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Rendsburg Grüne Kreuze gegen die Agrarreform
Lokales Rendsburg Grüne Kreuze gegen die Agrarreform
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18:45 08.10.2019
Von Beate König
Landwirt Henrik Butenschön (47) aus Bargstedt ist sauer: Die Bedingungen des Agrarpakets sind für Bauern existenzgefährdend, findet er. Quelle: Beate König
Bargstedt

Landwirt Henrik Butenschön ist verärgert über die Einschränkungen, die die EU-Agrarreform für Landwirte bedeutet. Die "pauschale Reduzierung" von Düngemitteln um 20 Prozent und die Tierwohldiskussion seien ihm zu undifferenziert, sagt er.

Mit den drei grünen Kreuzen aus Holz auf seinem Feld beteiligt sich Butenschön an dem Protest von Landwirten gegen die Agrarreform. Der emotionsgeladenen Aktion der Bauern stehen Fakten gegenüber: Es geht um zu viel Nitrat im Trinkwasser. Das geschieht vor allem durch Düngen auf den Feldern mit Gülle - Hauptverursacher ist also die Landwirtschaft.

1991 wurden über die Düngemittelverordnung der EU Grenzwerte für Nitrat im Trinkwasser von 50 Milligramm pro Liter festgesetzt. „Deutschland hält sich nicht an die Richtlinie, die Grenzwerte werden immer wieder überschritten“, sagt Christian Rehmer, Leiter Agrarpolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND).

Landwirt Henrik Butenschön protestiert

Bei einer Düngereduktion durch die Vorgaben der Agrarreform sieht Bauer Butenschön voraus: „Der Backweizen wird beispielsweise verhungern und keine Backqualität mehr haben.“ Der Boden bringe den Landwirten dann nicht mehr die erforderlichen Erträge ein. In nordischen Ländern sei die Reduktion der Düngemittel bereits durchexerziert worden. „Die sind zu den alten Werten zurückgekehrt“, sagt der Landwirt.

Der Standpunkt seiner Frau Katja Butenschön: „Wir versauen doch nicht die Böden für unsere Nachkommen.“ Dem Bild, das Medien von Landwirten zeichnen würden, wollen die Butenschöns Transparenz entgegensetzen: „2020 machen wir wieder einen Tag des offenen Hofs.“

Aktion stummer Protest: drei grüne Kreuze auf den Feldern

Von der Aktion, drei grüne Kreuze als stummen Protest gegen die Agrarreform auf abgeerntete Äcker zu setzen, erfuhr Henrik Butenschön in den sozialen Netzwerken. „Mein Vater Hans-Hinrich Butenschön hat die Kreuze gebaut und gestrichen.“ Im Kreis Schleswig-Flensburg, in Lütjenwestedt und in Großenaspe an der A7 stehen weitere Kreuze. Bundesweit sind es laut Angaben der Initiatoren der Aktion "Bauer Willi" (www.bauerwilli.com) 25.000 Standorte.

Willi Kremer-Schilling erfindet die drei grünen Kreuze

Willi Kremer-Schilling erfand die drei grünen Kreuze

Die „Drei-grüne-Kreuze“-Aktion wurde von Landwirt Willi Kremer-Schillings in Nordrhein-Westfalen Anfang September als Einzelinitiative gestartet. Der Landwirt setzte auf Feldern an Autobahnen und Landstraßen die Kreuze als stummen Protest gegen das am 4. September im Bundeskabinett beschlossene Agrarpaket für mehr Tierwohl und Umweltschutz, das vom Bundesumweltministerium und vom  Bundeslandwirtschaftministerium auf den Weg gebracht wurde. Unter anderem kritisiert Willi Kremer-Schillings die Pläne zur Tierwohlkennzeichnung, pauschale Düngemittelreduktion, das Verbot des umstrittenen Unkrautgifts Glyphosat ab 2023 und die Verringerung von landwirtschaftlichen Nutzflächen ohne Kompensation. Die neuen Auflagen, Gesetze und Verordnungen stellen aus seiner Sicht massive Einschränkungen für landwirtschaftliche Betriebe dar. Er befürchtet ein stilles Höfe-Sterben als Folge des Agrarpakets.

