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Rendsburg Vegan im Trend
Lokales Rendsburg Vegan im Trend
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19:10 06.02.2015
Von Jan Torben Budde
Spaghetti Bolognese geht auch ohne Fleisch: Britta Wasem aus Stohl und ihre Tochter Celina ernähren sich beide vegan. Quelle: Jan Torben Budde
Gettorf/Schwedeneck

Britta Wasem schneidet Zwiebeln. Ihre Tochter Celina schnibbelt Zucchini mit einer Küchenmaschine in Streifen – denn das Gemüse ersetzt die Nudeln. Es gibt vegane Spaghetti Bolognese, verfeinert mit gehackten Tomaten und Knoblauch. Beide verzichten konsequent auf tierische Bestandteile, worüber das Umfeld mitunter die Nase rümpfe. Spaßbremsen? Nein, ihnen schmeckt’s eben. Wie einfach veganes Kochen ist, zeigt Britta Wasem am Mittwoch, 11. Februar, 17 Uhr, in der Volkshochschule Gettorf. Im Kursus Tierisch lecker ohne Tier sind noch Plätze frei. „Gern sind Fleischesser dabei, die sich informieren“, erzählt die 48-Jährige.

 Gregor Koch ernährt sich seit drei Monaten vegan. „Ein Bekannter hat mir ein Buch geschenkt“, erzählt der Schwedenecker, der Rezepte daraus kochte. Der Geschmack überzeugte ihn. „Weniger Fett, mehr Gemüse“ laute jetzt seine Devise. Der 47-Jährige will aber niemanden bekehren. Er arbeitet als Koch im Strandhaus in Dänisch Nienhof, wo er auch Fleischgerichte zubereitet – und mitunter Soßen abschmecken muss. Vegane Kost bedeute nicht langweilige „Gemüse-Matsche“. „Die Nachfrage nach fleischlosen Gerichten steigt“, sagt Chefin Luisa Baumgardt. Einmal sei im Strandhaus eine 70-köpfige Gesellschaft mit gleich elf Veganern zu Gast gewesen. Deshalb stehen Gerichte wie Kürbissuppe mit Kokosnuss- statt Kuhmilch auf der Speisekarte. „Seitdem ich auf Fleisch verzichte, ist mein Geschmackssinn besser“, sagt die Vegetarierin.

 Große Nachfrage nach veganer Kost? Davon könne im Hotel Stadt Hamburg in Gettorf keine Rede sein, berichtet Koch Malte Kock. Ist mal ein Veganer unter den Gästen, bereite die Küche eine Gemüseplatte zu. „Wir besorgen auch Sojamilch“, sagt Chefin Annemarie Brügmann. Eigens eine Karte für Veganer gibt es nicht, dafür Gerichte für Vegetarier – darunter Kartoffel-Spinat-Auflauf. Unterdessen wächst hierzulande der Markt für fleischlose Produkte. Allein der Umsatz mit Halbfertiggerichten stieg nach Angaben des Vegetarierbundes Deutschland innerhalb eines Jahres um 36 Prozent auf rund 50 Millionen Euro. Entsprechend reagieren die Supermärkte auch in Gettorf. „Es gibt Anfragen von Kunden“, erzählt Edeka-Marktleiterin Luba Stergel. In den Regalen stehen daher seit etwa einem Jahr vegane Produkte. Im Sortiment gibt es Sojamehl und Grünkernbratlinge ebenso wie Hack ohne tierische Bestandteile. Vegane Produkte finden die Kunden auch im Sky-Markt, wo Einzelhandelskauffrau Birgit Naeve beispielsweise Tofu-Geschnetzeltes anbietet.

 Birgt vegane Ernährung auch Gefahren? Grundsätzlich stehe einer vollwertigen Ernährung nichts im Wege, sagt Professor Manfred James Müller von der Uni Kiel. Der Körper erleide keine Defizite. Gleichwohl sollten sich Kinder, Schwangere, stillende Frauen, kranke und ältere Menschen vor einer Umstellung auf vegane Kost an einen Arzt oder Ernährungsberater wenden. Wie beim Essen lässt sich auch bei der Kleidung auf tierische Bestandteile verzichten. Für vegane Mode kommen Baumwolle, Leinen, Hanf und synthetische Stoffe infrage – Pelz, Wolle und Seide sind tabu.