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Rendsburg Bizarrer Rosenkrieg landet vor Gericht
Lokales Rendsburg Bizarrer Rosenkrieg landet vor Gericht
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08:27 03.09.2013
Von Cornelia Müller
Quelle: dpa
Dänischenhagen

Ihr Anwalt will das nicht so stehen lassen. Er geht in Berufung, denn er fordert Freispruch. Für den Richter ist es erwiesen, dass die 55-Jährige ihrem neun Jahre älteren Mann am 27./28. August 2012 einmal eine ölige Substanz und einmal den Reiniger in seine Thermoskannen kippte, während dieser kurz aus dem Haus war. Der ging nach dem Genuss aus der zweiten Kanne zum Arzt, klagt über Durchfall und Kopfschmerzen. Eine Vergiftung stellte der Arzt nicht fest, lediglich die Symptome, die laut Verteidiger auch von Medikamenten hätten herrühren können. „Die aber“, sagte der als Nebenkläger auftretende Mann, „habe ich seit 2010 nicht mehr genommen, sondern nur im Haus aufbewahrt.“ Pikant ist der „Beziehungswahnsinn“ der in Scheidung lebenden Ex-Partner dadurch, dass er sie per Laptopkamera überwachte. In dem rumpeligen Zimmer mit Umzugskartons, das ihm kurz vor seinem Auszug als Schlafgemach diente, stand noch der Familienkleiderschrank. So betrat auch sie den Raum täglich. Sie habe von der Kamera dort gewusst, sagte sie aus. „Ich hätte mich ja nicht filmen lassen, wenn ich meinen Mann hätte vergiften wollen. Ich wollte die dreckige Kanne nur am Rand reinigen." Das bezweifelte der Richter. Ihr 18-jähriger Sohn sagte als Zeuge aus, er habe nach besagten Ereignissen den Laptopstecker nur wegen des Stromverbrauchs gezogen.

 Richter, Staatsanwalt und Anwälte schauten sich die Videos im Gerichtssaal an. Klare Sache: Am zweiten Tag stellt sie ein mitgebrachtes Putzmittel ab, griff zum Bildschirmreiniger auf dem Bord, roch daran, kippte ihn in die Kanne. Auch am Vortag hatte sie der Aufnahme zufolge an einer Kanne manipuliert. Dass diese Substanz, die dabei in den Kaffee floss, nicht lebensbedrohlich ist, ergab die Analyse der Kripo. Das muss ihr laut Gericht bekannt gewesen sein. „Bei dem Reiniger sind Sie aber ein unbekanntes Risiko eingegangen“, hielt ihr der Staatsanwalt vor. Er forderte wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung 4800 Euro Geldstrafe für die nicht vorbestrafte Frau. Der Nebenklagevertreter plädierte dagegen auf acht Monate Freiheitsstrafe zur Bewährung. „Ich glaube Ihnen kein Wort“, hielt er dem Mann vor. Die Eheleute beschuldigen sich seit anderthalb Jahren gegenseitig, einander nach dem Leben zu trachten, und streiten um die Haushälfte, die er ihr einst geschenkt hatte. Sie liegen auch zivilrechtlich im Clinch.com