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Rendsburg Dohlen stoppen Abriss der Elac-Häuser
Lokales Rendsburg Dohlen stoppen Abriss der Elac-Häuser
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21:01 04.04.2018
Von Torsten Müller
Die Elac-Häuser in Kronshagen können jetzt nicht abgerissen werden. Im Schornstein in der Kieler Straße 76a brüten geschützte Dohlen. Quelle: Torsten Müller
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Kronshagen

Über die Frage, ob der jetzt notwendige Abrissstopp vorhersehbar war, liegen Gemeinde und Kreis Rendsburg-Eckernförde im Clinch. Bürgermeister Ingo Sander (CDU) ging davon aus, dass ein Artenschutz-Gutachten bei einem Gebäude, das noch fast bis zum Ende des vergangenen Jahres bewohnt gewesen sei, nicht erforderlich war.

Die Untere Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises hatte der Gemeinde allerdings frühzeitig eine derartige Untersuchung empfohlen, denn nach dem Bundesnaturschutzgesetz darf ein Vorhaben nicht gegen artenschutzrechtliche Verbote verstoßen. Für die Prüfung ist eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Arten und Lebensräume erforderlich.

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Naturschutzbehörde kritisiert Gemeinde

„Von einem leerstehenden Gebäude ist vernünftigerweise anzunehmen, dass es sich um potenziellen Lebensraum besonders oder streng geschützter Arten handelt“, sagte Frank Hurrelmann, Leiter der UNB, auf Nachfrage. Folglich sei eine artenschutzrechtliche Untersuchung erforderlich, um Verbotstatbestände wie das Verletzen oder Töten oder das Zerstören von Nestern und Ruheplätzen auszuschließen.

Das Dohlen-Vorkommen war am Mittwoch vor Ostern auf Initiative des Planungsbüros festgestellt worden. Daraufhin wurde die UNB informiert. Renate Graetsch (UKW), Vorsitzende des Umweltausschusses in Kronshagen, forderte inzwischen eine umfassende Aufklärung von der Verwaltung.

Gemeinde will Artenschutz beachten

„Artenschutz ist verbindlich und zu beachten“, erklärte der Bürgermeister. Ob der Abrissstopp zur Verzögerung bei der Ortskernentwicklung und zu höheren Kosten führt, kann Sander, der sich noch im Urlaub befindet, zu diesem Zeitpunkt nicht sagen.

Die Freimachung des Areals nördlich der Kieler Straße ist erforderlich, um vorübergehend den Marktplatz aufzunehmen. Erst dann können die Ladenzeile und die Grünzone auf der südlichen Seite umgebaut werden.

Frank Scheer 04.04.2018
Hans-Jürgen Jensen 04.04.2018