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Rendsburg Regenbogenschule übt Demokratie
Lokales Rendsburg Regenbogenschule übt Demokratie
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06:07 24.06.2019
Von Sven Janssen
Nach der geheimen Wahl verschwinden die Wahlzettel von Johannes (9, von links), Thorge (10) und Tom (10) in der Wahlurne. Quelle: Sven Janssen
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Quarnbek

Wahlstimmung im Klassenraum. Gleich acht Parteien haben die Schüler der vierten Klasse gegründet, Plakate entworfen und sich Claims ausgedacht. Claims? „Das ist das Wesentliche, das die Partei will, in einem Satz“, sagt Hannes. Er gehört zur PfW, der Partei für Wohlbefinden. Ihre Ziele: „Mehr Freizeit und das Leben leben.“ Wie alle anderen stellen auch sie ihre Forderungen vor der Klasse vor. Sichere Freizeit ist ihnen wichtig, deshalb wollen sie die Polizei vergrößern. „Aber dann müssen die ja mehr arbeiten und haben gar nicht mehr Freizeit, das ist doch Unsinn“, wirft eine Schülerin ein, der Wahlkampf ist in vollen Zügen.

Tierschutz, Klima und Gesundheit sind Thema

Die Deutsche Tierschutzpartei (DTP) setzt auf Popularität. „Wir haben eine Spendenaktion organisiert und 106,50 Euro zusammenbekommen“, sagt Ida (10). Das helfe sicher, Stimmen zu bekommen. „Testet Schminke an Euch selbst, nicht an Tieren“, haben sie sich auf ihre Fahnen geschrieben. Die Partei Sport für Jedermann (SFJ) wirbt für mehr Bewegung, weil es zu viele Übergewichtige in Deutschland gebe und man nach den USA einen Spitzenplatz in der Welt belege. Die Naturschutzpartei (NSP) steht wie die Partei Save the Earth (StE) für den Erhalt der Umwelt, die Bunten setzen sich für das Tierwohl ein. 20 Minuten dauert der Wahlkampf, dann müssen sich die Schüler entscheiden.

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Alles wie bei echten Wahlen

Jeder hat eine Wahlbenachrichtigung bekommen und muss sich mit Personalausweis bei der Stimmabgabe identifizieren. „Wir haben vom Land sogar extra eine Wahlurne bekommen“, sagt Lehrer Thomas Lübcke, der das Projekt im Heimat-, Welt- und Sachunterricht angeboten hat. Lübcke hat unter anderem Politikwissenschaft studiert. „Ich finde es wichtig, das Thema schon in der vierten Klasse zu behandeln, die Schüler wählen ja auch den Klassenrat, da ist das Verständnis für Demokratie schon wichtig“, sagt er. Die Schüler haben zum Projekt schon viel Wissen mitgebracht. „Unsere Schule ist immer Wahllokal, da bekommen die Kinder viel mit“, ist seine Erklärung. Im Planspiel eine ganze Wahl zu organisieren, sei ein prima Weg, sich tiefer mit dem Thema zu beschäftigen.

Wahlkampf wirkt

In der Klasse läuft alles nach Vorschrift. Lise und Anton prüfen die Identität der Wähler und haken sie im Wählerverzeichnis ab, bevor sie den Wahlschein herausgeben. „Jeder darf nur alleine in die Wahlkabine“, ermahnen sie zwischendurch. Da jeder Schüler in einer Partei ist, könnte man meinen, dass am Ende jede Partei so viele Stimmen wie Mitglieder hat. Weit gefehlt. Als am Ende die TP mit elf Stimmen zum Wahlsieger gekürt wird, ist klar, dass die sieben Mitglieder mindestens vier Stimmen von anderen bekommen haben. Wahlkampf wirkt.

Wiederholung ist geplant

Dass Lübcke mit seinem Demokratieprojekt bei den Schülern einen Volltreffer gelandet hat, macht Ida deutlich: „Ich finde HWS sonst eher langweilig, aber das war richtig spannend.“ Nicht zum letzten Mal wird es das große Planspiel an der Regenbogenschule geben. „Das werden wir im kommenden Jahr wiederholen“, sagt Lübcke. Möglicherweise könnten dann auch die Drittklässler als Wähler mit einbezogen werden, sagt er. Da sie nicht in den Parteien sind, sondern ganz unbeteiligt, wäre der Wahlkampf und die Wahl gleich noch spannender und ein Stück realistischer.

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