Unter dem Namen „Bauer Willi“ machte Willi Kremer-Schillings seine Protestaktion zunächst in sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook bekannt. Landwirte in Deutschland zogen nach und setzten auch auf ihren Feldern grüne Kreuze. Inzwischen ist aus der Einzelaktion die Graswurzler-Bewegung gewachsen, die über einen Internet-Blog und über Facebook kommuniziert. Laut Angaben der Graswurzler stehen inzwischen auf bundesweit 20.000 Äckern solche grünen Kreuze. Damit soll bundesweit jeder zehnte Landwirt an der Aktion teilnehmen. Die nächste Aktion ist angelaufen: Grüne Bänder an Autos, Treckern oder Handgelenken sind das neue Zeichen für Solidarität mit dem  Graswurzler-Protest.

Nitrat im Trinkwasser durch Düngen mit Gülle

Nitrathaltiger Dünger wird als eine der Ursachen für die Überschreitung der Nitrat-Werte gesehen. Christian Rehmer vom BUND sieht in der Politik und im Bauernverband die Verantwortlichen für die jetzige Situation. Der Verband habe Maßnahmen verhindert. „Die Düngemittelverordnung ist ein Beispiel für Politikversagen durch Nicht-Handeln“, sagt Rehmer. „Wenn man vor zehn Jahren seine Hausaufgaben gemacht hätte, würde es heute anders aussehen.“ Jetzt drohen Deutschland bis zu 860.000 Euro Strafzahlungen pro Tag wegen Nichteinhaltung der Richtlinie.

Ann Kristin Montano vom BUND-Landesverband unterstützt Henrik Butenschöns Engagement im Grundsatz: „Eigeninitiative von Landwirten sollte individuell bewertet werden. Wir setzen uns für kleinteilige Landwirtschaft ein.“ Aber gegen EU-Recht habe das Land jedoch keine Handhabe, sagt sie. „Wir wollen gemeinsam mit den Landwirten die Landwirtschaft transformieren.“

Schleswig-Holstein ist Vorreiter bei der Umsetzung der Düngemittelverordnung

Patrick Tiede, Pressesprecher des Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und Digitalisierung, erläutert die Crux: Im Vergleich der Bundesländer sei Schleswig-Holstein Vorreiter beim Erfüllen der Düngemittelverordnung. „Gleichzeitig haben wir die höchsten Nitratwerte im Boden.“

Patrick Tiede weiter: „Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht hat von Tag Eins seiner Amtszeit auf den gemeinsamen Dialog mit der Landwirtschaft, den Umweltverbänden und anderen gesellschaftlichen Akteuren gesetzt. In Schleswig-Holstein gehen wir damit einen Weg, der anders ist als in den Niederlanden, dem Ursprungsland der grünen Kreuze, oder auch in vielen Bundesländern.“

Belastungen durch die Agrarreform für Bauern

Dem Ministerium sei bewusst, dass die Belastungen für viele Betriebe bereits hoch sind, so Tiede. „Bei jedem weiteren Schritt müssen wir immer auch über die Unterstützung der Landwirte auf ihrem Weg reden.“ Die Gesellschaft dürfe nicht bloß Forderungen stellen. „Sie muss auch einen Weg aufzeigen, der für die landwirtschaftlichen Akteure erreichbar ist. Statt Kreuzen brauchen wir deshalb Dialog und konkrete Perspektiven.“ Daran arbeite das Ministerium intensiv, betont Tiede. Es setze sich auch auf Bundesebene für die entsprechenden Rahmenbedingungen ein.

Bauer Henrik Butenschön steckte nach eigenen Angaben Millionen Euro in die Modernisierung seines Betriebs in Bargstedt im Amtsgebiet Nortorfer Land, zu dem 50 Hektar Land gehören. „Alles freiwillig.“ Seine 250 Milchkühe haben einen Laufstall und freien Zugang zu den Weiden. Im Mastbullenstall hat jedes Tier doppelt soviel Platz als die gesetzlich vorgeschriebenen drei Quadratmeter. „Wir leben mit und für die Tiere.“

Henrik Butenschön hat an seinen Ackerrändern Blühstreifen gesät - schon Jahre bevor Wiesen und Lebensraum für Bienen und andere Insekten in den allgemeinen Fokus rückten. „Wir führen seit 1877 einen Familienbetrieb“, sagt der 47-Jährige. „Angesichts der Einschränkungen durch die Agrarreform ist es schwer, die Kinder weiter für das Agrar-Studium und die landwirtschaftliche Ausbildung zu motivieren.“

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