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Rendsburg BUND rettet Kröten vor dem Verkehrstod
Lokales Rendsburg BUND rettet Kröten vor dem Verkehrstod
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07:16 09.04.2018
Von Frank Scheer
Am Krötenzaun in Bordesholm werden die Amphibien eingesammelt und in das Laichgebiet gebracht. Oft klammern sich die Männchen, so wie bei diesen Grasfröschen, auf den Rücken der Weibchen fest. Quelle: Frank Scheer
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Bordesholm

Kurz nach der Dämmerung am Sonnabend gegen 20.45 Uhr in der Alten Landstraße in Bordesholm. Maike Brzakala macht einen ihrer täglichen Amphibien-Kontrollgänge - es ist Laichzeit und der Fortpflanzungsdruck ist jetzt im April groß. „Das ist eine intensive Zeit für die Amphibien, die zieht es in die Feuchtgebiete am Klint auf der anderen Straßenseite“, so die BUND-Vorsitzende. So manche „selbstmörderischen Kröte“ rettete sie oder einer aus ihrem zehnköpfigen Helferteam auch in diesem Jahr auf der Straße vorm sicheren Verkehrstod – an den Grundstückszufahrten hat der Zaun natürlich Lücken.

Helfer haben Früh- und Spätschicht

Seit mehr als 20 Jahren gibt es in Bordesholm den Froschzaun. Ideengeber war Günter Lange. Der mittlerweile verstorbene Amphibienfreund ist dafür 2015 auch mit dem Ehrenamtspreis von der Gemeinde geehrt worden. Seit vier Jahren ist Maike Brzakala bei der jährlichen drei bis vierwöchigen Rettungsaktion von Ende März an mit dabei. Ein ehrenamtlich arbeitenden Helferteam unterstützt die BUND-Vorsitzende dabei. „Wir teilen uns in Früh- und Spätschicht auf. Früh morgens heißt das, zwischen 4 und 5 Uhr und abends so ab 21 Uhr“. Sie sei aber eher eine Frühaufsteherin.

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Bevölkerung steht hinter der Schutzaktion

Mit Stirnlampe und Warnweste ist Maike Brzakala unterwegs – zur eigenen Sicherheit, weil einige Autofahrer sich in der Alten Landstraße nicht an Tempo 30 halten. Und um die gut getarnten Amphibien im Laub besser orten zu können. „Klar, einige belächeln mich auch, wenn sie vorbeifahren. Das ist mir aber egal“. In der Bevölkerung stoße die jährliche Rettungsaktion auf Zustimmung. Anlieger und Spaziergänger helfen mit, sammeln die Amphibien auch selbst mal auf. In der Kirchhofsallee, die während der Laichzeit abends immer gesperrt wird, stellen Bewohner die Absperrbarke auf.

Oft sind "Doppeldecker" zu entdecken

Am Sonnabend ist bei 14 Grad nicht viel los, obwohl Temperaturen ab acht Grad die Amphibien aktiv werden lässt. „Das war heute und gestern zu trocken. Am letzten Mittwoch, als es nass gewesen war, haben wir 300 Amphibien eingesammelt.“ Alle zehn Meter ist Bücken angesagt: Die im Boden eingelassenen Eimer müssen kontrolliert werden. Dann raschelt es im Laub. Mit der Stirnlampe leuchtet Brzakala ins Dunkele an einer Grundstücksmauer. „Ein Doppeldecker“, sagt sie. Dabei handelte es sich um ein Grasfroschmännchen, das sich auf einem Weibchen festgeklammert hat. „Die Männchen machen das, um den besten Zeitpunkt nach dem Laichen nicht zu verpassen.“ Das Duo kommt in den Eimer. Insgesamt ein Dutzend Amphibien kamen am Sonnabendabend zusammen.

Hier sehen Sie Bilder von der Krötenwanderung am Amphibienschutzzaun in Bordesholm