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Rendsburg Bürgermeisterin durch Aaltöter verletzt
Lokales Rendsburg Bürgermeisterin durch Aaltöter verletzt
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16:01 25.05.2018
Von Torsten Müller
So ein verbotener Aaltöter bohrte sich im flachen Wasser der Badestelle Wulfsfelde in den Fuß von Feldes Bürgermeisterin Petra Paulsen. Quelle: Torsten Müller
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Felde

„Ich habe noch versucht, das Teil selbst aus dem rechten Fuß herauszubekommen, aber das ging nicht“, sagt Petra Paulsen. Die Widerhaken erfüllten ihre Aufgabe und hielten fest. Paulsen konnte sich nicht mehr allein fortbewegen. „Die anderen haben mich wie einen Sack Mehl ins Auto gewuchtet und zum Arzt gefahren“, erinnert sie sich. Dr. Dieter Mühlhoff schnitt ihr die Klinge aus Edelstahl aus dem Fuß. Jetzt ist die Kommunalpolitikerin auf Krücken angewiesen.

Verletzung hätte übel enden können

„Das war kein Spaß“, betont Petra Paulsen. Ihr Fuß werde aber wieder heilen. Viel schlimmer sei für sie jedoch die Vorstellung, dass ein Kind durch das Teil hätte verletzt werden können. Selbst für einen erwachsenen Badegast, der dort frühmorgens allein ins Wasser gehe, hätte die Verletzung übel enden können, ist sie überzeugt.

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Doch was ist das für ein Gerät, und warum liegt es so gefährlich an der Badestelle? Auch die Kollegen der Polizeidienststelle in Achterwehr waren zunächst ratlos. Ein Fischspeer? Eine Harpune? Nachfragen bei Hobbyanglern ergaben: „Das ist kein normales Equipment.“ Gestern wurde die Polizeidirektion Neumünster konkreter. „Wir ermitteln wegen Verdacht auf Verstoß gegen das Landesfischereigesetz“, sagte Pressesprecher Sönke Hinrichs.

Aaltöter sah noch neu und blitzblank aus

Bei dem Teil handle es sich um eine Harpune, einen sogenannten Aaltöter. Es fehle aber der Griff. Der Einsatz so einer Harpune sei in der Fischerei nicht erlaubt. Derzeit gebe es jedoch keinen konkreten Hinweis, dass es dafür eingesetzt worden sei. Nach den Ermittlungen der Beamten könnten kürzlich erfolgte Erdbewegungen am Uferbereich das Teil in den Badebereich befördert haben. Allerdings kann der Aaltöter noch nicht lange im Wasser gelegen haben. Er sieht noch neu und blitzblank aus. „Wo er herstammt, wissen wir nicht“, sagte Hinrichs.

Fanggerät ist seit Mitte der 60er-Jahre verboten

„Wenn der Aaltöter länger im Wasser gelegen hätte, wären Algen zu sehen“, sagt Jürgen Jörs, ehemaliger Berufsfischer im Westensee, auf Nachfrage. Bis Mitte der 60er-Jahre hätten Taucher mit solchen Geräten Aale gestochen. Seitdem sei diese Praxis verboten. Fischwilderei gebe es aber überall.

Nach Angaben des Polizeisprechers ermitteln die Kollegen in Achterwehr derzeit nicht wegen des Verdachtes auf Körperverletzung. Die Bürgermeisterin habe in dieser Hinsicht keine Anzeige erstattet. Hinrichs empfiehlt, Badeschuhe zu tragen.

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