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Rendsburg Warum fuhr der Laster über die Gleise?
Lokales Rendsburg Warum fuhr der Laster über die Gleise?
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19:07 09.05.2019
Von Hans-Jürgen Jensen
Bei dem Bahn-Unfall in Alt Duvenstedt wurden sieben Menschen schwer verletzt. Noch in der Nacht zu Donnerstag haben die Reparaturarbeiten an den Gleisen begonnen. Quelle: Hans-Jürgen Jensen
Alt Duvenstedt

Alt Duvenstedts Bürgermeister Peter Orda (SPD) hat nach dem Bahn-Unfall Strafantrag gegen Unbekannt gestellt. Er will wissen, wer den Transport genehmigt hat. Es habe an dieser Stelle schon einmal einen Unfall gegeben.

Der Bahnübergang sei wegen seiner steilen Zufahrten nicht geeignet für solche Schwertransporte, sagt Orda. Dieser dringenden Empfehlung der Gemeinde Alt Duvenstedt habe die Firma Tennet, zu deren nahe gelegenen Baustelle der in den Unfall verwickelte Transporter unterwegs war, im August 2018 zugestimmt. Vorangegangen war ein Unfall mit einem Holztransporter, der die Oberleitung an der Stelle beschädigt habe.

Hier sehen Sie Bilder vom Bahn-Unfall in Alt Duvenstedt bei Rendsburg und den Aufräumarbeiten

Orda fragt: „Wer entscheidet gegen die Expertise vor Ort?“ Das Fahrzeug mit niederländischem Kennzeichen hatte eine 70 Tonnen schwere Ramme geladen. Als eine mögliche Unfallursache gilt, dass der Tieflader wegen der steilen Rampen stecken geblieben ist. Der Schwerlaster hätte auch über die B77 zu der Baustelle fahren können, ohne die Bahnlinie überqueren zu müssen.

Personenzüge können Unfallstelle noch nicht passieren

Noch in der Nacht zu Donnerstag haben die Reparaturarbeiten begonnen. Am Mittag fuhren erste Güterzüge auf dem westlichen Gleis. Dieses war weniger stark beschädigt. Personenzüge können die Unglücksstelle derzeit nach Angaben der Bahn nicht passieren. Spätestens am kommenden Mittwochabend soll auch für sie die Strecke frei sein. Dann will die Bahn beide Gleise freigeben.

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Die ersten Güterzüge würden im Wechsel in beide Richtungen fahren, erklärte Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis. Es komme sicher zu Engpässen. Die Bahn gewährleiste so, dass der Güterverkehr in Richtung Skandinavien aufrecht erhalten bleibe. Die Ausweichroute liefe über Fähren in Rostock. Diese hätten aber keine freien Kapazitäten.

Austausch von 500 Schwellen hat begonnen

Arbeiter errichteten am Donnerstag einen Schutzzaun zum schwer beschädigten Nachbargleis, auf dem der verunglückte Zug rund 300 Meter nach dem Zusammenstoß zum Stehen kam. Die Barriere diene dem Schutz der der Gleisbauer, sagte Meyer-Lovis. Unterdessen begann der Austausch von rund 500 Schwellen.

Ein Reparaturzug stehe dafür nicht zur Verfügung. Diese Spezialfahrzeuge seien derzeit ausgebucht. Ein Bagger hebe die Schwellen ins Gleisbett, was länger dauere. Wenn das Gleis fertig repariert ist, beginnen die Arbeiten an der teilweise herunter gerissenen Oberleitung, erklärte Meyer-Lovis.

Intercity-Züge leitet die Bahn derzeit über Kiel und Eckernförde um. Auf dieser Nebenstrecke gebe es dafür genügend Kapazitäten, so der Bahnsprecher. Von Norden kommende Regionalzüge enden zurzeit in Owschlag, von Süden geht die Fahrt auf der Schiene nur bis Rendsburg. Dazwischen pendeln Busse.

Unfall in Alt Duvenstedt: Sieben Menschen schwer verletzt

Unterdessen sind die Unfallursache und der genaue Ablauf nach wie vor unklar. Der Lokführer, der Fahrer des Schwertransporters und mögliche Zeugen würden laut Polizei in den kommenden Tagen vernommen. Weiter sei das Gutachten eines Sachverständigen nötig. Es könne Wochen dauern, bis dieses vorliegt.

Bei dem Unglück war in den frühen Morgenstunden ein Regionalzug auf dem Weg nach Hamburg auf einen Tieflader geprallt. Das Fahrzeug befand sich zu dem Zeitpunkt auf einem Bahnübergang. Der Lkw-Fahrer rettete sich durch einen Sprung aus der Fahrerkabine. Der Lokführer wurde nach Angaben von Polizei und Bahn leicht verletzt.

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Sieben Menschen erlitten bei dem Bahn-Unfall in Alt Duvenstedt schwere Verletzungen, niemand schwebe in Lebensgefahr, teilte die Polizei gestern mit. Unter den schwer Verletzten ist den Angaben zufolge ein Zugbegleiter. Sechs Personen seien leicht verletzt worden. Damit korrigierte die Polizei ihre Angaben vom Mittwoch. Da war noch von zwei schwer und zehn leicht Verletzten die Rede.

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KN-online (Kieler Nachrichten) 09.05.2019