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Rendsburg Das wurde aus dem Bundeswehrkrankenhaus
Lokales Rendsburg Das wurde aus dem Bundeswehrkrankenhaus
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09:19 03.09.2019
Von Florian Sötje
Sorge um den Standort Kronshagen herrschte im Jahr 1995: Etwa 450 Mitarbeiter waren in drei Dienststellen auf dem Gelände des Bundeswehrkrankenhauses beschäftigt. Quelle: Torsten Müller
Kronshagen

In Kronshagen erinnert noch so manches an das ehemalige Bundeswehrkrankenhaus auf dem Gelände entlang der Kopperpahler Allee. Die Bushaltestelle unmittelbar vor der Liegenschaft heißt auch heute noch Bundeswehrkrankenhaus. Ein Straßenschild mit gleichem Namenszug steht an der Eckernförder Straße und weist Autofahrern den vermeintlichen Weg zum militärischen Hospital.

Kein Bundeswehrkrankenhaus in Kronshagen seit 22 Jahren

Doch die Tage des Bundeswehrkrankenhauses in Kronshagen sind seit 22 Jahren vorbei - trotz erheblicher Widerstände. Anfang der 1990er-Jahre war deutschlandweit die Zeit der allgemeinen Truppenreduzierung in der Bundeswehr. Sah es anfänglich so aus, als bliebe der Standort Kronshagen von dieser Entwicklung verschont, änderte sich die Lage zu Beginn des Jahres 1995. Der damalige Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) präsentierte seine Pläne für die Verkleinerung der Bundeswehr. Und dabei stand das Bundeswehrkrankenhaus in Kronshagen mit seinen 450 Mitarbeitern in Konkurrenz zum Bundeswehrkrankenhaus im Hamburger Stadtteil Wandsbek, in Rühes Wahlkreis.

Was wurde aus dem Bundeswehrkrankenhaus in Kronshagen?

Dr. Ulrich van Laak, seit 1983 am Standort Kronshagen tätig und ab 1997 Abteilungsleiter des Schifffahrtsmedizinischen Instituts, erinnert sich an die Zeit des Widerstands gegen die Schließung: "Bundestagsabgeordnete und Staatssekretäre gingen hier ein und aus, meinten, das Bundeswehrkrankenhaus bliebe erhalten", sagt van Laak. So besuchten die damalige Landtagspräsidentin Ute Erdsiek-Rave (SPD) und CDU-Oppositionsführer Ottfried Hennig gemeinsam das Bundeswehrkrankenhaus, um ein Zeichen gegen die drohende Entscheidung im Regierungssitz in Bonn zu setzen.

Widerstand gegen die Schließung in Kronshagen

Am 2. März 1995 titelten die Kieler Nachrichten: "Kronshagen kämpft für das Bundeswehrkrankenhaus". Die Gemeindevertreter beschlossen vor zahlreichen Zuhörern im voll besetzten Gemeindesaal ohne Gegenstimmen einen Appell an Verteidigungsminister Rühe, das Bundeswehrkrankenhaus zu erhalten. Der damalige Bürgermeister in Kronshagen, Wolf-Dietrich Wilhelms (CDU), und Bürgervorsteherin Sabina Strzylecki schrieben daraufhin einen mehrseitigen Brief an Volker Rühe.

"Als die Diskussion über die Schließung aufkam, waren wir natürlich zunächst fassungslos. Es war ja auch gerade erst ein neuer OP gebaut worden", erzählt Anke Fabian, seit 1983 als veterinärmedizinisch-technische Angestellte (VMTA) in Kronshagen tätig.

40.000 Unterschriften gegen die Schließung

In der Folge traf sich Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) mit Vertretern des Bundeswehrkrankenhauses, SPD-Bundestagsabgeordneter Norbert Gansel schaltete sich ein, 40.000 Unterschriften von Bürgern für den Erhalt in Kronshagen wurden gesammelt und am 7. April 1995 gingen 1000 Demonstranten für dieses Ziel auf die Straße. "Die ganzen Aufrufe und Unterschriften haben aber nichts genutzt", sagt Dr. Udo van Laak. "Das System lief, wie das System eben lief." Anke Fabian: "Die Politik hat ihren Weg eben in der Schublade gehabt."

Am 12. Mai fragten die Kieler Nachrichten noch einmal „Schlägt das Pendel noch für Kronshagen aus?“. Der CDU-Landeschef Ottfried Hennig warf dem Verteidigungsminister damals bei der Entscheidung für den Standort Hamburg und gegen Kronshagen „eine haushälterische Sünde“ vor. Der Standort Hamburg sei nach seiner damaligen Argumentation langfristig knapp 50 Millionen D-Mark teurer. Doch es blieb beim Aus für Kronshagen, das Anfang 1997 in mehreren Etappen vollzogen wurde.

