Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Rendsburg Willi Kruse zeigt die Welt von oben
Lokales Rendsburg Willi Kruse zeigt die Welt von oben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:13 30.07.2019
Von Beate König
Aus den Dachluken der St.Marien-Kirche geht der Blick weit ins Land, die Eisenbahnbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal und die Nordmarkhalle sind unter anderem zu erkennen. Quelle: Beate König
Rendsburg

„Erst kommt die Backsteintreppe, dann eine breite, steile, dann eine schmale, noch steilere Stiege“, motiviert Willi Kruse Besucher, mit ihm bis zur Ebene mit den Aussichtsluken, die direkt unter den Zifferblättern im Turm liegen, stufenweise himmelwärts zu streben.

Willi Kruse kennt jeden Backstein im Turm von St. Marien

Willi Kruse kennt jeden Backstein im Turm. Von 1985 bis 2009 war der heute 75-Jährige Küster in St.Marien. „Vorher war ich Bauleiter beim Bau des Gemeindehauses“, erzählt er. Die Kirche gefiel ihm als Arbeitgeber besser. Er sattelte um. Nach seiner Pensionierung 2009 blieb er ehrenamtlich aktiv. „Ich bin Kirchensitter und Turmführer. Die Kirche und der Kirchenrat begeistern mich.“

Der Kirchturm wurde 1852 in seiner heutigen Form angelegt

Im Lauf der Jahrhunderte wurde die 1287 als gotische Hallenkirche geplante Marienkirche mehrfach erweitert. Ein Turmfundament gab es von Anfang an, allerdings stand dort ab 1454 ein deutlich flacherer Turm aus Holz. 1571 wurde das Holz durch Stein ersetzt. Der Turm in seiner heutigen Höhe wurde 1852 bei einer gründlichen Renovierung der gesamten Kirche gebaut. „Die Mauern sind mit zwei bis vier Meter Dicke überdimensioniert“, hat der Baufachmann ausgemessen. „Damit er die Schwingungen der Glocken aushält.“

Willi Kruse hat noch mehr Wissen aus der Baugeschichte parat: Es dauerte ab 1330 insgesamt 20 Jahre, um das Gewölbe der Kirchendecke zu mauern. Das alte Uhrhaus ist die erste Station beim Aufstieg: Seit das mechanische Uhrwerk durch eine Funkuhr ersetzt wurde, steht die Hütte leer. „Das Uhrwerk ist im Stadtmuseum.“ Früher wurde die Uhr jede Woche von einem Uhrmacher aufgezogen.

Nächste Station ist die Glockenstube: Zwei der fünf mit grüner Patina überzogenen Tonangeber wurden erst 1961 in den Kirchturm eingebaut. Teile des massiven Gebälks wurden für den Transport der Glocken sichelförmig abgehobelt und die Fensternischen für die neu eingezogene Ebene mit modernen, schmalen Backsteinen höher gebaut. Weiter unten finden sich die deutlich dickeren Klosterziegel, zeigt Kruse an der Wand erkennbar nachvollziehbare Baugeschichte.

Wer es schafft, zwei fast senkrechte Stiegen zu erklimmen, ist der schönen Aussicht ganz nah. Nur ein Brett muss Willi Kruse noch hochschieben, dann schwingen die Flügel der Holzluken auf. „Primitiv, aber wirkungsvoll“, sagt der 75-Jährige zur Verschlusstechnik.

Rundblick durch die Turmluken über Altstadt und Obereiderhafen

Eine Brise weht kühl in den staubigen Raum unterm spitzen Schindeldach. Von unten leuchten Ziegeldächer der Altstadt rot, auf Augenhöhe hängen die Gewichte eines Baukrans. „Ich schaue immer nach dem Baufortschritt beim Pflegeheim am Altstädter Markt.“ Der ist von der Ost-Luke gut zu erkennen.
Weitere Ansichten: Die dunkle Silhouette der Eisenbahnhochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal zeichnet gegen den Himmel ab. Das Wasser im Obereiderhafen glitzert in der Sonne, ein Traditionssegler am Kai wirkt von oben klein wie ein Spielzeug. Das hat sich gelohnt.

Immer informiert: Nachrichten aus der Region

Altes Gemäuer, steile Stiegen und tolle Ausblicke: All das hat eine Turmführung in der St. Marien Kirche in  Rendsburg zu bieten.

Gefährliches Aquaplaning: Ein Sprinterfahrer (37) verlor auf der regennassen A210 die Kontrolle über seinen Wagen. Er verunglückt bei Ostenfeld. Der Rettungshubschrauber landete - aber für den Schwerverletzten gab es keine Rettung.

30.07.2019

Packt Katharina Schunck für das Wacken Open Air, ist auch eine Weste mit dem Aufdruck „Seelsorge-Team“ dabei. Die 30-jährige Rendsburgerin ist seit 2011 beim viertägigen Heavy-Metal-Festival WOA als Pastorin im Einsatz. In diesem Jahr teilen sich 22 Seelsorger die 24-Stunden-Schichten.

30.07.2019

Von den 2000 Grabflächen auf dem Friedhof der St. Johanniskirche Brügge sind nur noch knapp 60 Prozent belegt. „Noch“, fügt Pastor Henry Koop mit einem Stirnrunzeln hinzu. Denn immer mehr Flächen bleiben frei. Urnenbestattungen auf See oder im Wald sind eine große Konkurrenz.

Frank Scheer 29.07.2019