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Rendsburg Zoff wegen Schaukel-Abbau
Lokales Rendsburg Zoff wegen Schaukel-Abbau
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10:00 03.08.2019
Von Frank Scheer
Auf dem Spielplatz in der Mittelstraße in Bordesholm ist die Schaukel, die als einziges Gerät noch stand, abgebaut und auf dem Gelände des kommunalen Kindergartens im Birkenweg wieder aufgestellt worden. Quelle: Frank Scheer
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Bordesholm

 „Das ist irgendwie nicht nachvollziehbar“, findet Christin Kipp. Ihrer Freundin Olga Weinberger spricht sogar von einem „Armutszeugnis“. Die beiden Mütter waren mit ihren Kindern am Freitag auf dem öffentlichen Spielplatz am Reesenberg. Der hat noch eine Doppelschaukel – die Fläche in der 500 Meter entfernt gelegenen Mittelstraße hat seit zehn Tagen keine mehr.

"Neuanschaffung aus finanziellen Gründen nicht möglich"

Per Flyer, den der Gemeindechef am 21. Juni persönlich in die Briefkästen der Anlieger in der Mittelstraße geworfen hatte, informierte er über den bevorstehenden Abbau. „Vom TBH wurde mir berichtet, dass auf dem Platz kaum mehr etwas los ist. Ich war auch mehrmals dort. Geschaukelt hatte nie jemand“, begründete Büssow. In der Kita werde die Schaukel dringender benötigt. Die alte sei kaputt.

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„Eine Neuanschaffung ist aus finanziellen Gründen momentan nicht möglich.“ Einige der Anlieger fühlten sich vor den Kopf gestoßen, als zwei Tage nach dem Verteilen des Flyers der TBH am 23. Juli tatsächlich vorfuhr. Man hätte davor mal mit den Betroffenen diskutieren soll, betonte Andre Rixen in einer „Bordesholm-Gruppe“ eines sozialen Netzwerks. Und tatsächlich: Eile war nicht geboten. Der Kindergarten macht seit 22. Juli Ferien – auf dem Gelände schaukelt in diesen Wochen auch niemand.

Meinungen in Bordesholm sind geteilt

Die Meinungen, ob der vor 50 Jahren gebaute und vor Jahren bereits um die Hälfte reduzierte Spielplatz noch notwendig sei, sind sehr unterschiedlich. Es gebe kaum kleine Kinder in der Straße, daher sei der Abbau nachvollziehbar, sagte ein Vater, dessen Kinder schon über 20 Jahre alt sind, bei einer Umfrage. Eine Frau widersprach ihm: Drei bis vier kleinere Kinder wohnten schon hier. Zudem würden junge Familien in die Straße ziehen. „Klar, es gibt deutlich weniger Kinder als früher. Aber der Aufwand, mit dem das Gerät hier ausgebuddelt und abtransportiert wurde, rechtfertigt nicht den Standortwechsel“, schüttelte der gegenüber des Spielplatzes wohnende Nachbar mit dem Kopf. Rund 2000 Euro koste so eine Schaukel neu.

Bürgermeister sucht Dialog mit Anliegern

Bürgermeister Ronald Büssow will zukünftig verstärkter auf den Einsatz der Ressourcen achten. „Die Politik brauche Kennzahlen für richtige Entscheidungen. Und dazu gehörten auch die Informationen, wie viele Kinder in einem Quartier lebten.“ Er stelle den Spielplatz nicht infrage, mit den Bewohnern wolle er demnächst diskutieren, wie der Platz sinnvoll gestaltet werden könne. Christin Kipp, die insgesamt die Ausstattung der Spielplatz im Ort lobte, prophezeit auf dem Reesenberg-Areal: „Die wollen garantiert eine Schaukel. Und wenn da dann eine neue hinkommt, wäre das peinlich.“

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