Bundeswehr blieb in Kronshagen erhalten

"Mit der Schließung ist die klinische Schiene natürlich weggebrochen. Es gab keine Betten mehr, um die Patienten unterzubringen und somit auch keine Intensivmedizin", sagt van Laak. Doch auch nach dem großen Einschnitt 1997 blieb die Bundeswehr der Gemeinde erhalten.

Heute sind hier vier Dienststellen angesiedelt. Das Zentrale Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr ist eines von nur zweien seiner Art. Das andere liegt in München. "Es ist in erster Linie mit der Untersuchung und Bewertung von Lebensmitteln und Trinkwasser befasst", erklärt Dienststellenleiter Oberstveterinär Dr. Jörg Schulenburg. Dabei unterstützt das Institut insbesondere die Marine, die Bundeswehrkrankenhäuser und Facharztzentren sowie das Verpflegungsamt Oldenburg mit dem Schwerpunkt Einsatzverpflegung.

Das Areal in Kronshagen war 1936 ursprünglich als Marinelazarett geplant und gebaut worden. Während des Zweiten Weltkrieges ruhte die Fertigstellung des Gebäudes. Nach dem Krieg mietete die Gemeinde Kronshagen das Gebäude vom Bundesvermögensamt an, um dort Flüchtlinge und Betriebe unterzubringen. Ab 1956 wurde die zivile Nutzung des Geländes durch den militärischen Anspruch der Bundeswehr, die am 12. November 1955 gegründet wurde, aufgegeben. Zunächst zogen dort provisorisch verschiedene Bundeswehreinrichtungen ein. Es sollte nach diversen Bauabschnitten und Diskussionen bis zum April 1974 dauern, ehe der Krankenhausbetrieb mit stationärer Behandlung startete. Im Zuge der neuen Bundeswehrstruktur nach der deutschen Wiedervereinigung und den damit verbundenen Truppenreduzierungen, vor allem in Schleswig-Holstein, tauchte das Bundeswehrkrankenhaus erstmalig 1991 auf einer inoffiziellen Streichliste des Bundesverteidigungsministeriums auf.

Beim Schifffahrtsmedizinischen Institut der Marine steht die maritime Medizin inklusive der Tauch- und Überdruckmedizin im Fokus. "Neben speziellen Diagnosegeräten und Telemedizinanlagen verfügt das Institut über eine der leistungsstärksten Druckkammeranlagen Europas und bietet eine Notfallbereitschaft rund um die Uhr", erklärt Dienststellenleiter Flottenarzt Dr. Dirk Möllmann. Im Bereich Wissenschaft und Forschung arbeitet man hier mit dem Institut für Experimentelle Medizin an der Christian-Albrechts-Universität (CAU) in Kiel zusammen.

Die Überwachungsstelle für öffentlich-rechtliche Aufgaben des Sanitätsdienstes der Bundeswehr Nord kann als militärisches Pendant zum zivilen Gesundheits- und Veterinäramt gesehen werden. „Der Zuständigkeitsbereich erstreckt sich dabei über alle militärischen Liegenschaften und Einrichtungen in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Niedersachsen“, erläutert Dienststellenleiter Oberstarzt Dr. Michael Spiesberger.

Das Facharztzentrum als vierte Dienststelle könnte man als legitimen Nachfolger des Bundeswehrkrankenhauses bezeichnen, auch wenn es ohne stationäre Betten und OP auskommen muss. Hier sind fünf ambulante Fachuntersuchungsstellen, zum Beispiel Orthopädie, angesiedelt, die zum Sanitätsunterstützungszentrum in Kiel am Tirpitzhafen gehören.

Bundeswehr spielt weiter eine Rolle

Es gibt sie also noch, die Bundeswehr in Kronshagen - wenn auch nicht in einem Bundeswehrkrankenhaus. Und während vor mehr als 20 Jahren viele Politiker das Gelände betraten, um für den Erhalt zu werben, hält sich der politische Besuch heutzutage in Grenzen. Mitte August verschaffte sich Bundestagsabgeordneter Mathias Stein (SPD) einen Einblick in die Aufgaben der einzelnen Dienststellen. "Diese eher unbekannte Seite der Bundeswehr verdeutlicht, weshalb der Zentrale Sanitätsdienst einen bedeutenden Stellenwert in aktuellen Auslandseinsätzen eingenommen hat", sagte Stein. Eine Rolle, die wohl auch vielen Kronshagenern bis heute unbekannt ist - bleibt es für sie doch nach wie vor das Gelände des Bundeswehrkrankenhauses Kronshagen.

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