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Rendsburg Ausbildung unterstützt die Integration
Lokales Rendsburg Ausbildung unterstützt die Integration
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18:02 16.01.2013
Von Torsten Müller
Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (links) übergab den Förderbescheid in Höhe von 109000 Euro an Cebel Kücükkaraca von der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein. Quelle: TM
Melsdorf

Zwei Probleme, eine Lösung: Jeder dritte Mensch mit Migrationshintergrund erlangt keine Ausbildungsreife. Zudem wird es 2020 demographiebedingt im Land etwa 70000 Erwerbstätige weniger als heute geben. Gemeinsam wollen die Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein und das Kieler Wirtschaftsministerium gegensteuern: mit dem Projekt Ausbildung und Integration für Migranten (AIM). Es ist bereits ein Erfolgsprojekt. In den vergangenen 15 Jahre hat die Türkische Gemeinde 1949 Jugendliche in ihrem Bemühen unterstützt, einen Schulabschluss zu erlangen oder einen Ausbildungsplatz zu finden. „Die Vermittlungsquote liegt bei 53 Prozent“, sagte Landesvorsitzender Cebel Küçükkaraça. Bundesweit sei dieses Projekt einmalig.

 Grund genug für Wirtschaftsminister Reinhard Meyer den Förderbescheid in Höhe von 109000 Euro einmal persönlich zu übergeben. Als Ort wählten die beiden am Mittwoch das BWM Betonwerk Melsdorf im Gewerbegebiet Am Ihlberg. Es ist selbst sozusagen ein Erfolgsprojekt mit Migrationshintergrund. Salih Cete, noch in der Türkei geboren, hat die Firma 2008 übernommen und die Anzahl der Mitarbeiter seitdem in etwa verdreifacht. Rund 70 Mitarbeiter werden in Melsdorf beschäftigt, davon fünf Auszubildende: vier haben ausländische Wurzeln. Sie waren am Mittwoch zur Berufsschule.

 Bildung ist nach Ansicht von Cebel Küçükkaraça der beste Weg zur Integration. Doch die Hürden sind nicht nur eine andere Sprache, Religion und Kultur: Sie stehen oft schon in den Elternhäusern: „Viele wissen gar nicht, dass es nicht nur fünf bis sieben Berufe gibt, sondern etwa 350. Zudem ist die duale Ausbildung in der Türkei gar nicht bekannt“, erläuterte der Vorsitzende. Das AIM-Projekt, das derzeit über zwei Mitarbeiter in Lübeck und Elmshorn verfügt, unterstützt Jugendliche vielfältig: mit Informationen über Ausbildungsmöglichkeiten, mit Angeboten für Bewerbungsschulungen und auch mit praktischer Hilfe bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz.

 Auch Salih Cete steht häufiger in Kontakt mit der Türkischen Gemeinde. Jugendliche können in seiner Melsdorfer Firma ein Praktikum machen. Wenn sie sich bewähren, ist auch mehr drin. Respekt und Zutrauen hält er für wichtige Voraussetzungen.

 Cebel Küçükkaraça weiß, dass es bei Jugendlichen „große Euphorien für bestimmte Berufe“ gibt. Aber dieser sei möglicherweise für den Einzelnen gar nicht geeignet. Der promovierte Mathematiker räumt ein, dass es keine leichte Aufgabe sei, „junge Menschen zu motivieren“. Aus vielerlei Gründen kämen Migranten der Ausbildung oft nicht nach. Deshalb werden Gespräche mit den jungen Menschen geführt, in die mitunter auch die Eltern einbezogen werden.

 Das AIM-Projekt ist aber auch Anlaufstelle für die Ausbildungsstätten. Von Migranten geführte Betriebe, die bisher nicht befähigt zur Ausbildung seien, hilft das Projekt, bürokratische Hürden zu überwinden und das Ziel zu erreichen.

 Für den Wirtschaftsminister ist die duale Ausbildung „gelebte Integration und wirksames Mittel, den steigenden Fachkräftebedarf zu decken“. Darüber hinaus gebe eine erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildung jungen Menschen Selbstwertgefühl und öffne Türen zum Arbeitsmarkt. „Das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Integration in unsere Gesellschaft“, betonte Meyer.