-Geschäftsführer Holger Hübbers.

Neuer Tarifvertrag gilt wohl nicht für alle Pflegekräfte

Wie allerdings aus dem Umfeld des Hauses zu hören ist, habe die DSW zwar 15 neue Pflegekräfte eingestellt und mit einem neuen Haustarifvertrag und besserer Bezahlung ausgestattet, das gelte aber nicht für das Bestandspersonal. Einigen sei der neue Tarifvertrag zum 1. Oktober in Aussicht gestellt worden, anderen nicht. Bei den Bewohnern herrsche daher die Angst, dass gute Pflegekräfte dem Heim den Rücken kehren könnten.

Forderung der Angehörigen: Mit Erhöhung muss Pflege besser werden

„Wir werden den höheren Betrag bezahlen müssen. Das muss aber auch bedeuten, dass die Pflege besser wird“, sagte Hans-Peter Thams, dessen Schwiegermutter seit zehn Jahren im Kronshagener Pflegeheim wohnt. Die Erhöhung sei richtig, mit 600 Euro aber viel zu hoch, sagte Dorita Frese, Vorsitzende des Bewohnerbeirats.

Endgültige Erhöhung hängt von Verhandlungen mit Pflegekassen ab

Wie hoch der Eigenanteil für die Pflegebedürftigen im Kronshagener Amalienweg am Ende ist, hängt von den laufenden Verhandlungen der DSW mit den Pflegekassen ab. Diese prüfen das DSW-Angebot unter anderem auf die wirtschaftliche Angemessenheit.

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